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Harry Styles: Der einzige männliche Popstar?

3 Min
Harry Styles ist mit "Kiss All the Time. Disco, Occasionally" in seiner neuen Ära angekommen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Sony Music.

Harry Styles ist zurück – und viele wissen nicht, was sie von seiner neuen Ära halten sollen. Ich sage: Harry ist der einzige Mann im Pop, der keine Angst davor hat, seine Fans zu befremden. Und das ist gut so.


    • Harry Styles hebt sich durch musikalische Veränderungen und ein aktives Fandom von anderen männlichen Popstars ab.
    • Seine Community-Orientierung und nicht-toxische Männlichkeit machen ihn für viele Fans besonders relevant.
    • Trotz Kritik an seiner Performance bleibt Harry Styles experimentierfreudig und setzt eigene Trends im Pop.
    • Album „Kiss All the Time. Disco, Occasionally“ erschien 2026
    • Single „Aperture“ hielt sich nur kurz an der Chartspitze
    • Harry Styles performte „Aperture“ erstmals live bei den Brit Awards
    • Er gilt als einziger männlicher Popstar mit großem, aktivem Fandom
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Harry Styles’ neue Ära zum gerade erschienenen Album „Kiss All the Time. Disco, Occasionally“ ist der ultimative Pop-Rorschachtest: Dass sich die über fünfminütige Vorab-Single „Aperture“ vergleichsweise kurz an der Chartspitze gehalten hat und er sich gegen einen Crowdpleaser-Song entschieden hat, sehen viele im Netz als Vorzeichen für einen Flop. Dass Harry Styles seine Fans herausfordert, seinen Sound verändert und nicht einfach auf Nummer sicher geht, finden andere vielversprechend. Und sehen es als das, was einen Popstar wirklich ausmacht. Stichwort: Chamäleon. Weniger Federboa, mehr Berlin.

Harry Styles, aber in einer anderen Font

Harry Styles hat sich für „Kissco“ zwar nicht grundlegend neu erfunden, aber man könnte sagen: Er ist immer noch Harry Styles, allerdings in einer anderen Schriftart. Das ist jedenfalls schon mehr Varianz, als andere männliche Pop-Superstars an den Tag legen. Falls es diese überhaupt gibt: Wenn wir Ed Sheeran einmal aus der Gleichung nehmen, weil er zwar unhatebar ist, aber im popkulturellen Diskurs keine Rolle spielt, bleiben da eigentlich nur The Weeknd und Justin Bieber, die beide eher Richtung R&B lehnen und somit eine ganz andere Ecke als Harry Styles bespielen. So bleibt Harry Styles als einziger Mann übrig, der relevante Popmusik macht und ein extrem aktives Fandom mit sich bringt, wie es sonst nur Taylor Swift & Co. tun.

Was Harry Styles’ Fans so an ihn bindet, geht klarerweise über seinen musikalischen Output hinaus. Seine Genese als Ex-Boyband-Mitglied macht ihn interessant und bescherte ihm von Anfang an ein großes Publikum. Oft will die Public solche Figuren scheitern sehen, im Fall von Harry Styles wollen das manche Hater:innen vielleicht immer noch. Aber er verkörpert mittlerweile etwas, das viele dringend brauchen: einen nicht-toxischen Mann – zumindest soweit wir wissen –, der seine Kunst auf dem Gedanken von Community aufbaut. Das sagen uns nicht nur die „Aperture“-Textzeile „We belong together“ und der Tour-Name „Together, Together“, sondern auch schon frühere Brand-Mantras wie „Treat People With Kindness“ oder die große „Love-On-Tour“-Tour.

Nicht der beste Tänzer, aber keine Angst vor Veränderung. Immerhin!

Einen großen Popstar erkennt man meistens auch daran, dass er keinen Trends folgt, sondern sie setzt. Klingt logisch, ist aber gar nicht so einfach. Und das muss man Harry Styles wirklich lassen: Während seiner Abwesenheit sind Artists wie Benson Boone oder Sombr aufgetaucht, die ganz klar auf dieselbe Crowd abzielen – und jetzt ultimativ beweisen müssen, ob sie mehr als Trittbrettfahrer sind.

Beweisen muss sich aber auch Harry trotz seines Status immer noch – zuletzt bei den Brit Awards. Dort performte er „Aperture“ zum ersten Mal live, inklusive Chor und Choreo. Für seine Moves wurde er online zerrissen: „Einen weiblichen Artist würdet ihr damit niemals davonkommen lassen“, hieß es da. „Sah aus wie ‚Spongebob – Das Musical‘“, schrieben andere.

Ist Harry Styles der perfekte Tänzer? Nein, sind manche Pop-Girls auch nicht. Aber war es ein interessanter Schachzug, Fans mit einem Song potenziell zu befremden, der für sie zu wenig klassisch poppig ist, und abzuwarten, was passiert? Ja. Und ebenfalls eine wichtige Frage: Hat es Spaß gemacht, die „Aperture“-Performance anzusehen: JA!

Obwohl ich immer gerne für ein „Männer-haben-es-in-der-Popkultur-so-viel-leichter“-Narrativ zu haben bin, fällt es mir in diesem Fall schwer, weil etwas anderes überwiegt: Harry Styles traut sich etwas.


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