Zum Hauptinhalt springen

Neuer CEO und wenig KI: Hat die Kultmarke Apple ausgedient?

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Apple-Chef Tim Cook tritt nach 15 Jahren zurück. Die Zahlen stimmen zwar, doch nennenswerte Innovationen hat das ehemals wertvollste Tech-Unternehmen schon lange nicht mehr geliefert.


    • Tim Cook übergibt 2026 an John Ternus, nachdem er Apples Umsatz und Börsenwert vervielfacht hat.
    • Apple steht unter Druck, da Konkurrenten wie Nvidia und KI-Startups bei Künstlicher Intelligenz führend sind.
    • Künftiger Erfolg hängt stark von Apples Innovationen im Bereich Künstliche Intelligenz ab.
    • Tim Cook tritt am 1. September 2026 als CEO zurück, John Ternus übernimmt.
    • Börsenwert von Apple: 2011 bei 350 Mrd. USD, aktuell über 4 Billionen USD.
    • Jahresumsatz 2011: 108 Mrd. USD, im letzten Geschäftsjahr: 416 Mrd. USD.
    • “Project Titan” (Auto) wurde 2024 eingestellt, Vision Pro schwache Verkaufszahlen.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

MacBook, iPad, iPhone und iPod: Das sind nicht nur die Markennamen von Produkten, die viele von uns (noch) besitzen, es sind die Produkte, mit denen Apple den Markt der mobilen Endgeräte revolutioniert und geprägt hat. Was sie alle gemeinsam haben: Sie alle sind noch zu Lebzeiten von Apple-Gründer Steve Jobs entstanden. Unter seinem Nachfolger Tim Cook, der die Geschäftsführung kurz vor Jobs’ Tod im Jahr 2011 übernommen hat, hat diese Produktinnovation nachgelassen. Kann ein neuer CEO die radikale Innovation zurückbringen?

Umsatz vervierfacht

Tim Cook zieht sich nach dem Sommer aus der Geschäftsführung zurück. Am 1. September 2026 wird der langjährige Apple-Manager John Ternus CEO. Betrachtet man die Zahlen, hat Cook in den vergangenen 15 Jahren alles richtig gemacht. 2011 war Apple an der Börse noch 350 Milliarden US-Dollar wert, heute sind es mehr als vier Billionen Dollar. Der Jahresumsatz betrug 2011 108 Milliarden Dollar, im vergangenen Geschäftsjahr waren es 416 Milliarden Dollar. Auch die jüngsten Quartalszahlen bestätigen, dass Apple weiterhin auf Erfolgskurs ist.

Trotzdem stand Cook in den vergangenen Jahren immer wieder unter Kritik, weil er das Image des Visionärs, das Steve Jobs hatte, nicht replizieren konnte. Unter seiner Geschäftsführung sollte Apple sein erstes Fahrzeug auf den Markt bringen, 2024 wurde das als „Project Titan“ bekannte Vorhaben allerdings eingestellt. Das zweite große Hardware-Projekt, die Virtual-Reality-Brille Vision Pro, schaffte es zwar auf den Markt. Gerüchten zufolge könnte das Gadget jedoch aufgrund zu niedriger Verkaufszahlen eingestellt werden.

Druck von Nvidia und Startups

Auch wenn die Zahlen stimmen und die Marke Apple laut Studien noch immer die wertvollste der Welt ist, rückt die Konkurrenz immer näher. Lange war Apple der wertvollste Tech-Konzern, doch im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen von Nvidia überholt, und auch Alphabet ist aktuell mehr wert. Nvidia hat seinen Marktwert vor allem durch Investitionen in Künstliche Intelligenz erreicht – ein Bereich, in dem Apple derzeit wenig liefert.

Vergangene Woche sprach John Ternus erstmals vor Investor:innen und Analyst:innen über seine Pläne: „Wir haben eine unglaubliche Roadmap vor uns.“ Viel mehr verriet Ternus noch nicht. Der Konzern will eine neue Finanzpolitik verfolgen, die daraufhin deutet, dass künftig wieder mehr in Forschung und Entwicklung investiert wird. Gegenüber den Investor:innen betonte man, dass KI ein wichtiger Investitionsbereich sei.

Bei KI-Innovationen überholt

Die Tech-Innovationen der jüngeren Vergangenheit kamen in erster Linie durch Software, allen voran ChatGPT von OpenAI. Das Unternehmen ist vor dem geplanten Börsengang bereits 852 Milliarden Dollar wert. Konkurrent Anthropic soll sogar schon mehr als 900 Milliarden Dollar wert sein. Dessen KI-Tool Claude gewinnt derzeit wegen OpenAIs Nähe zur US-Regierung an Beliebtheit. Wenn die beiden KI-Start-ups in diesem Jahr tatsächlich an die Börse gehen, könnten sie in den kommenden Jahren zu den wertvollsten Unternehmen zählen. Falls Apple bis dahin keine nennenswerte KI-Innovation vorweisen kann, könnte das den Druck auf die Kultmarke erhöhen.

Ob Apple seinen Status zumindest halten oder wieder ausbauen kann, hängt also vor allem davon ab, was der Konzern im Bereich der Künstlichen Intelligenz liefert. Denn der virtuelle Assistent Siri ist mittlerweile 15 Jahre alt, und auch wenn die Funktionen weiterentwickelt wurden, kann das Tool nicht mit den großen KI-Apps mithalten. Doch auch bei den mobilen Endgeräten war Apple nicht der erste Player am Markt, sondern überzeugte die Konsument:innen vielmehr durch Branding und Nutzerfreundlichkeit.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Ähnliche Inhalte