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Was der Klimawandel und die Hitze mit dem Erfolg von Herbert Kickl zu tun haben.
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Und nochmal schreibe ich über die Hitze. Weil es erst Anfang Juli ist und wir da noch einiges vor uns haben. Temperaturrekord also. In den letzten Wochen gab es unzählige Berichte, dass es in Österreich noch nie so heiß war wie jetzt. Dass der menschengemachte Klimawandel die aktuellen Hitzewellen um vier Grad wärmer macht, als sie sowieso wären. Und immer noch schreiben mir Leute, dass es immer schon heiße Sommer gegeben habe und die Leute sich nicht so aufregen sollen. Es ist unfassbar.
Seit über 15 Jahren arbeite ich im Bereich der Nachhaltigkeit, war bei verschiedenen NGOs. Schon damals wiesen wir auf die Gefahren der Erderhitzung hin und forderten Maßnahmen. Und es begann ja nicht erst in dieser Zeit: Die eindringlichen Warnungen gibt es bereits seit den 1970er-Jahren. Immer und immer wieder haben wir Maßnahmen eingefordert. Passiert ist viel zu wenig. VIEL zu wenig. Es wurde derart der Kopf in den Sand gesteckt, dass nicht nur zu wenige Maßnahmen im Kampf gegen die globale Erwärmung ergriffen wurden, sondern auch nicht drüber nachgedacht wurde, wie man Stadt und Land dann wenigstens gut auf die Hitze vorbereitet.
Jetzt hock’ ich da in meiner stockdunklen Wohnung, die sich trotz Altbau, Hochparterre und schattiger Gasse den 30 Grad nähert und in der vorletzte Woche bei der Rekordhitze am Wochenende die Gastherme w.o. gegeben hat – die Abgase können über die komplett überhitzten Kamine nicht mehr abtransportiert werden – und denke mir nur: „Oida, wir habens euch gsaaaagt, ihr Wappler!“ Und versuche, meine Beklemmung und Angst wegzuatmen.
Jetzt mal was ganz Persönliches, das mich wahnsinnig wütend macht: Von 2009 bis 2011 war ich Pressesprecherin bei GLOBAL 2000. Damals schrieb ich mehrmals pro Monat Presseaussendungen, in denen hauptsächlich die österreichische Politik aufgefordert wurde, Klimaschutzmaßnahmen zu setzen. Norbert Hofer war damals Umweltsprecher der FPÖ, und es passierte mit beeindruckender Regelmäßigkeit, dass er nahe darauffolgend zum gleichen Thema Pressemeldungen versandte, teilweise mit übereinschneidender Stoßrichtung – besonders auffällig war es zu der Zeit, als die OMV im Jahr 2012 im Weinviertel Schiefergas mittels Fracking (dieses Verfahren kann das Grundwasser massiv beeinträchtigen) gewinnen wollte. Manchmal stellten wir uns die Frage: Waren wir seine Inspiration? Anfangs ärgerte ich mich darüber, irgendwann amüsierte es mich nur noch – und nach einem Jahr etwa blödelten wir, ob wir den Herrn Hofer nicht besser anrufen sollten, ob es ihm eh gut geht, wenn längere Zeit keine inhaltsgleiche Aussendung auf unsere folgte.
Zurückblickend muss ich sagen: Damals gab es wenigstens so etwas wie Umweltpolitik bei der FPÖ. Hofer wusste Bescheid und handelte danach. Als er die Partei übernahm, wollte er Klimapolitik sogar zu einer Säule in der Politik der FPÖ machen. Heute wird nur noch abgewiegelt und relativiert. Es begann bereits unter Heinz-Christian Strache. Der erklärte 2018 in einem Interview, es sei „eine offene Frage, inwieweit der Mensch das Klima beeinflussen kann“. Er verwies auf die Sahara, die von der Kornkammer Roms zur Wüste geworden sei – was mit „vielen Faktoren zu tun“ gehabt habe, „aber sicher nicht mit Fabriken oder sonstigen Entwicklungen, die es damals gar nicht gab“.
Im ORF-Sommergespräch 2021 stellte Herbert Kickl das Schmelzen der Gletscher in Abrede und widersprach damit der eindeutigen Forschungsmeinung. Außerdem sprach er von „Klima-Alarmismus“ und verharmloste damit die immer häufiger werdenden Extremwetterereignisse. In einem Facebook-Posting 2022 sprach er vom „sogenannten Klimawandel“. Bei einer Bierzeltveranstaltung in Wien-Simmering forderte Kickl: „Hinaus aus diesem Klima-Kommunismus, wo ja ganz bewusst die Energie verteuert wird, damit man alle einipresst (sic!) in diese Wind- und in diese Solarenergie.“ Im Februar 2023 sagte er außerdem: „Alles, was fossil ist, ist des Teufels. Alles, was fossil ist, muss in ein paar Jahren beseitigt werden. Liebe Freunde, wenn wir dieses Programm durchziehen, dann werden wir alles ruinieren, was wir uns wirtschaftlich erarbeitet haben.“
Die FPÖ leugnet offiziell nie direkt, arbeitet aber konsequent mit Relativierung, Vokabular wie „sogenannter Klimawandel“, „Hysterie“, „Klima-Kommunismus“ und „Hausverstand“ – und hat sich unter Kickl klar in Richtung impliziter Leugnung verschoben.
Ich bin mir sicher: Sowohl Kickl als auch Strache sind sich darüber bewusst, dass der Klimawandel echt ist. Ich weigere mich zu glauben, dass ein Herbert Kickl sämtliche Forschungen und Fakten rund um die Erderhitzung für Bullshit hält. Nein, er macht das ganz bewusst, um Menschen ihre unbewussten Ängste zu nehmen, da bin ich mir sicher. Er spricht alle an, die die Klimakatastrophe nicht wahrhaben wollen. Und das sind viele.
Die Klimakatastrophe ist so ein unfassbar riesiges Problem, dass wir sie kognitiv mit all ihren Auswirkungen gar nicht wirklich erfassen können. Denn wenn man es durchdenkt, dann endet man immer bei extremer Angst. Egal, wie man es dreht: Die Entwicklungen sind lebensbedrohlich.
Die FPÖ hat unter anderem auch so einen enormen Zulauf, weil diese Klimaangst, diese Hilflosigkeit nicht verstoffwechselt werden kann, sodass man am liebsten denen zuhört, die erklären: „Geh bitte, alles ganz normal, ist halt ein bissl heiß, war’s eh schon immer – mir loss’n si von den Ökofanatikern ned terrorisieren, gell, magst a kaltes Bier?“ Weil’s die Angst nimmt, wenn man sich einreden kann, dass das eh schon alles so passt. Tut’s aber nicht.
Und ich sitze da und schaue hilflos dabei zu, wie die FPÖ Umfragenkaiser ist.
Das ist nicht normal, was hier passiert.
Das darf nicht normal werden, das darf nicht normal bleiben.
Nunu Kaller schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Quellen
- ORF: Hofer will Klimaschutz zu „FPÖ-Schwerpunkt“ machen
- OTS: Kaineder: FPÖ-Chef Kickl im ORF-Sommergespräch: Gefährliche Aussagen zum Klimawandel stehen diametral zur Klimaforschung
- Facebook: Beitrag Herbert Kickl
- Falter: Ist Norbert Hofer ein Klimakommunist?
- Statista: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Nationalratswahl wäre?
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