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Inflation in Österreich sinkt auf zwei Prozent

4 Min
Georg Renner schreibt jede Woche einen sachpolitischen Newsletter. Hier könnt ihr diesen Beitrag online nachlesen.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Georg Renner, Adobe Stock

Mit zwei Prozent Inflation erreicht Österreich im Jänner erstmals seit Langem wieder den von der EZB angestrebten Zielwert.


Zur Abwechslung habe ich heute einmal gute Nachrichten. Die Inflation in Österreich, gemessen im Verbraucherpreisindex VPI ist im Jänner auf 2,0 Prozent gesunken. Das geht aus der Schnellschätzung der Statistik Austria hervor, die sie gestern veröffentlicht hat. Damit liegt die Teuerung erstmals seit langem wieder im Bereich dessen, was die Europäische Zentralbank als Zielwert definiert – und ja, auch auf dem Wert, den Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in seiner „2-1-0-Formel“ PR-mäßig ausgegeben hat.

Schauen wir uns die Zahlen der vergangenen Monate an:

Wir sehen, dass die Teuerung von zwei Prozent weit unter allen Monatswerten des vergangenen Jahres liegt, das insgesamt mit 3,6 Prozent abgeschnitten hat.

Für Leser:innen dieses Newsletters ist das grundsätzlich nicht überraschend: Wie ich schon im November geschrieben habe, war völlig klar, dass die Inflation im Jänner sinken wird – denn der Hauptgrund für die vergleichsweise enorme Teuerung vor einem Jahr war ja, dass damals diverse staatliche Energiepreisbremsen ausgelaufen sind. Dieser „Basiseffekt“ von 2024 auf 2025 ist heuer weggefallen, was den größten Teil des Rückgangs erklärt.

Normalerweise heißt sinkende Inflation ja nur, dass das Leben weniger schnell teurer wird. Im Energiebereich ist aber der Ausnahmefall eingetreten, dass Strom, Gas, Heizöl und Treibstoffe ausnahmsweise sogar deutlich billiger geworden sind (was auch mit der Senkung der Elektrizitätsabgabe zu tun hat).

Es hat einen Grund, dass die schwarz-rot-pinke Koalition den Kampf gegen die Inflation zum zentralen Ziel ihrer Politik erklärt hat: Teuerung, die Unternehmer:innen und Staat nicht ausgleichen können (durch genauso hohe Gehälter und Pensionen zum Beispiel) bedeutet echten Wohlstandsverlust – und damit naturgemäß auch große Unzufriedenheit in der Wähler:innenschaft.

Ist das die Wende?

Entsprechend groß ist auch die Freude an der Regierungsspitze: „Das ist die Wende, die Österreich braucht“, sagt Stocker, Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) schreibt sich ein „So geht Teuerungsbekämpfung!“ auf die Fahnen und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger freut sich: „Wir haben es geschafft!“.

Ich will jetzt niemandem die Freude nehmen, aber wie gesagt: Ein großer Teil der sinkenden Inflation (das IHS hat zuletzt 0,8 Prozentpunkte geschätzt) ist allein dadurch entstanden, dass 2026 nicht mehr 2025 ist, womit die Regierung prinzipiell einmal nichts zu tun hat. Aber ja, die erwähnte Senkung der Elektrizitätsabgabe und das Drängen auf niedrigere Strompreise spielen auch eine (geringere) Rolle.

Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel

Apropos billiger werden und Regierungsmaßnahmen: Vergangene Woche hat der Ministerrat die Details zu der auch hierorts schon besprochenen Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel beschlossen. Ab 1. Juli sinkt der Steuersatz auf ausgewählte Produkte von zehn auf 4,9 Prozent – also mehr als eine Halbierung.

Der Ministerratsvortrag liest sich stellenweise wie ein Zolldokument: Die EU-Mitgliedstaaten können nämlich die Mehrwertsteuer nicht einfach auf „Milch” senken, sondern müssen sich auf die sogenannte „Kombinierte Nomenklatur" berufen – ein achtstelliges Codierungssystem, das jede Ware der Welt eindeutig identifiziert und mit dem auch der Handel arbeitet. So hat frische Vollmilch den Code KN 0401 20, Butter ist KN 0405 10, und frische Hühnereier firmieren unter KN 0407 21. Bürokratisch, aber es verhindert, dass sich die Definition von Grundnahrungsmitteln je nach politischer Opportunität verschiebt.

Konkret billiger werden: Milch (auch laktosefrei), Butter, Joghurt und Eier. Bei Gemüse die gesamte Standardpalette – Kartoffeln, Paradeiser, Zwiebeln, Knoblauch, alle Kohlarten, Salate, Karotten, Gurken, Bohnen, Erbsen, dazu Kürbis, Melanzani, Paprika, Spargel und Tiefkühlgemüse. Bei Obst: Äpfel, Birnen, Quitten und Steinobst. Und schließlich: Reis, Weizenmehl, Nudeln ohne Füllung, Brot und Gebäck sowie Speisesalz. Was fehlt: Fleisch, Fisch, Käse, Kaffee, Tee, Zucker, Speiseöl. Das Ministerium betont, dass „der Großteil dieser ermäßigten Güter in Österreich produziert wird" – was erklärt, warum Äpfel dabei sind, aber keine Bananen. (Schon wieder Bananen.)

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Ein Kopf auf gelbem Hintergrund

Einfach Politik.

Innenpolitik-Journalist Georg Renner über Österreichs Politiklandschaft.

Jeden Donnerstag

WIFO-Chef Gabriel Felbermayr begrüßt die Senkung, mahnt aber: Die Politik müsse die Lebensmittelkonzerne „in die Pflicht “ nehmen, sie auch weiterzugeben. Der Handelsverband hat das entsprechende Signal gesendet: Man werde die Effekte „nach Möglichkeit 1:1" weitergeben.

Die Kosten: 200 Millionen Euro für 2026, danach rund 400 Millionen pro Jahr – gegenfinanziert durch eine Plastikabgabe und eine Paketsteuer auf China-Packerl. Zur Einordnung: Die ermäßigten Umsatzsteuersätze kosten den Staat laut Förderbericht bereits 5,5 Milliarden Euro jährlich. Die Lebensmittel-Ermäßigung macht davon knapp acht Prozent aus.

Ob die Rechnung aufgeht und ob die Senkung tatsächlich bei den Konsumenten ankommt, wird sich zeigen. Immerhin: Bei der Inflation tut sich schon jetzt etwas – und das ist jedenfalls eine gute Nachricht.


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Infos und Quellen

Genese

Innenpolitik-Journalist Georg Renner erklärt einmal in der Woche in seinem Newsletter die Zusammenhänge der österreichischen Politik. Gründlich, verständlich und bis ins Detail. Der Newsletter erscheint immer am Donnerstag, ihr könnt ihn hier abonnieren. Renner liebt Statistiken und Studien, parlamentarische Anfragebeantwortungen und Ministerratsvorträge, Gesetzes- und Verordnungstexte.

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