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Seit zwei Wochen wird im Iran wieder protestiert. Der Wirtschaftswissenschaftler Mahdi Ghodsi erklärt im Gespräch mit der WZ die Achillesferse des iranischen Regimes: seine Wirtschaft, dessen Kollaps auch das Ende des Regimes bedeuten könnte.
Seit knapp zwei Wochen protestiert die iranische Bevölkerung erneut gegen das Regime der Islamischen Republik. Was als Protest von Handyshop-Betreibern in Teheran gegen den Währungsverfall begonnen hat, hat sich schnell zur Bewegung gegen das gesamte System formiert. Mahdi Ghodsi, Wirtschaftswissenschaftler am Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche, erklärt im Gespräch mit der WZ, wie die ökonomischen Bedingungen die Menschen auf die Straße getrieben haben – und wie sehr das dem Regime gefährlich werden könnte.
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Offiziell gelten 36 Prozent der Bevölkerung im Iran als arm.Mahdi Ghodsi
Die Maßnahmen werden das Problem einer stagnierenden Wirtschaft nicht lösen.Mahdi Ghodsi
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Infos und Quellen
Genese
Solmaz Khorsand analysiert seit Jahren die Lage im Iran.
Gesprächspartner
- Mahdi Ghodsi ist Senior Economist am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), wo er die Forschungsgruppe Internationale Ökonomie leitet. Er lehrt zudem als externer Dozent an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und ist Senior Fellow sowie Leiter der Wirtschaftseinheit am Centre for Middle East and Global Order (CMEG) in Berlin.
Daten und Fakten
- Die aktuellen Proteste sind am Sonntag, den 28. Dezember 2025, von Teherans größtem Handy-Markt ausgegangen, nach einem plötzlichen Einbruch des Wechselkurses. Spontan gingen vor allem Händler in der Hauptstadt auf die Straße. In den folgenden Tagen erfassten die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Auch Studierenden in mehreren Universitäten, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf. Mittlerweile haben die Proteste das gesamte Land erfasst, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Man verlangt den Sturz der Islamischen Republik, die seit der Revolution 1979 das Land beherrscht.
- Der Generalstaatsanwalt des Iran, Mohammed Mohawedi-Asad, hatte eine Warnung an die Protestierenden gerichtet. Friedliche Demonstrationen für bessere Lebensbedingungen seien legitim, sagte er in Staatsmedien. Doch „jeder Versuch, die Wirtschaftsproteste zu einem Werkzeug der Unsicherheit“ oder „einer Umsetzung von außerhalb des Landes entworfenen Szenarien“ werde „unvermeidlich eine legale, angemessene und entschiedene Antwort auslösen“. Mittlerweile ist das Regime mit Gewalt gegen die Protestierenden vorgegangen, wie in vorherigen Protestwellen. Menschenrechtsorganisationen berichten von mindesten 36 Toten und über 2000 Inhaftierten.
- Die Regierung hat als Reaktion auf die Proteste Finanzhilfen für 80 Millionen Bürger:innen (die Bevölkerung umfasst rund 90 Millionen) angekündigt. So sollen alle monatlich Warengutscheine im Wert von knapp 7 Euro erhalten, außerdem will man Kredite für ärmere Bevölkerungsschichten erleichtern. Der Durchschnittslohn im Iran beträgt etwa 170 Euro pro Monat, der Mindestlohn liegt bei etwa 100 Euro pro Monat. Viele Iraner:innen müssen sich mit zwei bis drei Jobs über Wasser halten.
Quellen
- Deutschlandfunk: Wie gefährlich sind die Proteste für das Mullah-Regime?
- DW: 2026: Iran zwischen Sanktionen, Inflation und Krisen
- Hrana: Detailed Report on the Tenth Day of Protests: 36 Dead in 285 Demonstrations
- CoinDesk: Iran akzeptiert Kryptowährungen als Zahlungsmittel für fortschrittliche Waffen
- DW: Iran: Kein billiges Benzin mehr für Vielfahrer
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