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Klima: Wenn Eigeninteressen die Welt regieren

3 Min
"Wissen wissen" ist eine Kolumne von Eva Stanzl. Darin ordnet sie aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesundheit ein.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Adobe Stock

30 Jahre Klimakonferenzen und die Weltgemeinschaft ist immer noch nicht in der Lage, globale Probleme zu lösen.


Der Dachstein ist der höchste Gipfel des imposant aufragenden Dachsteingebirges. Seit 3500 Jahren sind dort, hoch oben auf 2950 Metern, die Bundesländer Oberösterreich und Steiermark durch eine durchgängige Gletscherbrücke miteinander verbunden. Diese sogenannte „Gletscherehe“ steht nun vor der Scheidung. Das Eisband, vor wenigen Jahren noch 400 Meter breit, wird in wenigen Wochen abgeschmolzen sein.

Selten war der Klimawandel so augenfällig wie an diesem Beispiel. Seit 30 Jahren beschwören rund 200 Nationen bei internationalen Klimakonferenzen – COP genannt – Einigkeit im Kampf gegen den Klimawandel. Die Ergebnisse werden den Beteuerungen allerdings nicht gerecht. Seit der ersten Klimakonferenz 1995 in Rio de Janeiro sind die globalen CO2-Emissionen gestiegen. Erfolg sieht anders aus.

Materialismus statt Lösungen

Ähnlich pompös in den Ankündigungen und desaströs in den Ergebnissen verlief die kürzlich gescheiterte Konferenz in Genf zur Begrenzung des Plastikmülls. Seit 1950 steigt die Plastikproduktion jährlich. Seit mindestens einem Jahrzehnt ist klar, dass Kunststoffabfälle die Meere und die Umwelt verseuchen, und seit 2022 will die UNO all dies in den Griff bekommen. Doch nichts. Im August wurde die jüngste Sitzung abgebrochen, weil die Ölstaaten die Produktion erhöhen, andere Länder sie drosseln und wiederum andere Kunststoffe bloß recyceln wollten.

Das Ergebnis ist somit, dass die Weltgemeinschaft nicht in der Lage ist, wirkungsvolle Maßnahmen gegen zwei Umweltkatastrophen zu vereinbaren. In der Tat weichen Einsicht und Kompromissfähigkeit, die es bei Verhandlungen zwischen Staaten braucht, Materialismus und Eigeninteressen.

Wer ein Auto gegen die Mauer fährt …

Unter der Regierung Trump ist keine Besserung zu erwarten. Die USA – nach China der zweitgrößte CO2-Emittent – sind aus allen relevanten Umweltabkommen ausgetreten und haben sämtliche Förderungen für umweltschonende Maßnahmen zurückgefahren. Nicht das Wohl aller Menschen, sondern Ziele der Marke „Make America great again“ auf der einen Seite und „Lasst die russische Weltmacht auferstehen“ – oder aber auch die chinesische weiter wachsen – auf der anderen Seite werden verfolgt.

Diese Entwicklungen lassen auch für andere gemeinsame Probleme wenig Gutes erwarten. Zum Beispiel für den Umgang mit KI, die zwar bequem ist, aber nicht ungebremst zum Einsatz kommen sollte. Selbst ihre Erfinder:innen betonen, dass es wichtig wäre, allgemeingültige Kontrollen und globale ethische Grenzen in der Nutzung einzuführen, damit nicht schon bald Künstliche Intelligenz uns kontrolliert anstatt wir sie. Abgesehen davon sind KI-Technologien energieintensiv. Der hohe Stromverbrauch bei der Datenverarbeitung ist ein großer Kritikpunkt.

… braucht gute Airbags

Statistiken zeigen, dass sowohl der Klimawandel schneller voranschreitet als auch KI rascher Fortschritte macht als angenommen. Zusammengefasst ist daher zu sagen, dass die Politik ganz neue Wege beschreiten muss, wenn sie globalen Bedrohungen wirksame Maßnahmen entgegensetzen will. Sonst fährt der Zug ohne sie ab. Und dann wird man sich nicht mehr mit Krisenbewältigung, sondern mit Folgenmanagement auseinandersetzen müssen.

Oder anders gesagt: Wer ein Auto gegen die Mauer fährt, braucht gute Airbags. Und wer seine Gletscher abträgt, muss herausfinden, wie die Hitze denn überlebt werden kann.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die UN-Klimakonferenz ist die jährlich stattfindende Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP) der UN-Klimarahmenkonvention seit 1995, sie feiert also heuer ihr 30-jähriges Jubiläum.
  • Der Dachstein ist der Hauptgipfel des Dachsteingebirges. Er hat die Form eines Doppelgipfels. Der Hohe Dachstein ist mit 2995 Metern der höchste Gipfel, er ist seit dem 19. Jahrhundert für Bergsteiger:innen ein begehrtes Ziel.

Quellen

Das Thema in der WZ

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