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Juhu, wir sind nicht so korrupt wie letztes Jahr!

2 Min
It’s giving politics
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Gute Nachrichten aus dem internationalen Vergleich: Laut Corruption Perception Index (CPI) hat sich Österreich im Korruptionsranking verbessert: von Rang 25 auf 21. Klingt nach Aufholjagd, nach Reformwirkung, nach österreichischem „Na passt ja eh“.


Es war einmal ein Land. Ein Land mit optimalen Bedingungen: wirtschaftlich stabil, geopolitisch privilegiert, eingebettet in die EU, mit funktionierenden Institutionen und dem Selbstbild einer gefestigten Demokratie. Ein Land, in dem Korruption eigentlich kein großes Thema sein sollte. Und doch kassierte dieses Land im Jahr 2024 einen historischen Tiefschlag: Platz 25 im Korruptionswahrnehmungsindex. So schlecht wie noch nie. Dieses Land ist Österreich.

Heuer wird aufgeatmet

Österreich erreichte 2025 69 Punkte – zwei mehr als im Vorjahr. Ob das tatsächlich weniger Korruption bedeutet oder nur eine leicht verbesserte Wahrnehmung, lässt sich aus dem Corruption Perceptions Index jedoch nicht eindeutig ableiten. Aber das was zählt: Vier Plätze gutgemacht, zurück ins westeuropäische Mittelfeld. Dorthin, wo man sich hierzulande gerne einordnet: nicht Spitze wie Dänemark oder Finnland, aber deutlich besser als die globalen Schlusslichter. An der Spitze des Rankings stehen erneut Dänemark, Finnland und Singapur, während Somalia, Südsudan und Venezuela das Schlusslicht bilden. Der Maßstab bleibt also überschaubar, je nachdem halt, mit wem man sich vergleicht.

Jetzt die entscheidende Frage: Sind wir tatsächlich besser geworden? Oder die anderen einfach schlechter?

Wie wird gerankt?

Der CPI misst nicht tatsächliche Korruptionsfälle, keine Anklagen, keine Urteile. Er misst Wahrnehmung. Er basiert auf 13 unabhängigen Datenquellen und bewertet unter anderem Bestechung, Zweckentfremdung öffentlicher Gelder, Nepotismus und politische Einflussnahme. Es geht also weniger darum, wie korrupt ein Land ist, sondern wie korrupt es auf Expertinnen, Investoren und Institutionen wirkt.

Transparency International spricht von einer Trendumkehr und warnt zugleich vor einem „strukturellen Problem“. Ein System, das anfällig bleibt, solange Kontrolle als Misstrauen gilt und Transparenz als Zumutung.

Hierzulande wird Korruption ohnehin selten beim Namen genannt. Vitamin B, eh immer schon so gewesen oder man kennt sich halt. Das klingt doch um einiges besser! Sie zeigt sich lieber in Grundstücksdeals mit erstaunlich gutem Timing, in Postenvergaben mit familiärem Beigeschmack und in Förderentscheidungen, die rein zufällig immer wieder bei denselben landen. Und wehe, jemand sagt das böse K-Wort. Heute darf man ja wirklich nix mehr.

Und wenn sie nicht gestorben sind, korrumpieren sie noch heute.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Der Corruption Perception Index (CPI) von Transparency International bewertet die wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor. Er misst keine einzelnen Korruptionsfälle, sondern die Einschätzung von Expert:innen und Institutionen.
  • Grundlage des CPI sind 13 unabhängige Datenquellen von zwölf Institutionen, darunter die Bertelsmann Stiftung, das World Economic Forum und der Economist. Bewertet werden unter anderem Bestechung, Zweckentfremdung öffentlicher Gelder und Nepotismus.
  • Österreich erreichte im CPI 2025 69 von 100 Punkten und Platz 21 von 180 Ländern. Im Jahr zuvor lag Österreich mit 67 Punkten noch auf Rang 25 und damit so schlecht wie nie zuvor.


    Quellen

  • Bundesministerium Inneres: Österreich im Ranking des Corruption Perceptions Index (CPI) auf Platz 25
  • Transparency International: Korruptionswahrnehmungsindex

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