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Britney, Bitch, Arnautović: Rangnick und das WM-Song-Chaos

6 Min
Gibt es jetzt zwei offizielle ÖFB-Songs zur WM oder nur einen?
© Illustration: WZ. Bildquellen: Wiki Commons, Adobe Stock.

Vor Monaten präsentierte der ÖFB seinen offiziellen WM-Song. Dann kam Ralf Rangnick ins Spiel – und jetzt, kurz vor dem Turnier, wurde ein ganz anderes Lied vorgestellt. Die Geschichte einer musikalischen Verwirrung.


    • Der ursprüngliche WM-Song „Wödmasta in Amerika“ von Frank Hoffmann alias FRÖNK stieß auf breite Kritik und Verwirrung.
    • Ralf Rangnick initiierte daraufhin einen neuen Song von Paul Pizzera, der nun als Team-Hymne gilt.
    • Offiziell gibt es laut ÖFB keine WM-Hymne, beide Songs werden jedoch im Stadion gespielt und unterschiedlich kommuniziert.
    • Österreich erstmals seit 28 Jahren wieder bei einer WM dabei
    • Zwei WM-Songs: “Wödmasta in Amerika” (FRÖNK) und “Stars and Stripes” (Paul Pizzera)
    • “Wödmasta in Amerika” entstand in Kooperation mit Tipp3, gesungen von Ex-Tipp3-Mitarbeiter Frank Hoffmann
    • Offizieller ÖFB-Song laut Verband: “Wödmasta in Amerika”; Pizzera-Song für Rangnicks Team
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Österreich ist erstmals seit 28 Jahren bei einer WM dabei, hat einen renommierten Trainer, super Kicker – da darf natürlich ein peppiger WM-Song nicht fehlen. Bereits im März dröhnte deshalb aus den Boxen des Ernst-Happel-Stadions der Titel: „Wödmasta in Amerika“. Und weiter: „Hipp, hipp, Hurra – schalalala“. Die Nummer klingt ein wenig, als wäre sie in den Neunzigerjahren eingefroren und nun wieder aufgetaut worden. Im Netz kam der Partypop-Titel jedenfalls nicht sonderlich gut an. „Was für ein mieses Lied ist das bitte?“, fragte ein User. „Grauenhaft“, „peinlich“, „bitte machts einmal was, das den Fans auch gefällt“, kritisierten andere. Laut WZ-Infos war der Song sogar ÖFB-Mitarbeitern peinlich, als es darum ging, ihn erstmals rund um eine Partie aufzulegen. „Am liebsten hätten wir ihn erst dann gespielt, wenn keiner mehr im Stadion ist“, erzählt einer.

Monatelang hat man von dem Schunkel-Gröl-Lied kaum noch etwas gehört. Und nun, kurz vor der WM, wurde gar ein gänzlich neuer ÖFB-Song präsentiert. So als hätte es nie einen anderen gegeben. Wer sich im Fußball-Bund in den letzten Wochen umhörte, bemerkte schnell, dass sich selbst die eigenen Mitarbeiter kaum noch auskannten. Gibt es jetzt einen offiziellen ÖFB-Song? Oder zwei? Und warum wird da so ein Geheimnis drum gemacht? Klar ist nur: Teamchef Ralf Rangnick hat mit der Sache etwas zu tun. Die WZ gibt Einblick in eine musikalische Verwirrung.

Fendrich, FRÖNK und Chaos

Eigentlich sollte „Wödmasta in Amerika“ die Österreicher bei der WM begleiten. Gesungen wird die Nummer von einem Mann, der sich FRÖNK nennt. Der Fußball-Bund, auch das lässt sich herausfinden, dürfte den WM-Song gratis erhalten haben. Denn FRÖNK, der eigentlich Frank Hoffmann heißt, war lange Marketing-Mitarbeiter von ÖFB-Sponsor Tipp3. ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold will auf WZ-Nachfrage keine Auskunft zur Finanzierung geben. Nur so viel: Der Titel entstand „in Kooperation mit unserem Partner Tipp3“.

Bei einem Werbedreh mit Rangnick habe Hoffmann mitbekommen, dass der Teamchef „einen WM-Song will – und das habe ich mir als Musiker nicht zweimal sagen lassen“, erzählte er in einem oe24-Interview im April. Er schlug das Lied dem ÖFB vor und erhielt prompt den Zuschlag.

Der Fußball-Bund hatte davor schon länger überlegt, wie er eine WM-Teilnahme musikalisch umrahmen könnte. Eine Hymne mit Rainhard Fendrich wurde angedacht. Immer wieder meldeten sich auch Künstler, die Vorschläge für einen WM-Song hatten. Nun schien der ÖFB froh, eine praktische Lösung gefunden zu haben.

Rangnick-Kritik

Im März wurde der „Wödmasta“-Titel auf der ÖFB-Instagram-Seite beworben und auch auf dem CD-Cover ist der Zusatz vermerkt: offizieller ÖFB-Song. Er hoffe darauf, erklärte FRÖNK, den Song gemeinsam mit den Nationalteam-Stars einzusingen, damit er es „in die Stadien nach Amerika schafft“.

Doch die Nationalspieler wollten partout nicht singen – und nach Amerika schafft es nun ein ganz anderer Titel. Denn Rangnick gefiel das Lied laut WZ-Informationen gar nicht. Weltmeister in Amerika? Trotz seines Optimismus: Das fand er irgendwie unangebracht albern.

Also rief Rangnick kurzerhand den Austropop-Star Paul Pizzera an, den er schon von anderen Projekten kannte, und bat ihn, doch eine coole Nummer zu komponieren. Eigentlich hat der Deutsche viel zu tun. Österreich auf die erste WM seit 28 Jahren vorbereiten, an den Spieltaktiken feilen, den Kader zusammenstellen. Doch auch die musikalische Untermalung schien ihn zu beschäftigen. Rangnick gilt als großer Austropop-Fan. Er mag den Schmäh, das Skurrile, das eigentümlich Österreichische. Schon öfter hatte er Verbesserungsvorschläge für die Playlist im Stadion. Nun wollte er auch eine standesgemäße WM-Hymne für sein Team. Und siehe da: Wenige Tage vor dem Abflug in die USA saß Rangnick mit einem breiten Grinsen vor der Presse und erklärte, dass es gleich etwas Cooles zu hören gebe: den neuen ÖFB-Song für die WM, von Paul Pizzera.

Britney, Bitch – und Arnautović

Der Titel – „Stripes and Stars“ – ist auf Englisch gehalten, klingt musikalisch ein wenig nach Kid-Rock aus den Nullerjahren. Und der Witz soll darin liegen, dass jeder ÖFB-Teamkicker mit einem Reim vorgestellt wird. You’ve got Kendrick Lamar, but we’ve got Alaba“, heißt es da etwa. Oder: „You may have Britney, Bitch, we’ve got Arnautović.“ Den Reimen wurden keine Grenzen gesetzt. Auch ein Pornostar ist Thema. „You may have Riley Reid, we’ve got Romano Schmid.“ Oder Politiker: „Well you’ve got J.D. Vance, but we’ve got Patrick Pentz.“ Teamchef Ralf Rangnick etwa wird auf den fiktiven Auftragskiller-Actionheld John Wick gereimt. Und auf The Undertaker folgt Chukwuemeka. Rangnick jedenfalls gefällts. „Paul ist, was das angeht, extrem kreativ“, lobt er. Im Netz poppte auch Kritik auf. „Einen Grammy gewinnt das Lied nicht“, heißt es etwa. Oder: „Da ist die KI kreativer“.

Ganz unabhängig von Musikgeschmäckern bleibt eine Frage: Gibt es jetzt zwei offizielle ÖFB-Songs zur WM oder nur einen? „Es gibt gar keine offizielle ÖFB-WM-Hymne“, sagt ein Verbandsmitarbeiter hinter vorgehaltener Hand. Und auch ÖFB-Geschäftsführer Neuhold betont; „Ich bin sehr vorsichtig damit, das Wort WM-Song zu verwenden“. Man sei aufgrund von FIFA-Richtlinien „gar nicht autorisiert, in Bezug auf die WM kommerzielle Themen zu verfolgen. Es gibt Songs des ÖFB, aber wir haben nie irgendwo kommuniziert, dass das offizielle WM-Songs sind.“ Es gebe bloß „zwei Projekte, die der ÖFB begleitet hat“, sagt Neuhold. Um dann zu betonen: Diese seien aber keinesfalls „konkurrenzierend zu sehen“.

Eigentlich, so ist aus dem ÖFB zu erfahren, wäre anfangs nur ein offizieller Song geplant gewesen. Tipp3 und FRÖNK sollen irritiert gewesen sein, dass auf einmal von Rangnick ein zweites Werk ins Spiel gebracht wurde. Zu den Unstimmigkeiten, die dem WM-Song-Tohuwabohu vorangingen, will man sich im ÖFB aber nicht äußern. Kein Kommentar, heißt es kurz und knapp.

Verwirrte Fans – und ÖFB-Lösung

FRÖNK, der seinen Titel mit dem Zusatz „offizieller ÖFB-Song“ fleißig in den sozialen Netzwerken bewirbt, wurde auf seiner Instagram-Seite zuletzt gefragt, ob „Wödmasta“ nun „doch der offizielle Song“ wäre, weil Fans ob der unklaren ÖFB-Kommunikation „verwirrt“ seien. FRÖNK antwortete prompt: „Ja, isser! Aber letztendlich entscheiden sowieso die Fans, welchen sie hören wollen!“

Im Stadion wurden zuletzt beide Songs gespielt. Und der konflikterprobte ÖFB hat auch schon eine passende Lösung gefunden. Auf WZ-Nachfrage heißt es, dass „Wödmasta in Amerika“ der offizielle ÖFB-Song sei. Und die Pizzera-Nummer als offizieller Song von Rangnicks Nationalteam firmiert. So einfach kann es also sein.

Gerald Gossmann verfasst alle zwei Wochen für die WZ eine kritische Fußballkolumne – er analysiert und kommentiert dabei die heißen Eisen der österreichischen Kickeria.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

  • ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold
  • ÖFB-Mitarbeiter und Involvierte, die namentlich nicht genannt werden wollen

Daten und Fakten

  • Fußball-Hymnen vor Weltmeisterschaften haben eine große Tradition. Zur WM 1998 sang Udo Jürgens gemeinsam mit den ÖFB-Nationalspielern um Toni Polster und Andreas Herzog den Song „Wunderknaben“. Einst gehörte es zum guten Ton, dass die Fußballer ihr Gesangstalent unter Beweis stellen. Heute verwehren sich die Kicker dagegen.
  • Der Fußball-Bund hat nach dem offiziellen ÖFB-Song „Wödmasta in Amerika“ nun knapp vor der WM unter dem Titel „Stars und Stripes“ noch einen offiziellen Song präsentiert.

Quellen

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