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Reparieren, Sleep, Repeat

3 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Der Reparaturbonus ist zurück – unter neuem Namen und mit weniger Geld. 2018 hätte man gesagt “auf wish bestellt”. Die neue, sogenannte “Geräte-Retter-Prämie” hat am 12. Jänner gestartet. Was ändert sich für die Konsument:innen?


Kennst du dieses Gefühl? Es geht etwas kaputt und der erste Impuls ist: neu kaufen. Und dann passiert etwas Unerwartetes. Man hält inne. Reißt sich zusammen. Repariert. Wow, look at me. Not like the others. Kein Konsumopfer. Die Verantwortungsvolle. In einer Zeit, in der alles jederzeit neu und billig verfügbar ist, fühlt sich Reparieren fast schon nach Commitment an. Selten fühle ich mich so erwachsen wie in Momenten, in denen ich etwas repariere und meinen Elektrogeräten so ein längeres Leben ermöglichen kann.

Reparieren wollen viele, tun weniger

Und hier wird es politisch. Laut einer internationalen Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen bleibt das Reparieren nämlich oft Theorie. Zwar haben 49 Prozent der Österreicher:innen im letzten Jahr ein Elektrogerät reparieren lassen, doch Länder ohne Reparaturbonus – etwa Italien mit 61 Prozent – liegen deutlich vor uns.
Über 60 Prozent empfinden Reparaturen als zu teuer. Akzeptabel sind sie nur, wenn sie maximal 15 bis 20 Prozent des Neupreises kosten.

Was war nochmal der Reperaturbonus?

Die Idee war simpel und ziemlich gut: Wenn zu Hause etwas kaputt geht, soll es nicht wehtun, es reparieren zu lassen. 2022 führte Klimaministerin Leonore Gewessler den Reparaturbonus ein: 50 Prozent Zuschuss, bis zu 200 Euro pro Gerät. Ziel: Klima schützen, Elektroschrott reduzieren, lokale Betriebe stärken. Nachhaltigkeit plus Wirtschaftsförderung. Absoluter Slay.

Das Programm wurde intensiv genutzt, die EU-Fördermittel waren irgendwann aufgebraucht – und damit der alte Bonus Geschichte. Kritik gab es trotzdem. Der Reparaturbonus sei weniger Waschmaschine, mehr Rennrad gewesen. Bobos und Hipster, die sich mit Matcha und Mate dopen, wollten auch ihre High-Performer-Rennräder aufpimpen – finanziert vom Staat. Eigentlich, so der Vorwurf, sei der Bonus für kaputte Alltagsgeräte gedacht gewesen.

Ich finde: Das greift zu kurz. Der Bonus stand allen zu, das war das Versprechen, und ob ich meine Waschmaschine oder mein Rennrad damit repariere, ist fürs Klima ziemlich egal. Und: Jeder Euro, der nicht in Neuware, sondern in die Werkstatt von nebenan fließt, stärkt lokale Betriebe.

New year, New Branding

Seit Jänner 2026 heißt der Bonus nun Geräte-Retter-Prämie. Was erstmal klingt, als hätte man eine neue Werbeagentur für ein Rebranding beauftragt, heißt auch neue Regeln: Die Regeln: weiterhin 50 Prozent Förderung, aber nur noch bis maximal 130 Euro. Gefördert werden Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Gesundheits- sowie Unterhaltungs- und IT-Elektronik. Smartphones und E-Bikes sind raus. Ausgerechnet jene Geräte, die wir am häufigsten ersetzen – und über die wir am liebsten sudern, wenn es um Elektroschrott geht.

Das heißt?

Der ursprüngliche Sinn des Reparaturbonus, also Klima schützen, lokale Wirtschaft stärken, Wegwerfmentalität brechen, wird in der abgespeckten Version nur noch teilweise erfüllt. Klar, der Staat spart Geld. Aber eine echte Reparaturkultur entsteht nicht durch kleinere Zuschüsse allein. Sondern durch leistbare Reparaturen, einfache Abläufe – und vielleicht durch ein bisschen weniger Matcha-Moral und ein bisschen mehr tatsächliches Reparieren. Mal sehen, wie sich das Reparaturverhalten von uns Österreicher:innen verändern wird.

Alle Infos zur neuen Förderung gibt’s auf Geräte-Retter-Prämie.at.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Der ursprüngliche Reparaturbonus wurde im April 2022 gestartet und bis Mai 2025 angeboten. In dieser Zeit wurden rund 1,7 – 1,8 Millionen Gutscheine, bzw. Bons eingelöst.
  • Beim alten Reparaturbonus wurden 50 % der Reparaturkosten übernommen, maximal 200 € pro Gerät. Beim neuen Modell Geräte-Retter-Prämie (ab 12. Jänner 2026) beträgt die Förderung weiterhin 50 %, aber nur mehr bis maximal 130 € pro Gerät.
  • Im neuen Modell werden E-Bikes, Handys sowie Luxus/Wellness und Unterhaltungsgeräte nicht mehr gefördert – der Fokus liegt nun stärker auf klassischen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken oder Staubsaugern.
  • Für die Geräte-Retter-Prämie sind vom Bund rund 30 Millionen € pro Jahr (für 2026–2028) budgetiert, während beim Reparaturbonus insgesamt etwa 130 Mio. € aus EU-Aufbau und 124 Mio. € an nationalen Mitteln zur Verfügung standen.

Quellen

Das Thema in der WZ

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