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Wenn wir gerade im Grünen unterwegs waren, posten wir auf Social Media häufiger positive Beiträge – was dahintersteckt, haben nun mehrere Studien aufgezeigt.
Ich kann keinen Satz mehr schreiben, mein Hirn ist voll und der Bildschirm vor meinen Augen immer noch leer, obwohl ich meinen Text heute abgeben muss. Ich bin im Homeoffice. Also melde ich mich ab, gehe hinaus in den Garten, lasse das Grün der Bäume und das Summen der Bienen kurz auf mich wirken – und kehre mit aufgeladener Energie an meinen Schreibtisch zurück. Aber warum funktioniert das eigentlich? Und zwar nicht nur bei mir?
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Denn Tatsache ist: Wer öfter in der Natur ist, durch sie spaziert, sie sieht und fühlt, ist tendenziell glücklicher. Das hat eine weltweite Studie der Anglia Ruskin University in Cambridge, Großbritannien, ergeben, die mit mehr als 50.000 Teilnehmer:innen aus 58 Ländern die bisher größte dieser Art war. Demnach posten zum Beispiel Menschen, die gerade im Grünen unterwegs waren, auf Social Media häufiger positive Beiträge.
Alter und Geschlecht? Egal
Sie betrachten sich selbst laut Studie als wertvoller, als es mit weniger Naturkontakt der Fall ist. Das wiederum führe dazu, dass sie sich wohler im eigenen Körper fühlen und zufriedener mit dem Leben sind – und zwar über sämtliche Nationalitäten, Altersgruppen (18 bis 99 Jahre) und Geschlechtsidentitäten hinweg.
Eine weitere Studie aus Großbritannien mit rund 20.000 Teilnehmer:innen liefert konkrete Zahlen zu diesem Thema: Demnach genügen bereits zwei Stunden pro Woche in der Natur, im Stück oder häppchenweise, damit es dir besser geht und du seltener krank wirst. Zwischen drei und fünf Stunden seien ideal, heißt es.
Vogelgezwitscher statt Hupkonzert
Okay, denke ich mir, damit ist nun wissenschaftlich bewiesen, was ich mir nicht erst jetzt, in meiner kurzen Pause mitten im Garten, sondern ohnehin schon lange denke. Doch welche Mechanismen stecken genau dahinter? Die einen liegen auf der Hand: Weniger Verkehr, Lärm und Menschenmassen bedeuten weniger Stress. Ameisenstraßen statt Stadtautobahnen. Vogelgezwitscher statt Hupkonzert.
Die anderen gehen viel tiefer – bis in unser Hormonsystem hinein. Laut einer japanischen Studie passiert nach zwei Stunden im Wald so einiges mit unserem Körper: Vom Stresshormon Cortisol wird weniger ausgeschüttet, dafür rückt umso mehr vom Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) nach, das die Durchblutung fördert und den Zellaufbau unterstützt. Außerdem soll es einen Anti-Aging-Effekt haben.
Riech dich gesund
Gleichzeitig senken Duftstoffe wie Phytonzide und Terpene, die Bäume gegen Schädlinge abgeben, unseren Blutdruck, sobald wir sie einatmen. Besonders wirksam sollen jene der Fichten, Kiefern und Tannen sein, die den typischen, harzig-frischen Waldgeruch prägen. Und: Sie stärken unser Immunsystem, indem sie die natürlichen Killerzellen unseres Körpers aktivieren. Bleibst du einen ganzen Tag lang im Wald, hast du fast 40 Prozent mehr Killerzellen im Blut – und das sogar noch in der Woche danach.
Jetzt, wo ich mehr darüber weiß, wie die Natur auf meine Gesundheit wirkt, würde ich gern noch länger im Garten bleiben. Kann ich aber nicht – denn meine Pause ist vorbei. Also muss ich mich damit begnügen, in den nächsten Stunden die drei Topfpflanzen auf meinem Schreibtisch anzuschauen. Doch selbst das soll schon beruhigend wirken und die Stimmung heben, wie eine weitere japanische Studie ergeben hat. Vielleicht gilt deshalb Grün als die Farbe der Hoffnung.
Petra Tempfer nimmt dich alle zwei Wochen mit nach draußen in die Natur, in ihren Garten und zu allem, was da so lebt. Nicht immer sieht sie das Grün, von dem sie heute schreibt – wenn sie zum Beispiel spät am Abend vom Zug heimgeht, kann sie es nur erahnen. Was sie dann ebenfalls nicht sieht: All die Tiere, die nachts Party machen und sie am Heimweg begleiten. Welche das sind und welche auch in der Stadt bei Dunkelheit aus den Kanalgittern klettern, erfährst du hier in zwei Wochen.
Zu allen bereits erschienenen Kolumnen geht es hier.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon der Nebennierenrinde, das Blutzucker, Blutdruck und Entzündungen beeinflusst. Wenn wir Stress erleben, wird Cortisol ausgeschüttet, um den Körper zusammen mit anderen Hormonen wie Adrenalin in Alarmbereitschaft zu versetzen. So erhöht Cortisol zum Beispiel den Blutzuckerspiegel, um dem Körper rasch Energie bereitzustellen. Auch der Blutdruck steigt. Ist der Stress vorüber, sinkt der Cortisolspiegel wieder ab. Cortisol wird deshalb als Stresshormon bezeichnet. (Apotheken Umschau)
- Bei DHEA, das ausgeschrieben Dehydroepiandrosteron heißt, handelt es sich um ein körpereigenes Steroidhormon auf der Basis von Cholesterin. Als Prohormon ist es die Vorstufe der Geschlechtshormone. Auf das Herz-Kreislauf-System wirken DHEA und die Sexualhormone schützend. Sowohl freies DHEA als auch seine gebundene Form nehmen Einfluss auf das Zentrale Nervensystem. Dabei gehen Wissenschaftler:innen derzeit von neuroprotektiven Eigenschaften des Hormons aus, da DHEA und die nachfolgenden Sexualhormone die Neubildung von Nervenzellen unterstützen. Das senkt das Risiko für die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer. Auch eine antidepressive und angstlösende Wirkung der Hormone scheint hier eine Rolle zu spielen: Ein Mangel an DHEA und vor allem den Androgenen (primäre männliche Sexualhormone) geht mit einer erhöhten Rate an depressiven Verstimmungen, mit Schlafstörungen und Regulationsstörungen im sozialen Kontext einher. Eine vermehrte Aggressivität könnte ebenfalls darauf zurückzuführen sein. (Medi-Karriere)
- Sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Phytonzide wie Alpha- und Betapinene, werden von Bäumen und anderen Pflanzen im Wald produziert und sind in der Waldluft in unterschiedlichen Konzentrationen und Zusammensetzungen nachzuweisen. Sie gehören zur Gruppe der Terpene. Bei einem Waldaufenthalt werden diese Stoffe vor allem über die Lunge aufgenommen. (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft)
- Phytonzide und Terpene sind organische Verbindungen, die von vielen Pflanzen als sekundäre Pflanzenstoffe gebildet werden. Chemisch handelt es sich bei ihnen um flüchtige, leicht verdunstbare Moleküle, die hauptsächlich in den ätherischen Ölen der Pflanzen vorkommen. Die Bildung dieser Substanzen erfolgt in spezialisierten Drüsenzellen und dient primär als Abwehrmechanismus gegen Schädlinge, Krankheitserreger oder andere Umweltbelastungen. In ihrer ursprünglichen Funktion schützen sie also die Pflanzen vor potenziellen Bedrohungen, indem sie antibakteriell und gegen Pilzbefall wirken. (Bin-im-Wald-Magazin)
- Killerzellen sind Zellen des Immunsystems, die veränderte Körperzellen erkennen und zerstören, wie zum Beispiel Krebszellen oder Zellen, die von Krankheitserregern befallen sind. Man unterscheidet zwei Arten von Killerzellen: Zytotoxische T-Zellen (CTL) und Natürliche Killerzellen (NK-Zellen). Beide Zellarten verwenden ähnliche Mechanismen, um veränderte Körperzellen zu eliminieren. Sie unterscheiden sich aber in ihren Erkennungsmechanismen. (DocCheckFlexikon)
- Infizierte Zellen sind normalerweise für das Immunsystem gut zu erkennen, weil sie Fragmente der Krankheitserreger auf ihrer Oberfläche zusammen mit zelleigenen Proteinen, sogenannten MHC- Molekülen, präsentieren. Einige Viren und auch Tumorzellen sind jedoch in der Lage, die MHC-Expression zu vermindern. Genau dieses Fehlen von MHC wird von natürlichen Killerzellen erkannt, die daraufhin die Zellen abtöten. (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung)
- Grün ist die Farbe des Frühlings, der erwachenden Natur, der Fruchtbarkeit, des Wachstums und damit der Hoffnung. Grün ist eine Mischfarbe, keine Grundfarbe. Als Ursymbol bedeutet Grün daher eine Kombination zweier Gegensätze: Blau, die kühle Farbe des Intellekts beziehungsweise des Himmels, mischt sich mit Gelb, der wärmeren Farbe des Irdischen beziehungsweise der Sonne, zur Farbe einer gleichgewichtigen Daseinsentfaltung: Hoffnung und Wiedergeburt. Grün symbolisiert auch die Jugend, weil zum Beispiel Getreide zuerst grün ist, bevor das gelbe Korn geerntet werden kann. (Austria-Forum)
Quellen
- Swami, V., Voracek, M., Stieger, S. et al.: Positive body image is a pathway between nature contact and life satisfaction across 58 nations, Environment International, 110277, ISSN 0160-4120 (2026).
- White, M.P., Alcock, I., Grellier, J. et al.: Spending at least 120 minutes a week in nature is associated with good health and wellbeing, Sci Rep 9, 7730 (2019).
- Li Q.: Effects of forest environment (Shinrin-yoku/Forest bathing) on health promotion and disease prevention -the Establishment of "Forest Medicine", Environ Health Prev Med. 2022;27:43. doi: 10.1265/ehpm.22-00160. PMID: 36328581; PMCID: PMC9665958 (2022).
- Lew, T., Fleming, K. J.: Phytoncides and immunity from forest to facility: A systematic review and meta-analysis, Pharmacological Research - Natural Products, Volume 4, 100061, ISSN 2950-1997 (2024).
- Yin, J., Zhu, S., Macnaughton, P., Allen, J., Spengler, J.: Physiological and cognitive performance of exposure to biophilic indoor environment. Building and Environment, 132. 10.1016/j.buildenv.2018.01.006 (2018).
- Die positiven Effekte der Natur für unser mentales und emotionales Wohlbefinden (Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie)
- Welche positiven Effekte regelmäßiger Waldspaziergänge Sie noch nicht kannten (24vita.de)
- Raus in die Natur! Wie ein Spaziergang unsere Verbundenheit zur Natur steigert und uns glücklich macht (Universität Zürich)
- Killerzellen: Wie das Immunsystem seine Abwehrtruppen auswählt (Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V.)
Das Thema in anderen Medien
- Podcast: WDR: Viel Zeit in der Natur macht zufriedener
- Oho! Magazin: Glücklich in der Natur
- Geo: Wie Bäume unser Immunsystem stärken
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