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Die USA emanzipierten sich vor 250 Jahren vom englischen König. Heute befinden sie sich wieder in den Armen eines selbstverliebten Autokraten.
4. Juli: Independence Day, Unabhängigkeitstag. 250 Jahre ist es her, dass sich 1776 die Kolonien auf dem Gebiet der heutigen USA von Großbritannien lösten. Die WZ – damals hieß das Medium „Wienerisches Diarium“ – berichtete erstmals am 28. August 1776 darüber: „(…) Nachrichten aus Amerika bestätigen, daß der Generalkongreß die Kolonien am 4. Jul. für freie und unabhängige Staaten erkläret, und England förmlich den Krieg angekündigt hätte“, hieß es da wörtlich. Die zeitliche Verzögerung kam zustande, weil die Message erst per Segelschiff über den Atlantik nach Europa und dann per Pferd nach Wien gelangen musste.
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Es ging den Bewohner:innen der 13 Kolonien um Freiheit, ein Ende der Bevormundung und ein Ende der Steuerlast, die sie entrichten mussten, ohne politisch mitbestimmen zu dürfen. Maßgeblich wollten sie aber auch den alles dominierenden, als Tyrann empfundenen englischen König loswerden.
Und da ist es eine Ironie der Geschichte, dass die USA 2026 wieder in den Fängen eines selbstherrlichen Imperators sind. Der kommt diesmal aus dem Innersten der USA selbst und heißt Donald Trump. Der US-Präsident verehrt nicht nur die britische Monarchie, er liebt royales Gepränge überhaupt und inszeniert sich selbst als König.
„Be a killer, be a king“
Die Ursachen für dieses merkwürdige Verhalten liegen unter anderem in Trumps Erziehung. „Be a killer, be a king“, war die Maxime, die der junge Donald von seinem Vater, dem Bauunternehmer Fred Trump, mit auf den Weg bekam. Häufig wiederholt, bis es in Juniors Bewusstsein richtig verankert war.
Trump ist auf seinen geschäftlichen Killerinstinkt immer sehr stolz gewesen. Anlässlich seines 80. Geburtstags und des Gründungsjubiläums lässt er jetzt aber Teil zwei des väterlichen Ratschlags voll zur Geltung kommen. Der US-Präsident veranstaltete Gladiatorenspiele in Form von Käfigkämpfen vor dem Weißen Haus, ganz im Stil römischer Kaiser. Außerdem hätte er gerne, dass ein neuer 250-Dollar-Schein mit seinem Bildnis drauf herausgegeben wird, obwohl es in den USA seit 1866 verboten ist, dass lebende Personen auf Geldscheinen zu sehen sind. Trump liebt Orden, Huldigungen, Pokale aller Art und pompöse Militärparaden. Ein fürstlicher Ballsaal entsteht im Weißen Haus – ja, sogar ein 76 Meter hoher Triumphbogen, der von einer goldenen Engelsfigur und zwei Adlerstatuen gekrönt ist, soll anlässlich des Unabhängigkeits-Jubiläums in Washington errichtet werden. Und zwar direkt gegenüber dem berühmten Lincoln-Memorial. Die zuständige Kommission, die mit Trump-Gefolgsleuten besetzt wurde, hat bereits grünes Licht gegeben. Die Meinung des US-Kongresses dazu interessiert den Präsidenten nicht.
Vielen Amerikaner:innen gefällt das. Irgendwie beneiden sie die Europäer:innen scheinbar um ihr royal-imperiales Erbe, empfinden die eigene, bloß republikanisch-demokratische Tradition als Makel. Und holen das Versäumte jetzt in vollen Zügen nach.
Auch in unserer EU-Kolumne geht es um 250 Jahre Unabhängigkeit der USA
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Infos und Quellen
Quellen
- Das „Wienerische Diarium“ vom 28. August 1776: Der Vermerk zur Erklärung der Unabhängigkeit der Kolonien findet sich auf Seite 3, links oben.
- Michael Kranish, Marc Fisher: „Die Wahrheit über Trump“, Plassen 2019
Daten und Fakten
- Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung wurde am 4. Juli 1776 vom Kontinentalkongress verabschiedet und besiegelte die Loslösung der dreizehn nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien. Als Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten proklamierte sie die universellen Menschenrechte auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.
- Der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag in den USA, wird als Nationalfeiertag traditionell mit großen Feuerwerken, Grillfesten, Konzerten und Familienpicknicks gefeiert.
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