Zum Hauptinhalt springen

Grönland: Eine Insel steht nicht zum Verkauf

4 Min
Die Botschaft der Grönländer:innen ist eindeutig und in der ganzen Stadt spürbar. Die WZ hat sich vor Ort umgehört.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Getty Images.

Grönland gegen Trump: Die Menschen in Nuuk haben eine klare Botschaft, sind aber auch schon medienmüde von der ständigen und für sie neuen Aufmerksamkeit. Und was hat das Ganze mit Österreich zu tun?


    • Donald Trump will Grönland wegen strategischer und wirtschaftlicher Interessen in die USA eingliedern, stößt aber auf massiven Widerstand.
    • Die EU reagiert mit Krisengipfel und prüft Gegenmaßnahmen, da Trump Strafzölle als Druckmittel gegen europäische Länder ankündigt.
    • Die politische Krise erschwert internationale Forschung und Kooperationen, etwa an der Sermilik-Forschungsstation der Universität Graz.
    • In Nuuk leben rund 20.000 Menschen, 4.000 nahmen an der Demo teil.
    • Trump plant ab 1. Februar 2026 Strafzölle von 10 Prozent, ab Juni 25 Prozent.
    • Die EU prüft Zölle auf US-Güter im Wert von 93 Milliarden Euro.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Das ist einfach nur lächerlich. Donald Trump argumentiert mit nationaler Sicherheit. Wir sind Teil der NATO, er kann so viele Stützpunkte hier bauen, wie er will, aber er soll uns in Ruhe lassen. Für kein Geld der Welt werden wir Teil der USA“ – ein Demonstrant, mit dem wir hier in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, sprechen, findet deutliche Worte auf Trumps Übernahmepläne.

Mein Kollege Simon Plank und ich sind für ein paar Tage auf die große Insel im Nordatlantik geflogen.

Willst du dieses YouTube Video sehen? Gib den Youtube-Cookies grünes Licht.

Wiener Zeitung Logo

Cookie Einstellungen

Ohne Cookies funktioniert die Website wienerzeitung.at nur eingeschränkt. Für eine sichere und einwandfreie Nutzung unserer Website werden daher technisch notwendige Cookies verwendet. Für die Darstellung von Inhalten von Drittanbietern (YouTube und APA) werden Session-Cookies gesetzt. Bei diesen kann eine Datenübermittlung in ein Drittland stattfinden. Ihre Einwilligung zur Setzung genannter Cookies können Sie jederzeit unter "Cookie Einstellungen" am Seitenende widerrufen oder ändern. Nähere Informationen zu den verwendeten Cookies finden sich in unserer Datenschutzerklärung und in unserer Cookie-Policy.

In Grönlands Hauptstadt leben rund 20.000 Menschen, eigentlich interessiert sich selten jemand für sie. Doch seit Trump wieder Präsident der USA ist, ist es anders. Gleich nach unserer Ankunft am Samstag treffen wir auf die erste Demo. Etwa 4.000 Menschen nahmen teil. Damit war es die größte Protestkundgebung in der Geschichte Grönlands.

Menschen gehen auf einem verschneiten Weg, einer hält ein Schild mit der Aufschrift „Grönland ist nicht zu verkaufen!“ Im Hintergrund eine felsige Landschaft.
© Bild: WZ / Aleksandra Tulej.

„We are not for sale”

Der Anlass? US-Präsident Trump hält an seinen Übernahmeplänen der Insel fest. Er will in Grönland vor allem mehr geopolitischen Einfluss, weil die Insel strategisch wichtig ist: militärisch, wirtschaftlich und wegen ihrer Lage in der Arktis. Grönland verfügt außerdem über wertvolle Rohstoffe, die für die USA interessant sind. Offiziell begründet Trump seine Ambitionen mit nationaler Sicherheit. Und erhöht Tag für Tag den Druck. Er will Grönland als Teil der USA sehen.

Damit das überhaupt passieren kann, bräuchte es hier aber ein Referendum. Und derzeit sieht es so gar nicht danach aus als ob die Grönländer:innen der 51. Bundesstaat der USA werden wollen:

Ihre Botschaft ist eindeutig und in der ganzen Stadt spürbar. In Schaufenstern der Geschäfte hängen T-Shirts mit dem Aufdruck „Not for Sale“, Plakate und Schilder mit dem Slogan prägen das Stadtbild: an Bushaltestellen, vor Häusern und vor Restaurants. Mittendrin: Zahlreiche Journalist:innen aus der ganzen Welt.

Für viele ist die plötzliche Aufmerksamkeit ungewohnt und anstrengend. „Hier ist normalerweise genau nichts los“, erzählt eine junge Frau. „Und auf einmal kommen Reporter:innen aus aller Welt und halten dir die Kamera vors Gesicht.“ Medienmüdigkeit macht sich verständlicherweise breit.

Wir versuchen, respektvoll zu bleiben, niemanden zu sehr zu nerven und trotzdem effizient unsere Arbeit zu machen – vor allem die jüngeren Menschen hier sind dann doch bereit, mit uns zu sprechen. „Wir werden zu jeder Demo gegen Trump hier gehen“, erklärt uns eine Gruppe junger Männer. Aber auch wir sind da, weil Grönland gerade im Zentrum der Weltpolitik steht.

Menschen gehen auf einem verschneiten Weg, einer hält ein Schild mit der Aufschrift „Grönland ist nicht zu verkaufen!"
© Bild: WZ / Aleksandra Tulej.

Wie reagiert die EU?

Denn: Trumps Aussagen über eine mögliche Übernahme Grönlands stehen nicht für sich allein. Parallel dazu verschärft er auch den Ton gegenüber Europa. Er hat gegenüber mehreren europäischen Ländern angekündigt, ab 1. Februar 2026 Strafzölle von zunächst 10 Prozent einzuführen, die bis Juni auf 25 Prozent steigen sollen, solange kein Deal über den Verkauf von Grönland zustande kommt.

Die Zölle würden Länder wie Dänemark, Frankreich, Deutschland, Schweden, das Vereinigte Königreich betreffen und gelten als Druckmittel in der aktuellen Krise. Auch Österreich wäre betroffen, da ein großer Teil der heimischen Industrie stark vom Export in die USA abhängt, etwa im Maschinenbau oder in der Stahl- und Metallbranche.

Die EU hat für Ende der Woche einen Krisengipfel einberufen und prüft Gegenmaßnahmen, darunter mögliche eigene Zölle auf US-Exportgüter im Umfang von rund 93 Milliarden Euro. Gleichzeitig betont die EU, dass sie eine Eskalation vermeiden will und weiterhin auf Verhandlungen setzt.

Willst du dieses YouTube Video sehen? Gib den Youtube-Cookies grünes Licht.

Wiener Zeitung Logo

Cookie Einstellungen

Ohne Cookies funktioniert die Website wienerzeitung.at nur eingeschränkt. Für eine sichere und einwandfreie Nutzung unserer Website werden daher technisch notwendige Cookies verwendet. Für die Darstellung von Inhalten von Drittanbietern (YouTube und APA) werden Session-Cookies gesetzt. Bei diesen kann eine Datenübermittlung in ein Drittland stattfinden. Ihre Einwilligung zur Setzung genannter Cookies können Sie jederzeit unter "Cookie Einstellungen" am Seitenende widerrufen oder ändern. Nähere Informationen zu den verwendeten Cookies finden sich in unserer Datenschutzerklärung und in unserer Cookie-Policy.

Das Ganze betrifft auch europäische Forschung und Kooperationen, weil solche politischen Konflikte die Zusammenarbeit, Förderprogramme und internationale Projekte komplizierter machen können. Zum Beispiel betreibt die Universität Graz in Ostgrönland die Sermilik-Forschungsstation, wo Studierende und Wissenschaftler:innen das Klima, Gletscher und Umweltveränderungen untersuchen. Also, wie der Klimawandel dort abläuft und uns in Europa beeinflusst. An der Uni betrachtet man die geopolitischen Spannungen ganz genau.

In Nuuk waren in den vergangenen Tagen auch Militärs aus anderen europäischen Staaten. Deutlich soll die Botschaft sein, dass Grönland Teil Dänemarks sein soll. Auch wenn sich die Menschen hier wieder Ruhe wünschen - der Streit um Grönlands Zukunft hat gerade erste begonnen.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Junge Menschen auf der Demo gegen Trumps Politik in Nuuk

Daten und Fakten

  • Grönland hat rund 56.000 Einwohner:innen, etwa 20.000 davon leben in der Hauptstadt Nuuk. Mit einer Fläche von rund 2,16 Millionen Quadratkilometern ist Grönland die größte Insel der Welt. Politisch gehört Grönland zum Königreich Dänemark, verfügt aber über eine weitgehende Selbstverwaltung und ist kein Mitglied der EU.
  • International ist Grönland vor allem wegen seiner strategischen Lage in der Arktis, seiner Rohstoffe und seiner Bedeutung für die Klimaforschung relevant. Donald Trump hat mehrfach Interesse an einer Übernahme der Insel geäußert und begründet das mit nationaler Sicherheit und geopolitischem Einfluss. Eine solche Übernahme wäre jedoch nur mit Zustimmung der grönländischen Bevölkerung per Referendum möglich, was derzeit als äußerst unrealistisch gilt.
  • Die Universität Graz betreibt in Ostgrönland die sogenannte Sermilik-Forschungsstation. Dort erforschen Studierende und Wissenschaftler:innen unter extremen Bedingungen den Klimawandel, Gletscherbewegungen und Umweltveränderungen in der Arktis. Die gewonnenen Daten sind wichtig, um besser zu verstehen, wie sich Veränderungen in Grönland auf Europa und den globalen Klimahaushalt auswirken.

Das Thema in anderen Medien

Ähnliche Inhalte