PodcastWeniger offene Stellen führen zu einem sogenannten Arbeitgebermarkt – und das hat zumindest in den USA den Trend „Job Hugging“ zur Folge. Auch in Österreich entwickelt sich der Arbeitsmarkt ähnlich. Doch wie reagieren junge Menschen darauf?
Zuerst kam Job Hopping: Millennials waren eher als die Generationen zuvor gewillt, den Arbeitsplatz zu wechseln. Dann folgte Quiet Quitting, bei dem man sich mental vom Job verabschiedet, ohne selbst zu kündigen. Jetzt kommt Job Hugging. Hält die Gen Z in der Wirtschaftskrise lieber an ihren Jobs fest?
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Der Begriff „Job Hugging“ beschreibt ein Phänomen, das in den vergangenen Monaten in den USA zu beobachten war. Da die Schaffung neuer Arbeitsplätze rückläufig ist, denken weniger Arbeitnehmer:innen über einen Wechsel nach und „umarmen“ ihren aktuellen Job. Während der Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer:innen nach der Pandemie günstiger war, da es mehr offene Stellen als potenzielle Arbeitnehmer:innen gab, geht der Trend jetzt wieder in Richtung Arbeitgeber:innenmarkt: Wenn mehr Menschen einen Job suchen als Arbeitsplätze verfügbar sind, haben die Unternehmen mehr Macht. Diese Entwicklung führt schließlich zum Job Hugging. Wenn die Aussicht auf einen neuen, besseren Job gering ist, schätzt man den aktuellen mehr.
Vom Arbeitnehmer:innen- zum Arbeitgeber:innenmarkt
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Österreich: Die Zahl der offenen Stellen ist im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 4 Prozent zurückgegangen. Bereits im vergangenen Jahr gab es 15,8 Prozent weniger ausgeschriebene Stellen als 2023.
Die Situation am Arbeitsmarkt spitzt sich zu: Im August 2025 lag die Zahl der Arbeitslosen um 4,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Bei Personen mit akademischer Ausbildung stieg sie sogar um 12,3 Prozent. Besonders betroffen sind der Handel und die Industrie. So informierte der heimische Industriekonzern OMV Anfang September darüber, dass er 2.000 Stellen abbauen will; davon sind in Österreich rund 400 Arbeitsplätze betroffen.
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Jüngere eher zum Jobwechsel bereit
Wie oft österreichische Arbeitnehmer:innen tatsächlich Jobs wechseln, dazu gibt es keine Statistiken. Aktuelle Umfragen zeigen allerdings in Österreich ein uneinheitliches Bild zur Bereitschaft, einen neuen Job zu suchen. Laut der Wechselwilligkeitsstudie der Karriereplattform Xing, bei der rund 1.000 Personen in Österreich befragt wurden, waren im Januar 44 Prozent bereit, den Job zu wechseln. In Deutschland, wo die wirtschaftliche Situation ähnlich aussieht, waren es nur 36 Prozent. Die Wechselbereitschaft hat sich laut der Umfrage seit sechs Jahren kaum verändert, nur 2023 war die Bereitschaft mit 52 Prozent höher.
Laut dem Gallup-Bericht „State of the Workplace 2025“ wollen nur 20 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer:innen einen neuen Job suchen. Damit liegen wir auf dem letzten Platz von 38 untersuchten Ländern. Ein Jobwechsel ist auch eine Altersfrage: Laut einer OECD-Untersuchung liegt die Wahrscheinlichkeit eines Jobwechsels bei 26-Jährigen in Österreich bei 18,15 Prozent, bei 45-Jährigen sind es nur noch 7,75 Prozent.
Einen klaren Trend zum Job Hugging gibt es in Österreich also noch nicht. Den Umfragen zufolge beschäftigt jedoch viele Arbeitnehmer:innen ihre berufliche Situation und viele denken über einen Wechsel nach. Dass der Arbeitsmarkt aktuell eher den Arbeitgeber:innen gehört, könnte den Wunsch nach Sicherheit verstärken und das Festklammern am aktuellen Arbeitsplatz verstärken.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Der Begriff „Job Hugging“ wurde im Sommer 2025 vom Beratungsunternehmen Korn Ferry als Gegentrend zu „Job Hopping“ etabliert. Wenn weniger Stellen ausgeschrieben werden und die Arbeitslosenzahlen steigen, halten Arbeitnehmer:innen eher an ihrem aktuellen Job fest.
- In Österreich erreichte die Zahl der offenen Stellen im Jahr 2022 mit 206.500 einen Rekordwert, seit zwei Jahren ist der Wert allerdings rückläufig.
- Diese Entwicklung führt zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt: Sinkt das Angebot an Jobs und steigt die Zahl der Arbeitssuchenden, spricht man von einem Arbeitgeber:innenmarkt.
- In Österreich ist die Wahrscheinlichkeit eines Jobwechsels bei jungen Menschen höher als bei älteren.
Quellen
- Korn Ferry: ‚Job Hugging‘ for Dear Life
- Statistik Austria: Offene Stellen
- Arbeitsmarktservice: Aktuelle Arbeitsmarktdaten
- Wall Street Journal: Job Hopping Is Out, Job Hugging Is In for Fearful Workers
- Trend: OMV: Jobabbau in Österreich im „mittleren dreistelligen Bereich“
- Gallup State of the Workplace 2025
- New Work: Wechselwilligkeitssstudie von XING
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