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Das Glück ist, wo das Geld liegt

3 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Ein Gesetzesentwurf zum Online-Glücksspiel soll noch dieses Jahr kommen.
ÖVP und SPÖ versprechen Regulierung und Spieler:innen-Schutz.


Ich lege die Karten auf den Tisch: Ich habe Angst, spielsüchtig zu werden, dass dieses Potenzial in mir schlummert und ich es zum Erwachen bringe. Schon Candy Crush am Handy ist mir zu viel, dieses Risiko gehe ich nicht ein. Manchmal taucht er trotzdem auf, der Gedanke: „Wenn alles schiefläuft, kann ich ja immer noch Lotto gewinnen.“ Natürlich weiß ich, dass das nicht so einfach ist – und diese Kolumne soll keine Intervention meiner eigenen delulu-Vorstellungen sein. Aber wenn es mir schon so schwerfällt, wie muss es dann jenen gehen, die wirklich süchtig sind?

Spieler:innenschutz, klingt ja mal vielversprechend

Mehr Schutz für Spieler:innen, da ist man sich in der Koalition einig. Das ist Balsam für die Seele, das geht runter wie Butter: Der Schutz der Spielenden im Vordergrund. Vielen Dank! Mit einem näheren Blick erkennt man: Früher war das anders. Die Grünen wollten mehr Sicherheit, die ÖVP weniger. Nun soll 2026 ein neues Gesetz in Kraft treten, denn: Schon 2027 laufen die Konzessionen für Lotterien, Online-Glücksspiel und sechs Casinos aus.

In Österreich gilt Glücksspiel als gesellschaftlich riskant und deshalb grundsätzlich streng reguliert. Laut Glücksspielgesetz sind das Spiele, bei denen das Ergebnis ausschließlich oder überwiegend vom Zufall abhängt. Alles, was mit strategischem Können allein nicht zu gewinnen ist, fällt darunter. Kein Wunder, dass das Thema immer wieder politisch heiß diskutiert wurde, zwischen Schutzinteressen und wirtschaftlichen Zielen der Anbieter.

Ein Blick über die Grenze

In Europa läuft Glücksspiel sehr unterschiedlich: In Deutschland ist es weitgehend legal, wird stark beworben und steht immer wieder im Fokus von Kritik und Diskussionen. Italien versucht es mit Werbeverboten. Kroatien hat einen freieren Markt und weniger Kontrolle. Österreich hingegen präsentiert sich gerne als streng, vernünftig, gesundheitsbewusst – das moralische Gegenmodell.

Was bringt ein Monopol überhaupt?

Österreich setzt auf ein quasi-monopolartiges System: Ein Anbieter, Limits, Alterskontrollen, Sperrsysteme, Werbungseinschränkungen. Theoretisch soll das Süchte eindämmen, Gewinne im Land halten und Prävention finanzieren. In der Praxis locken internationale Anbieter weiterhin Spieler:innen an. Technische Hürden wie IP- oder Payment-Blocking sind noch neu, sodass unklar ist, wie wirksam sie online sind- der umfassendere Spieler:innen-Schutz soll erst ab 2026 greifen.

Die Macht bleibt oben

Die Dreierkoalition hat sich geeinigt, ein Gesetzesentwurf soll kommen. Höchste Zeit. Was bleibt: Die Großen haben die Macht und das Geld fließt weiterhin nach oben. Und währenddessen hoffen die Spieler:innen auf ein kleines Stück Glück.

Ach, jetzt habe ich ja richtig Lust, mir einen Lottoschein zu kaufen, denn ich weiß ja:
Das Glück ist, wo Sie sind. Oder besser gesagt: Das Glück ist, wo das Geld liegt.
Und, Achtung Spoiler: Das Geld liegt eindeutig nicht bei den Spieler:innen.


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Infos und Quellen

Quellen

Daten und Fakten

  • Das Glücksspielgesetz definiert Glücksspiele klar: Es sind jene Spiele, bei denen das Ergebnis ausschließlich oder zumindest überwiegend vom Zufall abhängt.
  • Aufgrund der gesellschaftlichen Risiken ist Glücksspiel in Österreich grundsätzlich streng reguliert, unter anderem mit dem Monopol, um Spieler:innen zu schützen und problematisches Spielverhalten einzudämmen.
  • In der Vergangenheit wurde immer wieder über Regelungen zum Glücksspiel, wie zum Beispiel Spieler:innen-Schutz. diskutiert und politisch kontrovers ausgetragen, oft zwischen den Interessen des Spielerschutzes und den wirtschaftlichen Zielen der Anbieter.

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