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„Heated Rivalry“: Der Hetero-Hype um die Gay-Serie

4 Min
Female gaze at it's finest.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Getty Images.

Zwei verfeindete Eishockeyspieler, die miteinander schlafen und sich verlieben: Warum vor allem Hetero-Frauen in „Heated Rivalry“ eine willkommene Abwechslung von der Hetero-Tristesse sehen.


Romance-Bücher boomen, klassische „Enemies-to-Lovers“-Storylines wie die der Buchverfilmung „Maxton Hall“ begeistern zahllose Mädchen und Frauen. Diese Geschichten haben oft eines gemeinsam: Sie werden von Frauen für Frauen geschrieben und spielen sich in einer ziemlich heteronormativen Welt ab, in der Frauen das große Ziel verfolgen, den wilden Bad Boy zu zähmen. Und in der Männer mit ehrlichen, reflektierten Gefühlen mindestens so selten vorkommen wie in der echten Welt.

Vielleicht ist dieser Zustand einer der vielen Gründe dafür, warum gerade so viele Frauen auf die Serie „Heated Rivalry“ abgehen, die auf der Buchreihe „Game Changers“ basiert. Die Show dreht sich nicht um das große Glück zwischen Mann und Frau und spielt sich auch nicht auf einer Privatschule, in einem romantischen Ferienhaus oder einer idyllischen Kleinstadt ab, sondern im Kosmos des professionellen Eishockey.

Das klingt ehrlich gesagt erstmal nicht besonders interessant – zumindest dachte ich das, bis ich das erste Mal auf „Play“ drückte, weil ich wissen wollte, was es mit dieser Show auf sich hat, über die im Internet gerade alle reden. Der zweite Punkt, der „Heated Rivalry“ von anderen gehypten Romance-Serien unterscheidet: Es geht um zwei Männer. Die zwei aufstrebenden Hockeyspieler Shane Hollander und Ilya Rozanov geben sich in der Öffentlichkeit als Erzrivalen, hinter verschlossenen Türen vögeln sie miteinander. Und das wird in den sechs Episoden ziemlich explizit und ausführlich gezeigt.

Wir schmachten nach schmachtenden Männern

Die Frage, warum sich so viele Frauen für „Heated Rivalry“ begeistern, ist angesichts dieser Konstellation besonders spannend. Das Offensichtlichste zuerst: Weil das Romance-Genre ein sehr weibliches ist. Außerdem, so ehrlich muss man sein: Weil das Ganze ziemlich hot anzusehen ist, egal, welche sexuelle Orientierung man als Zuseher:in hat.

Aber vor allem: Weil die Anziehung und später auch Liebe zwischen Rozanov und Hollander Hetero-Frauen Einblicke erlaubt, die uns sonst oft verwehrt werden. Gegenüber Cosmopolitan erklärte eine Sex-Therapeutin, dass der Reiz von „Heated Rivalry“ darin bestehe, dass die Protagonisten sich extrem verletzlich zeigen: „Die Chemie zwischen Shane und Ilya ist nicht subtil, sie schmachten, sie geraten außer Kontrolle, sie arrangieren ihre Leben rund um den anderen.“

Kurz: Sie sind das Gegenteil von emotional nicht verfügbaren, kalten, distanzierten Typen, die in unserer Gesellschaft leider immer noch oft als das männliche Ideal gelten. Auch, dass Hollander und Rozanov rein optisch durchaus als „straight passing“, also als äußerlich hetero durchgehen, könnte ein weiterer Grund sein, warum so viele Girls die Serie so sehr lieben. Weil sie Projektionsfläche für den Wunsch nach männlichen Emotionen im Hetero-Setting bieten. Apropos Hetero-Setting: Scrollt man durch TikTok, fällt ein Hot Take immer wieder. Nämlich wie entspannend es sei, als Frau heißen Content zu konsumieren, der ganz ohne die Teilnahme und somit Degradierung und Objektifizierung von Frauen auskommt.

Mehr als eine weitere „Schundserie“

Bei all dem Verlangen nach emotionalen (und horny) Szenen darf aber auch nicht vergessen werden, dass „Heated Rivalry“ im Vergleich zu manch anderen Romance-Inhalten durchaus auch gesellschaftspolitisch relevante Themen aufgreift. Einerseits wäre da die Tabuisierung von Queerness im Männer-Profisport. Andererseits die Tatsache, dass Ilya aus Russland stammt und aufgrund der politischen Verhältnisse niemand dort erfahren darf, dass er bisexuell ist.

Staffel zwei und drei sind bereits bestätigt – ein beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass der Cast von „Heated Rivalry“ bis dato weitestgehend unbekannt war. Gegenüber Variety hat Serienmacher Jacob Tierney schon preisgegeben, dass sich der Charakter Ilya in Staffel zwei in Therapie begeben wird und uns somit neben hotten Szenen mehr Einblicke in die Gefühle der beiden Protagonisten erwarten. Das lässt darauf schließen, dass sich der eingeschlagene Weg weiterhin fortsetzen wird. Alles andere wäre ziemlich schade.


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