PodcastOrdensfrauen auf Selbstbestimmungskurs: Drei Nonnen kehren auf eigene Faust vom Altersheim in ihr Kloster zurück und werden mit einem Instagram-Account zur Stimme des Widerstands. Ihre Aktion ist mehr als eine mediale Kuriosität.
Konservativ, gehorsam, angepasst. So stellt man sich das Leben einer Klosterschwester vor. Und auch ich habe es in meiner vierjährigen Internatszeit in Schloss Goldenstein bei Salzburg, damals geführt von den Augustiner Chorfrauen, oft so erlebt. Ich wurde dort von Ordensfrauen erzogen, deren Einfluss weit über den Schulalltag hinausreichte.
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Vielleicht ist dir der Name Goldenstein in den letzten Tagen bereits untergekommen: Drei Klosterschwestern, von manchen als Hausbesetzerinnen bezeichnet, sind unerlaubterweise aus dem nahegelegenen Pflegeheim in ihr Kloster zurückgekehrt und sorgen seither international für Aufsehen. Durch ihre rebellische Nacht-und-Nebel-Aktion avancieren die Ordensfrauen nun zu kleinen Medienstars, inklusive Instagram-Account.
Doch mich verbindet mit den drei Schwestern mehr. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin.
Mit zehn Jahren bin ich zum ersten Mal durch die Eingangspforte der privaten Mädchenschule in Elsbethen gegangen. Doch zwischen Heimweh und streng religiöser Erziehung habe ich dort etwas gelernt, das mir niemand mehr nehmen kann: Selbstständigkeit. Ich konnte nicht bei jedem kleinen Wehwehchen nach Mama rufen. Mein Bett musste ich jeden Morgen selbst glattstreichen, mein Pausenbrot allein vorbereiten. Niemand hat mir gesagt, wann ich was lernen soll. Die Struktur habe ich mir trotz Unterstützung selbst geschaffen. Wenn mich in der Nacht dunkle Träume plagten, habe ich mich an meine Zimmerkolleginnen gewandt. Und wenn wir mal über die Stränge schlugen, landeten wir auch das eine oder andere Mal beim Unkrautjäten.
Trotz aller Strenge war da aber immer auch viel Halt und Ermutigung. Besonders Schwester Rita hat uns vermittelt, dass wir vieles schaffen können, wenn wir es wirklich wollen. Vielleicht hat meine Vorstellung von Selbstbestimmung genau dort ihren Anfang genommen.
Die Klosterschwestern haben Generationen von Mädchen geprägt, auch mich. Dass ich trotz der teils konservativen Umstände innerhalb der Schulmauern von drei emanzipierten Frauen erzogen wurde, ist mir aber erst in den letzten Tagen so richtig klar geworden, als ich die unzähligen Zeitungs- und TV-Berichte gelesen und gesehen habe. Denn was diese Schwestern jetzt tun, ist mehr als ein symbolischer Akt: Sie leisten Widerstand gegen patriarchale Strukturen, die seit Jahrhunderten (nicht nur) das kirchliche Leben dominieren. Zwar verpflichteten sich die Schwestern Bernadette, Rita und Regina mit dem Ablegen des Ordensgelübdes zum Gehorsam, aber ist dieser absolut?
Die Chorherren des Stift Reichersberg, welche die Organisation des Klosters vor drei Jahren übernommen haben, mögen ihnen verlorene Selbstversorgungskompetenz zuschreiben. Doch ihre Heimkehr nach Goldenstein ist Ausdruck von Selbstbehauptung, eine Form der Rebellion, die Mut erfordert. Widerstand muss nicht immer laut sein, auf den Straßen, mit Schildern in den Händen und Slogans auf den Lippen stattfinden. Selbstbehauptung muss nicht immer modern wirken. Und Emanzipation ist nicht das Privileg junger, urbaner Frauen. Manchmal zeigt sie sich gerade dort, wo man sie am wenigsten erwartet: in einem Kloster, hinter dicken Mauern, getragen von drei Frauen, die ihr Leben der Kirche (und uns Kindern) gewidmet haben.
Ich bin stolz auf die drei Schwestern. Und es bestärkt mich, auch wenn das nicht für jede:n nachvollziehbar scheint. Denn diese Nonnen haben gemeinsam mit uns, ihren Schülerinnen, ein Fundament gebaut, das uns nicht zu angepassten Frauen gemacht hat, sondern zu selbstständigen, widerstandsfähigen Menschen. Und genau das zeigen sie nun auch selbst. Unbeirrt und klar.
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Infos und Quellen
Genese
WZ-CvD Madeleine Geosits hat in den letzten Tagen die Berichterstattung rund um die drei Salzburger Nonnen aus dem Kloster Goldenstein verfolgt. Sie selbst war vier Jahre in Goldenstein im Internat. Die Berichte haben sie zum Nachdenken gebracht.
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