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Der US-Verteidigungsminister sieht sich als moderner Kreuzritter. Dass darauf kaum aufmerksam gemacht wird, ist ein Problem.
Seit Beginn des Angriffskrieges auf den Iran steht ein Mann besonders im Mittelpunkt: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Oder wie die Trump-Administration ihn mittlerweile offiziell nennt: Der Kriegsminister. Zuletzt deutete Hegseth an, dass alle Iraner Ziel des amerikanisch-israelischen Angriffe seien – und sorgte damit wieder einmal für eine Kontroverse.
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Oft wirkt Hegseth fanatisch und kriegslüstern. Dies überrascht niemanden, der seine Vergangenheit kennt. Denn einst diente Trumps Minister der US-Armee und war in Afghanistan und im Irak stationiert. Aus dieser Zeit stammten auch die Tattoos, die Hegseths Körper bis heute schmücken. Bekannt sind unter anderem der lateinische Kreuzfahrerspruch „Deus Vult“ („Gott will es“), das sogenannte Jerusalem-Kreuz sowie das arabische Wort „Kafir“ („Ungläubiger“) – der plakative Ausdruck, dass er kein Muslim sei.
„Pork eating crusader“
All diese Tattoos stehen für eine rechtsextreme, muslimfeindliche und radikal christliche Symbolik und spielten während des „War on Terror“ der USA, der in mehrheitlich muslimischen Ländern stattfand, eine Rolle, die von den Verantwortlichen immer wieder unterschätzt und verdrängt wurde. Sie verdeutlichten nämlich den eindeutigen Extremismus jener Soldaten, die diese Länder besetzten und dort regelmäßig Operationen, die zahlreichen Zivilist:innen das Leben kosteten, ausführten. Viel davon hört man allerdings nicht, denn das Bild des „guten“ Soldaten, der nur für Wiederaufbau und Demokratisierung entsandt wurde, dominierte das vorherrschende Narrativ.
Neben den Tattoos waren unter den Soldaten auch eindeutige Patches – Abzeichen, die man selbst an seine Uniform annähen konnte – beliebt. Da gab es etwa den „PORK EATING CRUSADER“ oder auch einen Turban tragenden Mann, der während des Gebets per Kopfschuss getötet wird mit der Aufschrift „HADJI DON’T SURF“. Als „Hajji“ bezeichnet man im islamischen Kontext einen Muslim, der die Pilgerfahrt nach Mekka absolviert hat.
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Genau aus diesem Milieu entstammt Pete Hegseth – und er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht. 2020 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „American Crusade“. Darin behauptete er unter anderem, dass patriotische Amerikaner einen Kreuzzug gegen Linke, Liberale, Migrant:innen und Muslim:innen führen müssen, um ihre Heimat zurückzuerobern.
Außerdem: Nach seiner Rückkehr aus den Antiterror-Kriegen diente Hegseth der Nationalgarde. Dort fiel seine extremistische Weltanschauung sogar seinen Vorgesetzten aus, weshalb er bei einer Sicherheitsüberprüfung durchfiel und bei der Amtseinführung Joe Bidens im Jahr 2021 nicht präsent sein durfte. Kurz zuvor wurde das Kapitol von radikalen Trump-Anhängern gestürmt. Hegseth behauptete später, dass er lediglich aufgrund von „christlichen Symbolen“ ausgeschlossen worden sei.
Moderne Kreuzritter
Durch diesen Skandal wurde allerdings erstmals klar, dass Extremismus innerhalb des US-Militärs kein kleines Problem darstellt, sondern zu einem bedrohlichen Szenario werden könnte. Viele ideologisierte US-Soldaten sahen sich während ihrer Kriegseinsätze in Nahost und anderswo tatsächlich als moderne Kreuzritter. Und es ist auch kein Zufall, dass viele dieser Männer nach ihrer Rückkehr zu großen Trump-Bewunderern geworden sind. Sowohl Trump als auch Hegseth machten sich immer wieder für Soldaten, die aufgrund von Kriegsverbrechen verurteilt hinter Gittern sitzen, stark und stellten eine mögliche Begnadigung in den Raum.
Der Fall Hegseth verdeutlicht auch, dass es sich bei dieser Gruppe von Fanatikern nicht um ein irrelevantes Randphänomen handelt, wie es einst manch ein Relativierer darstellte. Heute ist Hegseth nämlich trotz oder vielleicht gerade wegen seines Extremismus einer der mächtigsten Männer der Welt. Als Verteidigungsminister gilt er neben dem US-Präsidenten als einer der obersten Befehlshaber des US-Militärs. Er befehligt und gestaltet Kriege wie den aktuellen im Iran und macht auch dabei aus seiner Ideologie keinen Hehl.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Pete Hegseth ist ein US-amerikanischer Politiker, Veteran der Army National Guard und ehemaliger Fernsehmoderator. Er wurde 1980 in Minnesota geboren und studierte Politik an der Princeton University sowie später Public Policy an der Harvard University.
- Als Offizier der Minnesota Army National Guard wurde er im Irak und in Afghanistan eingesetzt und erhielt unter anderem die Bronze Star Medal. Bekannt wurde er danach als Moderator beim rechtskonservativen Sender Fox News.
- Politisch vertritt er nationalkonservative, rechtsextreme und islamfeindliche Positionen und unterstützte früh die Politik von Donald Trump. Später wechselte er selbst in die Politik und wurde Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten. Immer mehr Kritiker:innen beschreiben den Iran-Krieg als von Hegseth initiierten „christlichen Kreuzzug“.
- Kreuzzügler-Kultur innerhalb des US-Militärs: In seinem Buch „Der längste Krieg – 20 Jahre War on Terror“ widmet WZ-Autor Emran Feroz dem Thema ein ganzes Kapitel. Ideologisierte US-Soldaten sind schon seit Jahren ein gravierenderes Problem, das stark unterschätzt wurde. Auch die Armeen anderer Staaten, die am „War on Terror“ beteiligt waren, sind von ähnlichen Entwicklungen betroffen.
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