Zum Hauptinhalt springen

Kannst du KI jetzt endlich vertrauen?

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was wirtschaftlich so vor sich geht.
© Illustration: WZ

KI-gestützte Kommunikation und Inhalte müssen seit 2. August 2026 EU-weit deutlich gekennzeichnet sein. Die Technologieanbieter bekennen sich zu einem Verhaltenskodex, der Interpretationsspielraum ist allerdings groß.


    • KI-gestützte Inhalte müssen seit 2. August 2026 EU-weit deutlich gekennzeichnet sein.
    • Die Kennzeichnungspflicht fällt weg, wenn die KI-Anwendung offensichtlich ist oder KI nur zur Unterstützung verwendet wird.
    • Der Interpretationsspielraum ist groß.
    • Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Kennzeichnung liegt in erster Linie bei den Technologieanbietern.
    • Ein Verstoß gegen die KI-Regeln kann Geldbußen in Höhe von bis zu 3 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes oder 15 Millionen Euro nach sich ziehen.
    • Für Unternehmen bedeuten die neuen Richtlinien mehr Aufwand, weil sie für die Umsetzung und Kennzeichnung verantwortlich sind.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Ist das Bild, das in der WhatsApp-Gruppe weitergeleitet wurde, echt oder KI? Spreche ich gerade mit einem Menschen oder einem Roboter? Solche Fragen gehören mittlerweile zum Alltag, und ab sofort könnten sie zumindest in der Theorie rasch beantwortet werden. Denn am 2. August 2026 sind die Transparenzverpflichtungen der KI-Verordnung der EU in Kraft getreten.

Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte

Alles, was KI enthält, muss demnach ab sofort entsprechend gekennzeichnet werden: Chatbots wie beim Online-Support genauso wie KI-generierte Audio- und Video-Dateien, Texte für das öffentliche Interesse, Deep Fakes oder KI-gestützte Emotionserkennung. Die Kennzeichnungspflicht fällt dann weg, wenn die KI-Anwendung offensichtlich ist oder KI nur zur Unterstützung verwendet wird, beispielsweise bei redaktioneller Arbeit. Hier zeigt sich bereits der erste Interpretationsspielraum, den Unternehmen ausreizen könnten.

Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Kennzeichnung liegt in erster Linie bei den Technologieanbietern – also jenen, die die Software entwickeln – und nachgelagert bei den Betreibern – also jenen, die sie einsetzen. Die großen Player am Markt verpflichten sich dazu, sie haben sogar einen von der EU-Kommission initiierten Verhaltenskodex unterzeichnet. 83 Technologieanbieter – darunter OpenAI, Google und Anthropic – und 152 Betreiber standen Anfang August auf dieser Liste. Wer Services dieser Unternehmen nutzt oder mit ihnen interagiert, sollte also theoretisch darauf vertrauen können, dass sie die entsprechende Kennzeichnung liefern und es immer klar ist, ob KI im Einsatz ist.


KI-Anbietern drohen Geldstrafen

Dass die Umsetzung in der Praxis nicht einwandfrei funktioniert, zeigen andere große Regelwerke wie das Gesetz über digitale Dienste, das Gesetz über digitale Märkte und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Diese sollen die Rechte und Daten der Nutzer:innen schützen und für einen fairen Wettbewerb im Netz sorgen. Da die großen Plattformen immer wieder dagegen verstoßen, gibt es langwierige Verfahren mit hohen Strafen. Erst vor einigen Wochen verhängte die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 890 Millionen Euro gegen Google, weil die Plattform ihre eigenen Angebote priorisiert.

Solche Strafen werden wir in Zukunft auch im KI-Bereich sehen. Denn die EU-Kommission hat ebenfalls am 2. August mit der Durchsetzung der KI-Vorschriften begonnen. Beim Digital Markets Act von 2022, mit dem die EU kleinere Unternehmen fördern und die digitalen Märkte wettbewerbsfähiger machen wollte, dauerte es etwa ein Jahr, bis die ersten Verstöße geahndet wurden. Ein Verstoß gegen die KI-Regeln kann Geldbußen in Höhe von bis zu 3 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes oder 15 Millionen Euro nach sich ziehen. Obwohl sich Konzerne dazu öffentlich bekennen, gibt es aus der Wirtschaft auch Kritik an den neuen Rahmenbedingungen: Sie seien aufwändig umzusetzen und nicht klar genug, heißt es.

KI-Beschwerden melden

Für Unternehmen bedeuten die neuen Richtlinien mehr Aufwand, weil sie für die Umsetzung und Kennzeichnung verantwortlich sind. Für Nutzer:innen bedeuten sie jedoch mehr Schutz. Wer einen Verstoß gegen den AI Act bemerkt, kann diesen über das Beschwerde-Tool der EU-Kommission melden. In Österreich ist die KI-Servicestelle der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde (RTR) für alle Anliegen zur KI-Verordnung zuständig.

Digitale Kommunikation und digitale Inhalte werden durch die neuen Transparenzregeln also nicht unbedingt vertrauenswürdiger, aber zumindest gibt es dadurch eine rechtliche Grundlage dafür. Wie bei den anderen digitalen Gesetzen wird es dauern, bis die Umsetzung tatsächlich klappt – wenn die Technologieanbieter nicht bewusst gegen die Regeln verstoßen und Geldstrafen auf sich nehmen.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Ähnliche Inhalte