Zum Hauptinhalt springen

Ein kleiner Photovoltaik-Gamechanger

3 Min
Jetzt tritt ein wichtiger Baustein des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes in Kraft, der privaten Photovoltaikbesitzern den Stromverkauf massiv erleichtern soll.
© Illustration: WZ, Bildquelle: WZ/Mathias Ziegler

Endlich ist es so weit: Künftig kann Ökostrom einfacher von Privat an Privat weitergegeben werden. Das macht PV-Anlagen auf Hausdächern noch attraktiver.


    • Die Gesetzeslage erschwerte bisher die direkte Weitergabe von überschüssigem Sonnenstrom unter Privatpersonen erheblich.
    • Ab 5. Oktober 2024 wird die Peer-to-Peer-Vermarktung von PV-Strom im selben Netz vereinfacht, bundesweit ab April 2027.
    • Diese Änderungen machen private Photovoltaikanlagen wirtschaftlich attraktiver und beschleunigen deren Amortisation.
    • Einspeisevergütung OeMAG: 6–9 Cent/kWh
    • Vereinfachte P2P-Überschussweitergabe ab 5. Oktober 2024 im selben Netz
    • Bundesweite P2P-Stromverkäufe ab April 2027 möglich
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Ein bisschen fühle ich mich als Pionier. Weil ich schon vor ziemlich genau 15 Jahren eine Sonnenstromanlage auf unser Hausdach montieren hab lassen, als viele in Österreich noch nicht einmal wussten, was Photovoltaik ist, geschweige denn, wie man sie richtig schreibt (frag mich bitte nicht, was ich damals pro installiertem Kilowatt bezahlt habe – und was man heute für einen Bruchteil davon an PV-Leistung bekommt).

Inzwischen kommt das Wort Photovoltaik immer mehr Menschen – auch Politiker:innen – flüssig über die Lippen, und die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren diesbezüglich ordentlich Tempo gemacht. Elektrizitätswirtschaftsgesetz, Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz, fette Fördertöpfe: All dies hat private PV-Anlagen attraktiv gemacht. Und dank einer Erweiterung samt Batteriespeicher sind wir daheim zumindest in den Sommermonaten tatsächlich autark und bemerken nicht einmal mehr Stromausfälle im Ort.

Strom vom Einfamilienhaus am Land für die Wohnung in der Stadt

Nur eines wurde bis dato vom Gesetzgeber sträflich vernachlässigt: Wer im Winter für die strombasierte Heizung genügend Sonnenenergie vom Dach holen will, muss seine PV-Anlage so dimensionieren, dass sie im Sommer zwangsläufig Überschüsse produziert. Und weil man oft gar nicht so viel Strom speichern und verbrauchen kann, wie erzeugt wird, speist man den Rest ins Netz ein. Abnehmer:innen gibt es dafür genug, und zwar auch im Familienkreis. Denn während ich bei der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG je nach Jahreszeit zwischen 6 und 9 Cent pro Kilowattstunde für den Stromüberschuss von meinem Einfamilienhausdach bekomme, zahlt meine Mama in ihrer Wohnung bei ihrem Stromanbieter wesentlich mehr. Was liegt also näher, als dass ich ihr meinen Sonnenstrom schenke?

Wenn das nur so einfach ginge. Bisher nämlich muss man in einem mühsamen Prozedere erst einmal einen Verein gründen, um eine Erneuerbaren-Energiegemeinschaft ins Leben zu rufen. Und je weiter die Distanz, desto geringer die Ersparnis, weil trotzdem für jede Kilowattstunde immer noch Netzentgelte zu bezahlen sind. Ich habe die Möglichkeit einer Energiegemeinschaft mit der Verwandtschaft tatsächlich in Betracht gezogen, mich dann aber doch dazu entschieden, meinen Strom vorerst der OeMAG zu verkaufen und darauf zu warten, dass die Regierung endlich ihr Versprechen einlöst und die Peer-to-Peer-(P2P)-Vermarktung (also Privat an Privat) vereinfacht. Im Herbst 2026 sollte es so weit sein, hieß es Anfang des Jahres. Und jetzt wird tatsächlich der erste Schritt getan.

Warum eigentlich erst jetzt?

Ab 5. Oktober kann ich meiner Mama meinen Überschuss endlich einfacher zukommen lassen, weil wir denselben Netzbetreiber haben. Bundesweite P2P-Stromverkäufe ohne bürokratische Hürden (oder zumindest mit viel weniger Hürden als bisher – man muss einen Vertrag abschließen und dem Netzbetreiber übermitteln), die auch unabhängig vom Netzbetreiber funktionieren, sind dann ab April 2027 möglich. Allerdings werden die anfallenden Netzentgelte erst ab 1. Jänner 2027 reduziert, auch im selben Netz. Weniger altruistische PV-Besitzer:innen können natürlich ihren Strom gewinnbringend auf dem freien Markt verkaufen, statt ihn an Verwandte zu verschenken.

Aus meiner Sicht ist das Ganze ein kleiner Gamechanger, weil sich damit PV-Anlagen doppelt auszahlen: Neben der Deckung des Eigenbedarfs kann man künftig auch mehr Einnahmen lukrieren, wodurch sich die Anlage früher amortisiert. Das macht die Investition in privaten Sonnenstrom attraktiver. Ich frage mich nur: Warum hat die Politik so lange dafür gebraucht? Um wie viel Geld ich in den vergangenen 15 Jahren umgefallen bin, rechne ich mir lieber erst gar nicht aus . . .


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Ähnliche Inhalte