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Fast Fashion: Die Richtung stimmt … nicht!

4 Min
Nunu Kaller schreibt zweimal im Monat eine Kolumne für die WZ.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Privat

Kolumne: Die Emissionen durch Fast Fashion steigen immer weiter.


    • Die CO2-Emissionen der Modeindustrie sind in zwei Jahren um 14 Prozent gestiegen und liegen bei etwa zwei Prozent der globalen Emissionen.
    • Politische Maßnahmen wie das Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und strengere Chemikalienregeln reichen bisher nicht aus.
    • Es braucht verbindliche politische Regeln und ein kollektives Bewusstsein für die Umweltfolgen unseres Modekonsums.
    • CO₂-Emissionen der Modeindustrie stiegen in 2 Jahren um 14 %.
    • 2024: Emissionen bei rund 1 Mrd. Tonnen, 6,3 % mehr als im Vorjahr.
    • Anteil der Modeindustrie an globalen Emissionen: ca. 2 %, so viel wie Japan.
    • Ab 19. Juli 2026: Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien in der EU.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Es ist mein wichtigstes Thema in Sachen Nachhaltigkeit, und ich bemühe mich in dieser Kolumne, nicht zu oft drüber zu schreiben, aber heute muss ich: Seit sechzehn Jahren arbeite ich zum Thema Fast Fashion. Mal als Aktivistin, die per Blog und Social Media ihre Wut auf den „Textilschweden“ rauslässt (wisst ihr, wen ich meine?). Mal als Campaignerin bei Greenpeace, mal als Buchautorin, die ihren Weg vom Shopaholic zur bewussten Modekonsumentin dokumentierte. Hauptsache laut, on- und offline, als Stimme für Slow Fashion, Fair Fashion, für Made in Austria.

Mein Grundsatz dabei war und ist denkbar einfach: Ich sehe nicht ein, warum am anderen Ende der Welt Menschen leiden und überall auf diesem Planeten die Umwelt draufzahlen soll, nur weil ich heute Lust auf ein grünes und morgen auf ein schwarzes Shirt habe.

14 Prozent mehr CO2 als vor zwei Jahren

Und nun die sehr bittere Erkenntnis: Es hat nichts gebracht. Nicht, dass ich jetzt der Meinung bin, dass mein Senf zu der ganzen Sache die weltweite Fast-Fashion-Produktion hätte eindämmen können (so selbstbewusst bin ich jetzt auch wieder nicht) – aber es haben so unglaublich viele Menschen weltweit so agiert wie ich. Aktivist:innen, NGOs, Wissenschafter:innen, ein paar mutige Unternehmer:innen, die es tatsächlich anders machen wollten.

Doch nun haben wir schwarz auf weiß, was vielen leider schon klar war: Das Apparel Impact Institute, eine US-amerikanische NGO, die seit Jahren die Klimabilanz der Modeindustrie durchrechnet, hat die Ergebnisse für 2024 veröffentlicht. Die CO2-Emissionen der weltweiten Modeindustrie lagen damals bei rund einer Milliarde Tonnen – um 6,3 Prozent höher als im Jahr davor. Und 2023 war der Ausstoß ebenfalls bereits um 7,5 Prozent gestiegen – macht in Summe gut 14 Prozent Zuwachs in nur zwei Jahren.

So viel wie Japan

Zur Einordnung: Häufig liest man, die Modeindustrie verursache mehr CO2 als der gesamte internationale Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Diese Zahl geistert seit der Veröffentlichung einer Studie im Jahr 2018 durch die Medien und wird bis heute munter weiterzitiert (auch von mir, wie ich leider zugeben muss). Seriöse aktuelle Berechnungen wie eben jene des Apparel Impact Institute kommen inzwischen auf einen Anteil von rund zwei Prozent der globalen Emissionen. Das ist in etwa so viel wie der CO2-Fußabdruck von ganz Japan – zwar nicht mehr als Luftfahrt und Schifffahrt zusammen, aber immer noch enorm, und vor allem: Es geht seit Jahren in die völlig falsche Richtung!

Ich schreibe das nicht, weil ich resigniere, sondern um eine Warnung auszusprechen: Schiebt dieses Desaster in der öffentlichen Debatte bitte nicht wieder auf die einzelnen Konsument:innen. Ja, klar wäre es gut, würden wir alle weniger kaufen. Aber selbst das ist nicht die Lösung, solange die Produktion von ultrabilliger Mode profitabel ist. Und das ist sie sogar dann, wenn nur die Hälfte von dem, was hergestellt wird, verkauft wird – was deutlich macht, wie unfassbar niedrig die Produktionskosten für die Hersteller wirklich sind. Teuer wird’s immer nur für die Umwelt.

Es könnte sein, dass ich mich schon anhöre wie eine hängengebliebene Schallplatte, aber: Wir brauchen endlich verbindliche, für alle geltende politische Regeln und keine freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen, die man bei den nächsten nicht ganz so leiwanden Quartalsergebnissen wieder zurücknimmt.

Es ist viel zu wenig passiert

Ein paar Dinge sind in den letzten Jahren immerhin tatsächlich passiert: Seit 19. Juli 2026 gilt in der EU im Rahmen der Ökodesign-Verordnung (ESPR) ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und Schuhe für große Unternehmen – auch wenn das in Österreich bisher zahnlos bleibt, weil die nötige nationale Strafbestimmung noch immer fehlt. Die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde mehrfach verschärft, die Liste besonders besorgniserregender Stoffe (SVHC) zuletzt im November 2025 auf 251 Einträge erweitert, eine EU-weite Beschränkung für PFAS-Chemikalien ist in Vorbereitung. Dennoch ist das offenbar noch zu wenig.

Wenn ich aufzählen dürfte, welche Maßnahmen es noch bräuchte, wäre meine Liste länger,Sc als dieser Text es erlaubt. Aber eines braucht es ganz definitiv, abseits von politischen Forderungen: endlich das kollektive Bewusstsein dafür, dass die Art, wie wir uns kleiden, unseren Planeten zerstört. Egal, ob die Modeindustrie mehr CO2 verursacht als Schiffs- und Flugverkehr oder doch „nur“ so viel wie ganz Japan: Es ist zu viel. Wir werden die Rechnung bald nicht mehr zahlen können – selbst wenn das neue Shirt nur zwei Euro kostet.

Nunu Kaller schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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