PodcastWo die Rabatte explodieren, sind Betrüger:innen nicht weit: mit Fake-SMS, Tricklinks und perfektionierten KI-Shops.
Ich sitze vor meinem Laptop, scrolle von einer Seite zur nächsten. „Die besten Angebote des Jahres!“, „Bis zu 70 Prozent Rabatt!“, „Dieser Deal endet in: 02:14:37“. Tick, tack. Die Zeit läuft. Ich werde nervös, fühle mich aufgekratzt. Welche Weihnachtsgeschenke brauche ich nochmal alle??? Und neue Kopfhörer wollte ich doch auch schon seit Längerem!
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Es ist Cyber Monday, das direkte Nachspiel von Black Friday. Während sich Online-Shops mit Rabatten überschlagen, herrscht gleichzeitig Hochsaison für Betrüger:innen, die den hohen Kauf- und Zeitdruck in der Weihnachtszeit ausnutzen.
KI-Betrug auf dem Vormarsch
Bereits zu Beginn der Black Week vor einer Woche warnte die Regulierungsbehörde RTR vor Fake-Paketzustellungs-SMS und dubiosen Links mit Zahlungsaufforderungen. Denn die KI ist ein hilfreiches Mittel, das Betrüger:innen immer gekonnter einsetzen: etwa für die Generierung von Fake-Shops, die bekannte Marken so präzise kopieren, dass man kaum noch zwischen Original und Betrug unterscheiden kann. Laut den Gen Threat Labs, einem globalen Netzwerk von Cybersicherheitsforscher:innen, wurden 2025 bereits über 140.000 KI-generierte Betrugsseiten aus dem Verkehr gezogen.
Streng genommen kann man uns kaum die Schuld geben: Gegen einen KI-optimierten Shop-Doppelgänger hat selbst ein aufmerksamer Mensch schlechte Karten. Und doch sind wir es auch selbst, die im Kaufrausch den gesunden Zweifel im Warenkorb vergessen.
Rabattglanz und Hirnnebel
Denn sowohl der Black Friday als auch der Cyber Monday nutzen psychologische Tricks, damit wir zuschlagen. Sätze wie „Nur noch heute!“, „Nur noch 3 Stück verfügbar!“ erzeugen künstlichen Stress. Wir klicken lieber zu schnell als zu spät, entscheiden impulsiver, denn sonst könnte ja die Chance auf unser langersehntes Lieblingsteil verpuffen.
Und dann gibt es da noch die große Illusion des Schnäppchens: Ein hoher, durchgestrichener „Vorher“-Preis löst sofort ein Belohnungsgefühl aus. Die Krux daran? Der Preis wurde möglicherweise viel zu hoch angehoben, um ihn später zu „reduzieren“.
Check, bevor du klickst
Expert:innen sagen voraus, dass der Trend zu Black Friday und Cyber Monday in Österreich weiter zunehmen wird. Gründe dafür sind etwa die Digitalisierung und der wachsende Online-Handel. Doch wie können wir seriöse von unseriösen Webseiten unterscheiden, während wir uns im Kaufrausch befinden?
Die Arbeiterkammer rät, Onlineshops genau unter die Lupe zu nehmen: Stimmt das Impressum, wo sitzt der Anbieter und wirken die Preise plausibel? Auch ein Blick auf Vergleichsplattformen hilft, überhöhte „Vorher“-Preise oder falsche Schnäppchen zu entlarven. Ebenso wichtig: das Kleingedruckte. Oft gelten hohe Rabatte nur für einzelne Produkte – und Zusatzkosten wie Versand, Zoll oder teure Rücksendungen können jedes vermeintliche Angebot zunichtemachen.
Diese Tipps muss ich mir jedenfalls merken. Denn auch ich bin nicht vor Black-Week-Rabatten gefeit.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Seit 2022 gelten in Österreich strenge Regeln für Rabatte: Laut Preisauszeichnungsgesetz müssen Händler:innen bei Aktionen den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage angeben. Ausnahmen gelten etwa für verderbliche Waren oder Produkte mit kurzer Haltbarkeit. Gerade internationale Online-Händler halten sich jedoch oft nicht an diese Vorgaben – der Handelsverband warnt hier vor „Scheinrabatten“, besonders bei Anbietern aus Asien und den USA.
- Mehr Kontrollen, mehr Streitfälle: Weil Preise und Rabatte zunehmend im Fokus stehen, lässt das Sozialministerium durch den Verein für Konsumenteninformation (VKI) die großen Supermarktketten Spar, Billa, Hofer und Lidl derzeit wegen möglicher „irreführender Rabatte“ prüfen. Auch Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer hat eine „Aktion scharf“ angekündigt, um Verstöße strenger zu ahnden. Händler:innen wiederum kritisieren die komplexe Rechtslage, da viele Ausnahmen nicht direkt im Gesetz stehen, sondern nur in den Erläuterungen.
Quellen
- Vorarlberg.orf.at: AK warnt vor Schnäppchen-Schwindel
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- Noe.orf.at: Wirtschaft erwartet Boom durch Black Friday
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