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Mark Forster: Die coolste Basic Bitch des deutschen Pop

3 Min
Warum Mark Forster cringe und cool zugleich ist.
© Illustration: WZ / Paul Kremsleithner. Bildquellen: Getty Images, Adobe Stock.

Nur Boomer hören Mark Forster? Falsch! Der deutsche Sänger hat sich mit smartem Marketing und Internet-Schmäh zum TikTok-Liebling gemausert. Das Urteil: 100 % Diva!


    • Mark Forster nutzt Selbstironie, um seine “Basicness” als Teil seiner Marke zu etablieren und bleibt dabei authentisch.
    • Er schafft es, sowohl ältere Fans als auch die junge TikTok-Generation anzusprechen, ohne gezwungen zu wirken.
    • Durch smarte Internetpräsenz und Kooperationen bleibt Mark Forster relevant im deutschen Pop-Diskurs.
    • Mark Forsters Song „Chöre“ erschien 2016.
    • Kollaboration mit Ski Aggu und virale TikToks
    • Mark Forster ist weiterhin für Caps und selbstironische Auftritte bekannt.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Warum machst du dir ’n Kopf? Wovor hast du Schiss?“: Das sind die ersten Textzeilen aus Mark Forsters 2016er-Hit „Chöre“ – einem der wenigen deutschsprachigen Songs, die die Klapphüllen-Nutzer:innen des DACH-Raums und die chronically online Gen Z gleichermaßen abholen. Früher galt Mark Forster als Inbegriff der German Basicness: pathetische, aber irgendwie auch relatable Texte über Selbstfindung und Liebe, unstylische Cap, Brille, langweilig-sympathische Aura. Wie wir jetzt wissen, ist „basic“ in Wahrheit auch nur eine Umschreibung für „eigentlich iconic“.

Den Spagat zwischen WhatsApp-Status und TikTok schafft neben Mark Forster wohl gerade kein anderer Artist: Er ist cringe und cool gleichzeitig. Er ist cool, weil er cringe ist, weil er das Internet versteht und weiß, wo die Fine Line zwischen smarter Selbstironie und verzweifelter Berufsjugendlichkeit liegt.

Potz Blitz!

Dass Mark Forster im Jahr 2026 eine Rolle im Pop-Diskurs junger Menschen spielt, hätte 2016 wohl niemand gedacht. In den letzten Jahren wurde er zum TikTok-Meme, man machte sich über seine – ihr habt es erraten – Basicness lustig. „Mark Forster ist der Typ, der beim Umblättern seinen Daumen ableckt“ oder „Mark Forster ist der Typ, der ‚Potz Blitz!‘ ruft, wenn er eine Idee hat“, hieß es da zum Beispiel.

Artists, deren Blütezeit vermeintlich vorbei ist, haben zwei Möglichkeiten, auf diese Art von lieb gemeinter Internet-Häme zu reagieren: Sie können beweisen, dass sie nichts mehr checken, und sich ärgern und/oder schweigen. Oder sie können auf den Zug aufspringen und zugeben, dass diese Witze auf ihre Kosten ziemlich lustig und auch ein bisschen wahr sind.

Mark Forster setzte in diesem wichtigen Moment nicht zum Gegenbeweis an. Er wollte dem Internet nicht zeigen, wie falsch es liegt, sondern schrie es von den Dächern: „Ich bin genauso, wie ihr denkt!“ Ein smarter Move, denn vermutlich entschied sich genau hier der Verlauf der nächsten Jahre. Es folgten eine Kollabo mit Ski Aggu, ein Haufen stylischer Fitchecks mit Captions wie „100 % Diva“, witzige TikToks, in denen er schmalzige Posen aus seinen 2010er-Fotoshoots nachstellt. Mark Forster hat sich selbst, seine Legacy und Zukunft smooth in die TikTok-Pop-Welt eingebaut, ohne Fans von früher zu verschrecken.

Selbstironie ohne Selbsthass

Dabei nimmt er sich selbst auf die Schippe, verzichtet aber auf Selbstabwertung. Er distanziert sich nicht von seinem früheren Ich, sondern zieht es liebevoll auf, macht es zum Teil seiner heutigen Brand. Er erfindet sich nicht neu, weil er jung und angesagt sein will, er trägt immer noch am liebsten Caps, aber heute hat er Drip. Apropos Cap: Als er dieses kürzlich für den Werbespot einer Haarpflege-Brand abnahm, rastete ganz TikTok aus.

Das alles ist eine Gratwanderung, die nur wenige Legacy Artists schaffen. Schnell landen sie in der Nostalgiefalle, was dazu führt, dass ihr Publikum mit ihnen altert, aber kaum noch neue Fans nachkommen. Versuchen sie, ein junges Publikum anzusprechen, wirkt das oft gezwungen und verzweifelt, als hätte sich ein zu alter Künstler ins Netz verirrt. Lacht Mark Forster auf TikTok über „67“, wirkt das aber so gar nicht verzweifelt, sondern ernst gemeint. Und sympathisch – aber ohne die Alman-Langeweile von damals.

Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.


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