Konzerne stecken Milliarden in KI-Technologie und steigern ihre Umsätze. Doch langsam werden die Investor:innen nervös. Vergangene Woche begann der Abverkauf der Tech-Aktien.
Die neue Börsenwoche startete mit einer 20-minütigen Unterbrechung. Am Montag fielen einige Aktien an der südkoreanischen Börse so stark, dass der Handel für einige Zeit ausgesetzt werden musste. Der südkoreanische Aktienindex KOSPI, der die börsengelisteten Unternehmen abbildet, fiel innerhalb kurzer Zeit um fast 9 Prozent. Verantwortlich hierfür waren vor allem die dort ansässigen Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix. Erst vor wenigen Wochen stiegen beide in die Riege der Unternehmen mit einem Marktwert von mehr als einer Billion US-Dollar auf. Dass sich die Investor:innen jetzt wieder zurückziehen, könnte den Beginn einer längerfristigen Trendwende am Aktienmarkt markieren: Das Platzen der KI-Blase?
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Enttäuschte Investor:innen
Über den KI-Boom berichten wir mittlerweile seit Jahren: Unternehmen investieren Milliarden in Künstliche Intelligenz, diese Unternehmen erhöhen damit ihren eigenen Wert. Zum einen sind das jahrzehntealte Konzerne wie Nvidia, aber auch Startups wie Anthropic und OpenAI. Die zwei KI-Player stehen kurz vor dem Börsengang und sind jetzt schon von einer Billionen-Bewertung nicht mehr weit entfernt. Sie generieren bereits viele Einnahmen durch Großaufträge, haben aber auch viele Ausgaben und sind deshalb noch nicht profitabel. Die große Frage ist, ob die KI-Wette aufgeht und sich sowohl für Startups, Investor:innen als auch die Konzerne auszahlt – oder ob hier Geld verbrannt wird.
Ein Anfang Juni veröffentlichter Geschäftsbericht treibt diese Unsicherheit an. Der Technologieanbieter Broadcom lieferte zwar positive Zahlen für das zweite Quartal, doch der Jahresausblick enttäuscht die Investor:innen. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Broadcom mit 56 Milliarden US-Dollar Umsatz in der Chip-Sparte, 180 Prozent mehr als im Vorjahr. Nächstes Jahr soll der Umsatz in diesem Bereich sogar auf 100 Milliarden US-Dollar steigen.
Da die Erwartungen der Analyst:innen allerdings höher lagen, fiel der Aktienkurs nach Veröffentlichung des Quartalsberichts um rund 15 Prozent. Das Unternehmen, das auch OpenAI zu seinen Großkunden zählt, sorgte damit für einen sogenannten Tech-Selloff: Großinvestor:innen trennten sich nicht nur von Broadcom-Anteilen, sondern auch anderen Tech-Aktien.
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Flucht oder günstige Einstiegschancen
Damit kam es zuerst an den US-Tech-Börsen und dann eben auch in Südkorea zu einem Einbruch, der vorwiegend auf die Entwicklungen am KI-Markt zurückzuführen ist. Aber auch die geopolitischen Unsicherheiten sorgen für ein negatives Klima. Die Verluste an den Börsen deuten darauf hin, dass Investor:innen ihre Gewinne absichern und wahrscheinlich mit weiteren Kursfällen rechnen. Jetzt werde Vermögen in Geld umgewandelt, erklärt der Investor Ray Dalio gegenüber Bloomberg. Dass technologische Veränderungen zu Blasen führen, sei üblich, erklärt er weiter: „Entweder muss man Unmengen an Geld ausgeben, um sich Marktanteile zu sichern, und sich keine Gedanken darüber machen, ob das zu viel ist oder nicht, oder man gibt nicht genug Geld aus und verliert Marktanteile.
Nvidia-CEO Jensen Huang, der sich aktuell auf einer Südkorea-Reise befindet, sieht erst den Anfang dieser Entwicklung: Der Aufbau der KI-Infrastruktur habe gerade erst begonnen und der aktuelle Abverkauf der Tech-Aktien sei eine gute Gelegenheit, um günstig einzusteigen. Als Chef eines der wertvollsten Unternehmen der Welt haben er und viele andere Vertreter der Branche natürlich ein Interesse daran, den Wertverlust an den Börsen abzuhalten.
Cash für anstehende Börsengänge
Dass sich institutionelle Anleger:innen jedoch nicht mit zigfachen Umsatzsteigerungen zufriedengeben und stattdessen Beteiligungen veräußern, ist ein Hinweis darauf, dass die Geduld bei der KI-Wette möglicherweise schon überstrapaziert ist und die Blase somit tatsächlich platzen könnte.
Die Stimmung an den Märkten könnte allerdings auch mit den bevorstehenden Börsengängen von SpaceX, OpenAI und Anthropic zusammenhängen. Vielleicht benötigen die Investor:innen aktuell Liquidität, um dort einzusteigen. Ob die KI-Blase platzt oder ob es sich lediglich um kurzfristige Volatilität handelt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Wie die Wette ausgeht, wird letztendlich von den großen Geldgeber:innen entschieden.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Quellen
- Bloomberg: Korean Stocks Tumble as Unwinding AI Trades Threaten Bull Run
- CNBC: Broadcom stock plunges on weak software sales, unchanged AI chip forecast for the year
- Business Insider: The AI trade is having a terrible day
- Bloomberg: Dalio Sees AI Bubble Bursting as Wealth Is Converted Into Money
- Bloomberg: Nvidia CEO Says Selloff in Tech Stocks Is a Buying Opportunity
- The Economist: Can the stockmarket swallow SpaceX, Anthropic and OpenAI?
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