Pedro Pascal wird im Internet gefeiert wie ein Heilmittel gegen alles Böse. Dabei ist er einfach nur ein netter Dude. Reicht das schon, um im Netz geliebt zu werden?
Narcos, Game of Thrones, The Fantastic Four. Meme-Star, Internet-Liebling, Everybody’s Darling: Die Rede ist von Pedro Pascal. Ein Schauspieler. Ein Dude.
- Kennst du schon?: Erzieht die Plattformen, nicht uns
Okay, für einen Internet-Hype und eine Hyperfixation bin ich gern zu haben. Aber was macht der Typ, dass das halbe Internet lahmgelegt wurde und alle einen kollektiven Herzinfarkt bekommen?
Er trägt bunte Hemden, lacht, legt den Arm um Kolleg:innen, ohne dass sie panisch zurückweichen. Er redet über mentale Gesundheit, spendet Geld. Und: Das Allergrößte, wofür er meiner Meinung nach den Friedensnobelpreis verdient, hat: Er hat es bislang geschafft, nicht wegen sexueller Übergriffe aufzufallen. Green Flag. Princess Treatment. Applaus bitte.
Bitte nicht falsch verstehen, das sind alles Dinge, die ich super finde. Sagen wir so: Herr Pascal wirkt sehr sympathisch. Der Typ Mann, den man den Eltern vorstellen würde, Freundinnen von Anfang an begeistert wären, weil er sicher tolle Witze parat hat, wahrscheinlich auch ein solider Liebhaber. Kurz gesagt: Er erfüllt das Female Gaze, wirkt untoxisch, aber noch dazu „männlich genug“. Kamma nix sagen. Aber mal ehrlich: Dass er für all das derart gefeiert wird, als hätte er ein Heilmittel gegen Krebs erfunden, ist absolut unverhältnismäßig. Er macht das absolute Minimum.
Wenn Normal schon Superkraft ist
Und genau das sagt etwas über unsere Gesellschaft: Freundlichkeit, Respekt und Unproblematischsein gelten schon als Superkräfte. Ein Mann, der einfach nicht furchtbar ist, wird zur Lichtgestalt erhoben. Wir feiern das Bare Minimum, während wir gleichzeitig Red-Flag-Chaos als Normalität akzeptieren.
Pedro Pascal ist nicht der Messias. Er ist einfach ein Dude. Aber genau das macht ihn zum perfekten Projektionsobjekt: In einer Welt, in der Kinder-Stars von ihren Chefs missbraucht werden, Männer Frauen vergewaltigen, misshandeln oder töten reicht es, nicht schrecklich zu sein, um Internet-Daddy-Status zu bekommen.
Pedro Pascal erfüllt diese Grundbedingung: kein Red-Flag-Mess-Up. Er ist freundlich und respektvoll. Deshalb fällt die kollektive Erleichterung so extrem aus, fast wie ein psychologischer Reflex: Wer sich normal verhält, wird gefeiert, weil man erleichtert ist, dass er kein Risiko darstellt.
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Infos und Quellen
Genese
Nora Schäffler versucht den kollektiven Internet-Hype um Pedro Pascal zu verstehen.
Daten & Fakten
- Man kennt Pedro Pascal aus Serien wie Narcos, Game of Thrones oder The Mandalorian.
- Medial fällt er positiv auf, weil der Schauspieler sich regelmäßig für LGBTQ+-Rechte einsetzt, er öffentlich seine Schwester, die trans ist, unterstützt und Solidarität mit der Community zeigt.
- Außerdem engagiert er sich für Geflüchtete und Immigrant:innen, spricht offen über Diskriminierungserfahrungen und fordert mehr Gleichberechtigung.
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- Kleine Zeitung: Pedro Pascal: Wie der Schauspieler Hollywood heimlich um den Finger gewickelt hat
- Kurier: Jeder liebt ihn: Was hinter dem Hype um Pedro Pascal steckt
- Tagesschau: Das Phänomen Pedro Pascal
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