)
Österreich kämpft weiter mit einer deutlich höheren Inflation als der Rest der Eurozone. Vor allem Dienstleistungen, Lebensmittel und Energie treiben die Preise in die Höhe. Die Politik streitet nun über mögliche staatliche Eingriffe.
Ein Feedback, das ich auf einen meiner letzten Newsletter bekommen habe, hat gelautet: „Bitte nix mehr mit Pensionen!“ Auch wenn ich das nicht auf Dauer versprechen kann (wie kann man nicht genug von der 13-Milliarden-Euro-Frage bekommen?), werde ich mich heute einem anderen, fast genauso spannenden Thema zuwenden: der Inflation.
- Kennst du schon?: Darum ist die Inflation noch immer hoch
Das passt recht gut in die Debatte hinein, die Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) am Montag mit einem Interview in den Salzburger Nachrichten losgetreten hat - freilich ohne konkrete Vorschläge): Brauchen wir staatliche Preiseingriffe bei Lebensmitteln?
In der Koalition gibt es, sagen wir es vorsichtig, recht unterschiedliche Positionen dazu: Während die SPÖ die Idee naturgemäß bezaubernd findet – auch wenn man von der im Wahlkampf erwogenen Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel jetzt aus Budgetgründen auf einmal nichts mehr wissen will – sind die Neos völlig gegen staatliche Marktinterventionen, während sich die ÖVP überraschend neutral gibt („Wenn es aufgrund der aktuellen weltpolitischen Bedrohungslage zu stark ansteigenden Preisen kommt, treffen wir Gegenmaßnahmen“).
Der Situation zugrunde liegt das Problem, dass Österreich noch immer ein beträchtliches Inflationsproblem hat – hier in der Auswertung des EU-Statikamts Eurostat für Juli:
Wir sehen: Noch immer liegt die Inflation in Österreich weit über dem Schnitt der Euro-Staaten. Über die Folgen haben wir uns an dieser Stelle ja schon oft unterhalten: Weil ein großer Teil der Gehälter über die Kollektivverträge in aller Regel zumindest die Inflation abgegolten bekommen, wird es für Unternehmen teurer, in Österreich zu produzieren als beispielsweise in den Nachbarstaaten Italien oder Deutschland mit weit geringerer Inflation. Sprich: Unsere Wettbewerbsfähigkeit sinkt.
Und während sich der Finanzminister über höhere Einnahmen freuen darf – mit steigenden Gehältern steigt zum Beispiel auch die Lohnsteuer – hat er auch höhere Ausgaben vor sich: Den Bundesbediensteten ist etwa für 2026 gesetzlich eine Erhöhung ihrer Gehälter um Inflation plus 0,3 Prozent zugesichert worden, wovon die Regierung nicht abrücken will. Bei der Anpassung mancher Sozialleistungen, wie der Familienbeihilfe oder dem Kinderbetreuungsgeld hat man das dagegen sehr wohl können, sie werden 2026 nicht erhöht, also faktisch mit der Inflation entwertet.
Aber lassen wir einmal die Polemik, kommen wir zurück zu den Fakten: Was wird aktuell besonders teurer?
Dienstleistungen, Lebensmittel und Energiekosten sind im Moment die stärksten Treiber der Inflation in Österreich – Details dazu in der aktuellen Pressemitteilung der Statistik Austria.
Von diesen drei Faktoren sind Lebensmittel wahrscheinlich der sichtbarste – weil man im Alltag kaum woanders so sehr mit Preisen und ihrer Steigerung konfrontiert wird als an der Supermarktkassa. Weswegen die Diskussion darüber schnell in die Politik überschwappt wie gerade eben.
Aber auch wenn es da manchmal den Anschein haben mag: Die Steigerung der Lebensmittelpreise ist nicht der größte Preistreiber der vergangenen Jahre gewesen:
OK, das ist jetzt ein bisschen kompliziert. Dieser Chart – danke, Statistik Austria – zeigt uns, wie sich die Verbraucher:innenpreise verschiedener Güter in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben. Die Basis ist immer ein Ausgangswert von 100 – das sind die Preise für z. B. Gastro (Hotel und Lokale) im Jahr 2015. Heute liegt der Preisindex für diese Kategorie bei 157,1. Das bedeutet, dass eine Rechnung, die 2015 im Durchschnitt zehn Euro ausgemacht hat, heute 15,70 Euro kosten würde.
Wir sehen: Insgesamt, über alle Kategorien hinweg, sind die Preise in Österreich in diesen zehn Jahren um rund ein Drittel gestiegen. Gefallen sind sie nur in der Nachrichtenübermittlung, also Telefonie, Internet usw. Überdurchschnittlich stark gestiegen sind sie bei den Lebensmitteln, Wohnen & Energie sowie in der Gastro.
Also, Weg frei für die Lebensmittelpreiskontrolle? Nun, ich fand interessant, was Wifo-Chef Gabriel Felbermayr anlässlich Marterbauers Vorschlag dazu gepostet hat:
Wir sehen hier, dass Österreich (rote Linie) über die vergangenen zehn Jahre zwar eine deutlich höhere Gesamtinflation hatte als die Eurozone (blau) und Spanien (gelb), das zuletzt stark auf Preiskontrollen gesetzt hatte. Aber gerade bei den Lebensmitteln – die rechte Grafik - ist die Teuerung bei uns in Österreich eben niedriger ausgefallen als in Spanien. Ich glaube, die Diskussion wird uns noch länger begleiten. Übrigens auch, was die Pensionen angeht. Nachdem die nach §108ff ASVG jedes Jahr grundsätzlich mit der Inflation von August des Vor- bis Juli des laufenden Jahres erhöht werden, dürften sie 2026 um 2.7 Prozent steigen. Wenn die Koalition keine andere Anpassung beschließt, zumindest. |
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Infos und Quellen
Quellen
- Verbraucherpreisindex
- Pressemitteilung Statistik Austria: Inflation im Juli 2025 laut Schnellschätzung bei 3,5 %
- ORF: Karenzgeld und Familienbeihilfe steigen nicht
- Eurostat: HVPI - Monatliche Daten (jährliche Veränderungsrate)
- Salzburger Nachrichten: Hohe Preise: Finanzminister Marterbauer will mit Eingriffen Lebensmittel billiger machen
- Posting Gabriel Felbermayr
)
)
)
)