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Was bringt der ESC aus wirtschaftlicher Sicht?

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In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Vom TV-Großereignis profitieren nicht nur die Stadt und der ORF, sondern auch viele lokale Unternehmen. Ausgebucht sind die Hotels allerdings nicht.


    • Der Eurovision Song Contest bringt Wien erhebliche wirtschaftliche Impulse, etwa durch Tourismus, Wertschöpfung und zusätzliche Arbeitsplätze.
    • Die Kosten für die Austragung steigen, werden aber durch Einnahmen und Zuschüsse teilweise ausgeglichen; jeder investierte Euro bringt 1,7 Euro zurück.
    • Der Werbewert durch weltweite Medienpräsenz ist hoch, doch Expertinnen wie Oliver Fritz sehen das wirtschaftliche Potenzial kritisch.
    • Kosten ESC 2015 in Wien: 25 Mio. Euro, Wertschöpfung: 38 Mio. Euro
    • Erwartete Kosten 2026: 36,1 Mio. Euro, Zuschuss EBU: 5,3 Mio. Euro
    • Einnahmen 2026: 57 Mio. Euro, davon 21 Mio. von Besucher:innen
    • Werbewert 2026: 730 Mio. Euro, 166 Mio. TV- und 83 Mio. YouTube-Zuseher:innen
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Selbst wer sich nicht für den Eurovision Song Contest interessiert, kommt in Wien derzeit kaum daran vorbei: Die Öffis und öffentlichen Plätze sind diese Woche spürbar voller, das ESC-Logo ist im Handel präsent und in den Sozialen Medien stellen Algorithmen sicher, dass Besucher:innen die besten Spots der Stadt nicht verpassen. Der Song Contest hat also nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Bedeutung.

Was der Song Contest 2015 einbrachte

Denn wie wir auch schon bei der Taylor-Swift-Tour behandelt haben, bringen Großereignisse wie diese einer Stadt nicht nur Kosten, sondern auch Einnahmen für die dort ansässigen Betriebe und Menschen. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung hat das Wirtschaftsministerium bereits im vergangenen Sommer in einer Studie des Forschungsinstituts Eco Austria aufgeschlüsselt. Grundlage dafür waren die Erkenntnisse aus dem Song Contest 2015, bei dem Wien ebenfalls Austragungsort war. Die Kosten beliefen sich damals auf rund 25 Millionen Euro, wovon allein die Miete der Stadthalle 8,9 Millionen Euro betrug. Die Veranstaltung brachte laut der Studie jedoch eine Wertschöpfung von 38 Millionen Euro ein. Dazu zählen etwa die Ausgaben der Tourist:innen, Übernachtungen, aber auch Personalausgaben.

Elf Jahre später wird der ESC den Schätzungen zufolge merklich teurer: Eco Austria rechnet mit 36,1 Millionen Euro. Der größte Kostenfaktor ist dabei die Stadthalle mit einer geschätzten Miete von rund zwölf Millionen Euro. Weitere große Kostenpunkte sind Personal und Technik. Die Host City erhält allerdings einen Zuschuss vom Veranstalter, der European Broadcasting Union. Beim Austragungsort Basel im Jahr 2025 waren es 5,3 Millionen Euro. Die Studie geht somit von Kosten für die öffentliche Hand in Höhe von rund 31 Millionen Euro aus. Die Stadt Wien hat dafür ein Budget für 22,6 Millionen Euro, der ORF rechnet mit 16 Millionen Euro Kosten.

Was Gäste in der Stadt ausgeben

Demgegenüber stellt die Studie des Ministeriums einen sogenannten Nachfrageimpuls, also Einnahmen, von 57 Millionen Euro fest. Davon profitieren mit 36 Millionen Euro in erster Linie Unternehmen und Organisationen, die mit der Veranstaltung selbst zu tun haben. Aber auch Gastronomiebetriebe, Handel und IT-Dienstleister:innen profitieren. Von den Besucher:innen sollen 21 Millionen Euro an Einnahmen generiert werden. Die 88.000 erwarteten Tourist:innen, die in der Stadt übernachten, geben den Berechnungen zufolge pro Tag 157,80 Euro aus. Zudem werden durch den ESC Arbeitsplätze geschaffen: Auf das Jahr gerechnet entstehen etwa 550 Vollzeitäquivalente. Jeder ausgegebene Euro bringt laut der Eco Austria eine Wertschöpfung von 1,7 Euro zurück.

Hoher Werbewert durch globale Aufmerksamkeit

Hinzu kommt noch der indirekte Effekt des Werbewerts. Dieser lag beim Song Contest 2025 bei 730 Millionen Euro, der durch 166 Millionen TV- und 83 Millionen YouTube-Zuseher:innen generiert worden sein soll, heißt es im Brand Impact Bericht der European Broadcasting Union.

Sowohl die Schätzung als auch die im Jahr 2025 durchgeführte Studie des Ministeriums sorgen bei Wirtschaftsforscher:innen allerdings für Skepsis. Oliver Fritz, Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut Österreich, sagte gegenüber dem Kurier, dass der ESC kein Megageschäft sein werde. Die Hotels sind zumindest noch nicht ausgebucht. Anfang Mai lag die Auslastung laut einer Aussendung der Stadt Wien bei rund 70 Prozent, immerhin 10 Prozent mehr als in der Woche davor. Es könnten also diese Woche noch einige Last-Minute-Gäste hinzukommen.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Der Eurovision Song Contest 2015 kostete laut einer Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums 25 Millionen Euro und brachte eine Wertschöpfung von 38 Millionen Euro.
  • Dieses Jahr liegen die erwarteten Ausgaben bei rund 36 Millionen Euro, die Kosten teilen sich die Stadt Wien und der ORF.
  • Pro Tag sollen Tourist:innen, die in Wien übernachten, durchschnittlich 157,8 Euro ausgeben.

Quellen

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