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Gewalt gegen Frauen – Überlebende erzählen

11 Min
Laut Innenministerium gab es in Österreich in diesem Jahr schon 15 Morde an Frauen mit Bezug zu Gewalt in der Privatsphäre. 2024 waren es insgesamt 22 Frauen, deren Leben von Männern beendet wurden.
© Illustration: WZ

Renate hat einen Femizidversuch überlebt, Eva war 25 Jahre lang in einer Gewaltehe, Bettina floh mit ihren zwei kleinen Kindern vor ihrem Mann. Die drei Frauen erzählen, wie sie Gewalt erfahren haben und was sie sich von der Gesellschaft wünschen.


    • Renate Hofer, Eva und Bettina berichten von jahrelanger Gewalt durch Partner, geprägt von patriarchalen Strukturen und gesellschaftlicher Ignoranz.
    • Der Ausstieg aus der Gewalt ist schwierig, oft begleitet von Isolation, finanzieller Abhängigkeit und mangelnder Unterstützung durch das System.
    • Die Frauen fordern mehr Prävention, gesellschaftliches Bewusstsein und konkrete Hilfsangebote, um Gewalt gegen Frauen nachhaltig zu bekämpfen.
    • Jede dritte Frau in Österreich erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt.
    • Drei Frauen pro Monat werden in Österreich im Durchschnitt von (Ex-)Partnern getötet.
    • Jede vierte Frau kehrt aus finanzieller Not zum gewalttätigen Partner zurück.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen


Triggerwarnung: Dieser Artikel behandelt sexualisierte Gewalt, einschließlich Vergewaltigung. Der Inhalt kann belastend oder retraumatisierend wirken. Bitte lies nur weiter, wenn du dich emotional sicher fühlst. Eine Liste mit Unterstützungseinrichtungen findest du am Ende des Textes.

„Ihr Mann wollte Sie umbringen, Frau Hofer.“ Die Worte des Polizisten dringen nur langsam zu Renate durch. Die 28-Jährige liegt im Krankenhausbett. Grelles Licht, Kopfschmerzen, ein Tubus im Hals. Renate weiß: Es gibt kein Zurück in ihr altes Leben. Doch wie es weitergehen soll, weiß sie nicht.

Heute, 23 Jahre später, ist Renate im Kampfmodus. In den braunen Augen der zierlichen 51-Jährigen mit dem Nasenpiercing blitzt es, wenn sie erzählt, was sie noch vorhat. Ihre Geschichte in die Welt hinausschreien, zum Beispiel. Renate will, dass die Gewalt endlich aufhört. Dass keine Frau mehr dasselbe durchmachen muss wie sie.

Kritik, Schläge, Psychoterror

Renate wächst in der ländlichen Südsteiermark auf. Dort, wo niemand hinsieht, wenn Türen zufallen. Sie lernt früh, zu schweigen und zu funktionieren. Ein Mädchen muss unterwürfig sein, heißt es von ihren Eltern. „Ich war als Frau automatisch eine Marionette von anderen.“ Muckt sie auf, folgen daheim Kritik, Schläge, Psychoterror.

Thomas, der junge Mann aus dem Dorf 100 Kilometer weiter, wirkt auf die 18-Jährige wie der Ritter auf dem weißen Pferd. Er bietet ihr die Flucht von zu Hause – und den obersten Stock in seinem Elternhaus. Doch auch er denkt patriarchal: „Frauen sollten nach außen hin schön zu präsentieren sein und daheim vor dem Mann kuschen.“ Er schreit, droht, sperrt sie ein, kontrolliert sie. Renate heiratet ihn trotzdem, sie hat Hoffnung in die Beziehung, und „es gibt ja auch die schönen Zeiten“.

Am Valentinstag soll Renate sterben

Mit 26 wird ein Jobwechsel in einen Supermarkt zum Wendepunkt. „Zum ersten Mal habe ich dort so richtig selbstbewusste Kolleginnen kennengelernt. Und einen Chef, der Frauen mit Respekt behandelt.“ Sie entwickelt Gefühle für ihren Vorgesetzten. „Daraus ist natürlich nichts geworden“, erzählt Renate heute. „Und erst viel später ist mir klar geworden, dass ich nur dort andocken wollte, um aus meiner Situation rauszukommen.“ Obwohl ihre Gefühle nicht erwidert werden, beschließt sie, ihrem Mann davon zu erzählen. Ihm zu sagen: „Ich will die Scheidung.“

Ab da zieht sich der Strick noch enger. Thomas lässt sie von seinen Eltern überwachen, zwingt sie zum Sex, nimmt ihr Geld weg, macht sie abhängig. „Die Polizei würde mir eh nicht glauben“, denkt sie verzweifelt. Im Dorf ist Thomas angesehen. Am Valentinstag sammelt sie ein letztes Mal ihren Mut: „Ich bin nicht dein Hund, ich bin nicht dein Besitz, es ist vorbei“, sagt sie. Dann Blackout. Vier Wochen Koma.

Thomas hat versucht, sie zu töten. Zugeben wird er das nie. Er behauptet, dass Renate Suizid begehen wollte und vom Balkon gesprungen ist. Ein Gutachten ergibt: Schweres Schädel-Hirn-Trauma – entweder hat Renate einen schweren Gegenstand auf den Hinterkopf bekommen oder sie wurde gegen eine Wand geschmissen. Thomas wird wegen des Mordversuchs zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Gewalt kann jede treffen

Renate hat überlebt. Anders als jene drei Frauen, die in Österreich im Schnitt jeden Monat von ihrem (Ex-)Partner getötet werden – das geht aus den Statistiken der letzten Jahre hervor. Femizid Nummer 15 in diesem Jahr: Stefanie P. (31) in Graz. Erwürgt von ihrem Ex. Als Renate davon hört, denkt sie: „Das gibt es ja nicht.“ Und: „Nicht noch eine.“

Viele Frauen, die in Österreich ermordet werden, werden getötet, weil sie Frauen sind. Gewalt kann jede treffen. Es ist wie „russisches Roulette“, sagt Eva. Die 49-Jährige heißt eigentlich anders – sie will ihre beiden Töchter schützen. Bevor Eva spricht, überlegt sie. Über dem hellblauen Kajal stechen ihre grünen Augen noch stärker hervor.


Es ist wie russisches Roulette.
Eva

Auch sie wächst mit Gewalt auf. Bedürfnisse herunterschlucken und zusammenreißen, so das Motto. Ihr Bruder und sie werden geschlagen. Nach ihrer Matura wechselt Eva in ein anderes Bundesland. Im Studentenwohnheim lernt sie einen Mann kennen. Er sagt ihr: „Ich liebe dich. Ich habe einen Platz für dich.“ Seine patriarchalen Denkmuster fallen Eva nicht auf. Mit 21 ist sie Ehefrau.

„Ich habe mich selbst verloren"

Er ist eifersüchtig und kontrolliert sie. Gemeinschaftsübungen an der Uni „darf“ sie nur mit Frauen machen. Dann kommen die Schläge. Begleitet von Sätzen wie diesem: „Du bist selber schuld. Wenn du nicht so blöd getan hättest, dann hätte ich dich nicht schlagen müssen.“ Eva studiert BWL. Er trichtert ihr ein, sie sei naiv und dumm. Tonfall „zu provokant“? Schläge. Essen nicht am Tisch? Schläge. Er glaubt, sie habe etwa verheimlicht? Schläge. Ist der Rock zu kurz, nennt er sie „Hure“. Er isoliert sie. Sie darf nur mit triftigem Grund und Erlaubnis raus. Eva denkt sich: „Ich muss mir nur mehr Mühe geben.“ Sie passt sich an, wird „leerer und leerer“, denkt immer drei Schritte voraus: „Wenn ich einkaufen gehe, wie kann ich beweisen, dass ich einkaufen war?“ Und sie redet sich ein: „Das ist sicher das letzte Mal, dass er das macht.“ Heute sagt sie: „Ich habe buchstäblich mich selbst verloren.“

Eva und ihr Mann bekommen zwei Kinder. Die Gewalt wird subtiler. „Den Kindern war er immer ein guter Vater“, betont Eva. Aber ihr befiehlt er weiter, was sie zu tun hat, besteht auf Sex – das sei ihre Pflicht als Ehefrau. Als sie einen guten Job bekommt, sorgt das für „Irritationen“. Er will sie klein halten. Die Auseinandersetzungen werden lauter, die Töchter leiden darunter. 2023 sagt sich Eva: „Das war der letzte Streit.“ Sie wählt die Nummer des Gewaltschutzzentrums. Verlässt ihren Mann und vorerst auch ihre Töchter, sie weiß keinen anderen Ausweg. Im Gewaltschutzzentrum hört sie zum ersten Mal: Sie war 23 Jahre lang in einer Gewaltehe gefangen.

Jede dritte Frau

Jede dritte Frau in Österreich erfährt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Ist man mittendrin, „kann man das später gar nicht so nachvollziehen“, sagt Bettina. Ihren Nachnamen will sie hier nicht lesen. „Man ist ganz anders, als man eigentlich mal war. Ich weiß bis heute nicht, warum ich mir das so gefallen lassen habe“, sagt die 43-Jährige. Sie hat einen festen, herzlichen Händedruck, ihr Blick ist warm.

Sie lernt ihren Ex-Mann beim Fortgehen mit Anfang 20 kennen. „Er war zuerst nett und höflich.“ Doch Eifersucht und Kritik ließen nicht lange auf sich warten. In ihrer Hochzeitsnacht haut er ihr zur Bestrafung – Bettina hat verdrängt, welchen Grund er dafür genannt hatte – mit einem Holzstück so fest auf die Finger, dass sie am nächsten Tag mit den geschwollenen Händen ihren Hosenknopf nicht mehr zubekommt. Er zwingt sie, die Dusche mit der Zahnbürste zu putzen. Er tritt ihr in den Bauch, als sie schon am Boden liegt, nimmt ihr die Luft. Nicht nur einmal denkt Bettina: „Jetzt ist es vorbei. Ich muss sterben.“ Sie hat blaue Flecken. Niemand sieht hin. Bettina hat „extreme Angst“. Einmal hält er ihr seine Schreckschusspistole ins Gesicht, droht ihr: „Wenn du nicht tust, wie ich will, vergrab’ ich dich in Ungarn, da findet dich keiner.“


Drei weiße Hände auf einem violett-rosa Hintergrund mit rotem Schimmer: offene Handfläche, Daumen berührt Zeigefinger mit Pfeil, und eine geballte Faust mit Daumenbewegung.
Die Hand heben und dann die Finger mit umschlossenem Daumen zur Faust ballen: Das ist das internationale Hilfszeichen für Gewaltbetroffene.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Flucht mit zwei Kindern

Zwei Jahre nach der Hochzeit wird Bettina schwanger. Sie hat Suizidgedanken. Als ihr Sohn an seinem ersten Geburtstag im Maxi-Cosi liegt und quengelt, schlägt der Vater dem Kind ins Gesicht. Bettina ist gerade ein zweites Mal schwanger. Zur Angst kommt Hass hinzu. Bettina weiß: Ihre Kinder dürfen so nicht aufwachsen.

Ein halbes Jahr später muss sie für eine Routineoperation ins Krankenhaus. Als sie neben ihrer Zimmernachbarin liegt, platzt es aus ihr heraus. Zum ersten Mal spricht sie mit einer wildfremden Frau über die Gewalt der letzten sechs Jahre. Es ist so, als ob ein Damm bricht. Wieder zuhause nutzt sie die Zeit, in der er gerade duscht und googelt das Frauenhaus. In der Nacht vor dem Aufbruch weint sie, hat ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber. Trotzdem steht am nächsten Morgen fest: „Nein, ich fahre.“ Sie geht: Mit den Kindern, mit einem Paar Schuhe und einer Tasche mit Gewand.

Das Leben danach

Renate, Eva und Bettina sind Überlebende. Jede von ihnen hat eine eigene Geschichte. Und doch ziehen sich Muster durch ihre Erfahrungen: Patriarchales Denken, fest verankerte Rollenbilder, Isolation, Scham, Angst, Abhängigkeit. Ein System, das sie nicht schützt, und eine Gesellschaft, die wegschaut.

Nach der Gewalt begann für sie ein langer, schwerer Weg. Renate musste nach dem versuchten Femizid künstlich ernährt werden, sie konnte lange nicht laufen und sprechen. Dann gelangte sie ins Frauenhaus, so wie auch Bettina und Eva. Dort fühlten sich die Frauen aufgefangen. „Ich hatte das erste Mal seit Jahren keine Angst mehr“, erzählt Bettina. Renate lernte Frauen kennen, die „im selben Boot sitzen“. Doch sie lernte auch schnell: „Wir sind am Rand der Gesellschaft. Man wird ausgestoßen. Es heißt von außen: Die ist selber schuld.“ Alle drei Frauen bekamen immer wieder dieselben Sätze zu hören: „Hättest dich halt getrennt.“ Oder: „Hättest halt was gesagt.“ Bettina erwidert: „Aber wenn man in ständiger Angst lebt, kann man nicht so einfach den Mund aufmachen.“ Eva sagt: „Es ist beklemmend. Ich habe das Gefühl, wir Frauen werden nicht ernst genommen. Und gleichzeitig wiederholt sich meine Realität ich weiß nicht wie oft. Das schmerzt.“

Während Eva „zum Glück“ ihre Arbeit hatte, standen Renate und Bettina damals vor dem finanziellen Nichts. Bettina ging putzen, „hangelt sich von Tag zu Tag“. Unter anderem wegen dieser finanziellen Abhängigkeit kehrt jede vierte Frau zum gewalttätigen Partner zurück, das weiß man mittlerweile.

Was sich ändern muss

Ein erster Schlafplatz, Rechtsberatung, Therapie – an manchen Stellen scheint das System zu greifen, sagen die drei Frauen. An anderen Stellen stießen sie auf große Hürden. Bis Bettina ein Kontaktverbot zwischen ihrem Ex-Mann und den Kindern bewirken konnte, dauerte es mehrere Jahre. Als sie zur Polizei ging, weil sie sich nicht sicher fühlte, teilte man ihr mit: „Wenn er in Ihrer Wohnung ist, rufen’s halt an.“ Sie zog in ein anderes Bundesland, ließ ihre Adresse im Melderegister sperren. Und sie legte sich einen Baseballschläger zu. Den hat sie bis heute.

Die drei Frauen sind sich einig: Es braucht mehr Bewusstsein in der Gesellschaft, „mehr Hinschauen“ – von Männern und Frauen. Renate sagt: „Es geht in Österreich alles viel zu langsam. Es wäre so viel zu tun. Immer nur dann, wenn etwas passiert, kommt der kurze Aufschrei.“ Einerseits brauchen Frauen, die Gewalt erfahren, mehr Unterstützung.

Andererseits sollte daran gearbeitet werden, dass es gar nicht erst zu Gewalt kommt: Renate, Eva und Bettina fordern viel mehr Prävention, etwa in Schulen. Öffentlich muss klar sein: Gewalt ist Tabu. Schon bei Burschen gehört angesetzt. Dass wir irgendwann – vielleicht auch erst in drei Generationen – auf Augenhöhe stehen“, sagt Renate. Ihr Männerbild habe sich „komplett“ verändert. „Ich bin eine Scannerfrau geworden“, scherzt sie und meint damit, dass sie Männer und ihre Ansichten genau prüft. Es gebe ja auch Männer, die „uns Frauen mit Respekt gegenüberstehen, so gehört sich das und das muss die Gesellschaft sicherstellen.“ Seit mittlerweile 13 Jahren ist sie in einer glücklichen Beziehung.

„Ich werde weitermachen“

Bettina arbeitet heute mit Menschen mit Behinderung. Sie liebt ihre Arbeit. Sie hat gute Freund:innen, ihre Eltern unterstützen sie. Und sie ist „unglaublich stolz“ auf ihre Kinder. Sie hat ihr Selbstbewusstsein wieder gefunden. Anderen Frauen will sie sagen: „Es ist echt nicht einfach. Aber man kann da rauskommen. Und es gibt ein Leben danach. Ich will euch Mut machen.“

Eva ist „noch mittendrin“, wie sie sagt. Im Aufarbeiten, im Reflektieren, in ihrer Therapie. Mit ihrem Ex-Mann war sie vor der Scheidung in Mediation, hat dort begriffen, dass auch er unter seinen patriarchalen Denkmustern leidet und welchen Druck er vonseiten seiner Familie mitbekommen hat. „Im Patriarchat gewinnt keiner“, sagt Eva. Mittlerweile sind ihre Kinder teils bei ihr und teils bei ihrem Ex-Mann. Eva will nicht, dass ihre zwei Töchter grenzüberschreitende Erfahrungen machen müssen. „Was soll ich ihnen sagen? Passt auf auf den bösen Mann? Das kann ja keine Lösung sein. Aber ich versuche, ihnen so viel Selbstwertgefühl wie möglich mitzugeben.“

Renate teilt ihre Geschichte inzwischen mit ihrem vollen Namen und hält öffentlich Vorträge. Sie wird zu einer Ansprechpartnerin, zu einer Verbündeten – auch für Eva und Bettina. „Ich habe das geschafft. Und ich denk mir, wenn ich das geschafft habe, schaffen es viele andere auch.“

Sie hat ihre Stimme wiedergefunden. Und sie ist laut. Für sich. Für alle, die es noch nicht sein können. Und für alle, die es nicht mehr sein können. „Solange ich noch schnaufen kann, werde ich weitermachen.“


Wenn du selbst von psychischer, körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen bist oder jemanden unterstützen möchtest, findest du hier Hilfe:

  • Der Helpchat, Online-Beratungsstelle für Frauen und Mädchen: online hier
  • Frauen- und Mädchenberatungsstellen: Tel.: 01 595 37 60, online hier
  • Frauenhelpline gegen Gewalt: Tel.: 0800 222 555, online hier
  • Gewaltschutzzentren Österreichs: Tel.: 0800 700 217, online hier
  • Männerberatung: Tel.: 0800 400 777, online hier
  • Rat auf Draht: Tel.: 147, online hier
  • StoP, Stadtteile ohne Partnergewalt: online hier
  • Tamar, Frauen- und Familienberatungsstelle: Tel.: 01/334 04 37, online hier
  • Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser: online hier
  • Weißer Ring, Verbrechensopferhilfe: Tel.: 0800 112 112, online hier

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Infos und Quellen

Gesprächspartnerinnen

Drei von Gewalt betroffene Frauen:

  • Renate Hofer
  • Eva – sie will anonym bleiben
  • Bettina – sie will nur ihren Vornamen öffentlich machen

Daten und Fakten

  • Laut Innenministerium gab es in Österreich in diesem Jahr schon 15 Morde an Frauen mit Bezug zu Gewalt in der Privatsphäre. 2024 waren es insgesamt 22 Frauen, deren Leben von Männern beendet wurden.
  • Österreich steht in der EU an der Spitze, was Frauenmorde betrifft. In beinahe allen Fällen der Femizide war der Täter der Partner oder Expartner. Gefährlich wurde es für die Frauen, wenn sie sich trennen wollten oder sich getrennt haben.
  • Der Begriff „Frauenmord“ beschreibt die Tötung einer Frau. Nicht jeder Frauenmord ist ein Femizid: „Femizide“ (Femicides) sind Tötungen von Mädchen und Frauen, die auf die patriarchalen Machtmissverhältnisse und Diskriminierungen des weiblichen Geschlechts zurückzuführen sind. Femizide gehören zu den Hassverbrechen. Die Definition geht auf die südafrikanische Soziologin und Autorin Diana Russell zurück.
  • Gewalt gegen Frauen zeigt sich in vielfältigen Formen – körperlich, psychisch, wirtschaftlich sowie in sexualisierter Weise. Sie kann Frauen in jedem Lebensbereich treffen, unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund oder Bildungsgrad. In Österreich erlebt rund ein Drittel aller Frauen ab 15 Jahren körperliche und/oder sexualisierte Übergriffe.
  • Expert:innen wie Nicole Krejci, die Geschäftsführerin der Gewaltschutzzentren Wien, sagen: Abhängigkeitsverhältnisse machen es oft sehr schwer, aus Gewaltbeziehungen auszubrechen. Diese Abhängigkeit lässt die Frauen oft auch nach dem Ausbrechen nicht davon loskommen. Zum Beispiel kehrt ein Viertel der Frauen, die Hilfe in Wiener Frauenhäusern gesucht haben, zu ihren gewalttätigen Partnern zurück.
  • Gewaltprävention sollte bereits im elementarpädagogischen Bereich beginnen, sagt Krejci, damit Kinder und Jugendliche frühzeitig für Gleichberechtigung, Respekt und gewaltfreie Konfliktlösung sensibilisiert werden. Auf diese Weise soll es gar nicht erst zu Gewaltsituationen kommen. „Diese Maßnahmen greifen aber erst versetzt. Deshalb braucht es parallel dazu Maßnahmen, die jenen helfen, die bereits von Gewalt betroffen sind.“ Prävention und Unterstützung müssten ineinandergreifen: Einerseits sollen Programme verhindern, dass Gewalt entsteht, und andererseits müssen bestehende Angebote Betroffenen rasch und effektiv zur Seite stehen – und auch längerfristig für Begleitung und Unterstützung sorgen. n.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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