Zum Hauptinhalt springen

Die vergoldete Hochwasserwiese in Leobersdorf

4 Min
Eine brache Wiese in Leobersdorf wurde plötzlich zum Spekulationsobjekt.
© Illustration: WZ

Der Leobersdorfer Bürgermeister Andreas Ramharter verhilft einem Parteifreund zu einem Umwidmungsgewinn – auf Kosten der Gemeinde.


Für die „Mayerwiese“ interessierte sich jahrelang niemand. Schmetterlinge flattern über das Gras, der Verkehr der Südautobahn rauscht und die Triesting plätschert vorbei. Tritt sie über die Ufer, steht die Mayerwiese unter Wasser. Deshalb herrscht hier Bauverbot. Das soll sich bald ändern.

Profitieren wird ein gewisser Christian Mayer. Ihm gehört die Wiese. Mayer war bis vor wenigen Monaten Gemeinderat der Liste Zukunft Leobersdorf, der Partei des Bürgermeisters. Der Deal, den Mayer machen konnte, ist ein Glücksgriff. Er wird ihm jede Menge Steuergeld in die Brieftasche spülen – und die Gemeindekasse belasten.

Eingefädelt hat ihn der Bürgermeister selbst. Auf das Wohl seiner Gemeinde dürfte der Ortschef dabei nicht geschaut haben. Sein Plan ist skurril: Die Gemeinde soll das Grundstück erst umwidmen und dann um einen entsprechend höheren Preis kaufen. So weit, so gut. Doch Mayer hat die Wiese erst Ende 2024 vom örtlichen Wasserverband zu einem günstigen Preis erworben. Der Chef dort: Bürgermeister Ramharter, 64 Jahre, groß im Immobiliengeschäft.

Der Bürgermeister von Leobersdorf bedient also einen Parteifreund mit günstigem kommunalem Grund, um ihn dann teuer von der Gemeinde wieder ankaufen zu lassen? Ein Schildbürgerstreich? Oder Geschäftemacherei auf dem Rücken der Bürger?

Bürgermeister mit umstrittenen Immo-Deals

Mit Skrupel vor fragwürdigen Geschäften hat sich Ramharter in der Vergangenheit nicht besonders hervorgetan: Er hat die Wiese eines ehemaligen Frauen-KZs gekauft und um 16,5 Millionen Euro weiterverkauft – Falter und WZ haben darüber 2024 berichtet. Jetzt wird auf dem Fundament des NS-Tatorts ein Gewerbepark mit riesiger Kühlhalle gebaut. Dass daneben seit Jahren ein riesiges, leerstehendes Einkaufszentrum steht, interessiert Ramharter nicht.

Sein neuer Coup ist nicht minder gewagt. Viele haben sich gewundert, als Ramharter bei einer Sitzung des Wasserverbandes im Jahr 2023 vorschlug, die Wiese zu verkaufen. Hier sitzen die Bürgermeister:innen von zwölf Gemeinden, die ihr Wassermanagement gemeinsam organisieren. Obmann ist Ramharter. Die Mitglieder sorgten sich um den Hochwasserschutz. Im Sitzungsprotokoll heißt es, dass die ASFINAG die Fläche der Mayerwiese bräuchte. Von Bauland ist damals noch nicht die Rede.

Profit für einen Parteifreund

Drei Jahre später ist das nicht mehr der Fall. Der Verband hat die Wiese 2024 verkauft. Ramharter hat laut Sitzungsprotokoll argumentiert, dass hier kein Hochwasserschutz mehr nötig sein, schließlich habe man ein großes Rückhaltebecken gebaut. Erst sollte es die Gemeinde selbst kaufen, am Ende Schlug Mayer zu – um 550.000 Euro für 32.000 Quadratmeter – annähernd derselbe Betrag, für den Mayer die Wiese ursprünglich an den Wasserverband verkauft hat. Mayer unterschrieb den Kaufvertrag am 5. Dezember 2024. Und lieh sich von Ramharter Geld. Nur einen Tag später unterfertigte er einen Pfandbestellungsvertrag um 290.000 Euro und bestellt die Mayerwiese als grundbücherliche Sicherheit. Das Darlehen bekommt Mayer von der Prisma Holding GmbH, der Firma des Bürgermeisters.

Die ersten Umwidmungspläne gibt es nur wenige Monate später. Ein Teil der Mayerwiese soll zu Bauland werden – mit erheblicher Wertsteigerung, – mindestens das Doppelte. Doch nicht nur das. Die Gemeinde Leobersdorf will die Wiese jetzt doch kaufen, zum Baulandpreis. Kauf und Umwidmung werden gerade vorbereitet, der Beschluss im Gemeinderat ist noch nicht gefallen.

Aus der Brache wird begehrtes Bauland

„Um Spekulationen vorzubeugen, schlagen wir daher vor, dass dieses Bauland durch die MG Leobersdorf bzw. deren Tochter, die Leo-KIG GmbH, erworben werden soll.“ Und: „Unser Plan ist mittelfristig, dort Wohnbauprojekte zu ermöglichen“, heißt es in der aktuellen Juniausgabe der Zeitung von Ramharters Liste Zukunft Leobersdorf. Von Reihenhausanlagen, Bauplätzen für Private oder Wohnhausanlagen ist in der Zeitung die Rede.

Doch warum hat die Gemeinde den Grund nicht direkt vom Wasserverband gekauft – so wie es ursprünglich geplant war? Als Verbandsobmann und Bürgermeister wusste Ramharter vermutlich von der Fläche – und von der geplanten Umwidmung. Hat er seinem Parteifreund zu einem Umwidmungsgewinn verholfen? Die WZ hatte einige Fragen an Ramharter, als Bürgermeister und Wasserverbandsobmann. Er ließ sie unbeantwortet. Mayer wollte sich nicht zum Deal äußern. Als die WZ ihn kontaktierte, legte er nach wenigen Sekunden auf.

Die Mayerwiese liegt noch ruhig da. Sie ist bald keine brache Hochwasserwiese mehr, sondern Bauland, für das sich viele interessieren werden.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Gesprächspartner

  • Andreas Ramharter, Bürgermeister von Leobersdorf (Liste Zukunft Leobersdorf), Obmann Triesting Wasserverband (nicht auf Anfrage reagiert)
  • Christian Mayer, Ex-Gemeinderat Liste Zukunft Leobersdorf
  • Robert Nock, Abteilung WA3 Wasserbau, Land Niederösterreich
  • Helmut Habersack, Hochwasserforscher, Universität für Bodenkultur Wien

Daten und Fakten

  • Leobersdorf hat 5.344 Einwohner:innen. Bürgermeister Andreas Ramharter ist seit 2012 im Amt. Seine ÖVP-nahe Liste Zukunft Leobersdorf hat elf von 29 Sitzen im Gemeinderat. Es gibt ein Arbeitsabkommen mit FPÖ und ÖVP. Damit hat Ramharter eine knappe Mehrheit von 15 Mandaten.
  • Ramharter ist Geschäftsführer und Eigentümer der Immobilienfirma Prisma Holding GmbH.
  • Der Triesting Wasserverband wurde 1968 gegründet. Sein Sitz ist in Leobersdorf, Obmann ist seit 2012 Andreas Ramharter. Im Verband sind zwölf Gemeinden zusammengeschlossen, darunter Leobersdorf, Pottenstein, Berndorf, Hirtenberg und Enzesfeld-Lindabrunn. Zu den Aufgaben des Verbandes gehört unter anderem der Hochwasserschutz, die Pflege natürlicher Gewässer und die Sicherung der Ufer.

Quellen

  • NÖ Atlas Flächenwidmungsplan
  • Grund- und Firmenbuch
  • Kataster
  • Statistik Austria: Immobiliendurchschnittspreise 2025
  • Gemeinderatsprotokolle der Marktgemeinde Leobersdorf
  • Entwurf zur Änderung des Örtlichen Raumordnungsprogrammes Leobersdorf
  • Kaufverträge

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

Ähnliche Inhalte