)
Bürgermeister, die ihr Amt missbrauchen, sind ein Problem. Das sieht auch Johannes Pressl. Am Widmungsprozess will der Präsident des Gemeindebundes aber nicht rütteln.
Die WZ hat in den vergangenen Monaten immer wieder fragwürdige Grundstücksgeschäfte von Bürgermeistern aufgedeckt. Sie haben sich in ihren eigenen Gemeinden bereichert. Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl trat nach unseren Recherchen zurück. Wir haben seinen Nachfolger, Johannes Pressl, gefragt, ob Gemeinden ein Korruptions-Problem haben – und wie er es lösen will.
- Für dich interessant: Was uns das Bundesheer wert ist
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Infos und Quellen
Gesprächspartner
Johannes Pressl (ÖVP) wurde 1970 in Amstetten geboren. Er studierte Landschaftsplanung mit Schwerpunkt Agrarökonomik an der Universität für Bodenkultur in Wien. Seit 2005 ist er Bürgermeister der Gemeinde Ardagger (NÖ), seit 2021 Präsident des NÖ Gemeindebundes. Im Februar 2024 wurde Pressl zum Präsidenten des Österreichischen Gemeindebundes gewählt. Sein Vorgänger, Alfred Riedl, musste nach Bekanntwerden fragwürdiger Grundstücks-Deals von seinem Amt zurücktreten.
Daten und Fakten
- In Österreich gibt es 2.093 Gemeinden mit ebenso vielen Bürgermeister:innen. Der Frauenanteil liegt bei elf Prozent (231). Von den insgesamt 39.330 Gemeinderät:innen sind 10.300 weiblich.
- In Österreich werden rund zwölf Hektar Land pro Tag „verbraucht" und fünf bis sechs Hektar pro Tag versiegelt.
Wie funktioniert eine Umwidmung?
- Umwidmungen sind Teil der Raumordnungspolitik und zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt. Der Bund legt etwa fest, wo Bundesstraßen oder Stromleitungen gebaut werden sollen, und greift so in die Raumordnung ein. Die Länder regeln die überörtliche Raumplanung, die Gemeinden sind für die örtliche Raumplanung verantwortlich.
- Der Gemeinderat legt für das Stadt- oder Ortsgebiet besondere Widmungen fest. Die Widmungen sind Teil des Flächenwidmungsplans. Daneben legt der Gemeinderat im Bebauungsplan fest, wie auf den einzelnen Teilen des Baulandes gebaut werden darf, also etwa wie viele Geschoße ein Gebäude haben darf. Der Gemeinderat hat die gesetzliche Kompetenz, Flächenwidmungs- und Bebauungspläne abzuändern. Das Land als übergeordnete Instanz muss die Änderung genehmigen. Wenn es grünes Licht gibt, wird die Umwidmung im Gemeinderat beschlossen. Ob ein Acker zu Bauland wird, entscheiden also demokratisch gewählte Vertreter:innen des Volks.
- Flächenwidmungen dürfen ausschließlich nach sachlichen Kriterien festgelegt werden. Umgewidmet werden darf zum Beispiel nicht, nur um den Wert eines Grundstücks zu erhöhen oder weil dem Wunsch einer/eines Grundeigentümerin/Grundstückeigentümers entsprochen werden soll, heißt es auf einem Infoblatt der NÖ Raumordnung
Was ist das Informationsfreiheitsgesetz?
- Das „Aus für das Amtsgeheimnis“ wurde Anfang des Jahres mit Zustimmung von ÖVP, SPÖ und Grünen im Parlament beschlossen. Öffentliche Stellen sind künftig verpflichtet, Informationen von allgemeinem Interesse wie etwa in Auftrag gegebene Gutachten, Studien und Verträge von sich aus zu veröffentlichen und über ein zentrales Informationsregister zugänglich zu machen. Von dieser proaktiven Informationspflicht ausgenommen sind Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohner:innen. Sie sollen aber individuelle Anfragen von Bürger:innen und Journalist:innen grundsätzlich innerhalb von vier Wochen beantworten müssen. Das Informationsfreiheitsgesetz tritt im September 2025 in Kraft.
Quellen
- Gemeindebund Österreich, Kommunaler Bodenschutzplan
- NÖ Gemeindeordnung, §50 Befangenheit
- NÖ Gemeindeordnung, §47 Öffentlichkeit
- NÖ Gemeindeordnung, §97 Gelöbnis: (2) Das Gelöbnis lautet: “Ich gelobe, die Bundes- und Landesverfassung und alle übrigen Gesetze der Republik Österreich und des Landes Niederösterreich gewissenhaft zu beachten, meine Aufgabe unparteiisch und uneigennützig zu erfüllen, das Amtsgeheimnis zu wahren und das Wohl der Gemeinde ....... nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern.”
- ÖVP-Wahlprogramm 2024
Das Thema in der WZ
- Wie die Siedlung das Land frisst – und was dagegen hilft
- Und ewig lockt der Grundstücksdeal
- Auch in Pyhra dealt der Bürgermeister mit Grundstücken
- Neue Grundstückdeals: Das System Alfred Riedl
Das Thema in anderen Medien
- derstandard.at: Mit Johannes Pressl wird ein Anti-Riedl oberster Bürgermeister
- derstandard.at: Gemeindebund-Präsident nimmt Immobilienpreise ins Visier
- noe.orf.at: Gemeindebund: Pressl ist neuer Präsident
)
)
)
)