Donald Trumps Team nutzt auf Social Media derzeit vermehrt Songs von weiblichen Pop-Ikonen. Während Taylor Swift wieder einmal stumm blieb, wehrte sich Sabrina Carpenter – und das ist auch gut so.
„Dieses Video ist bösartig und ekelhaft“: Das schrieb Superstar Sabrina Carpenter kürzlich unter einem Clip des Weißen Hauses, der die US-Einwanderungsbehörde ICE promoten sollte und Szenen von echten Abschiebungen zeigte. „Nutzt mich oder meine Musik nie mehr zum Vorteil eurer unmenschlichen Agenda“, schrieb sie weiter.
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Das tat sie, weil das Video mit ihrem Song „Juno“ unterlegt war, ein witziger, in bester Sabrina-Manier zweideutiger Song über Sex. Diese Songauswahl wirkt erstmal total random, scheint aber System zu haben: In letzter Zeit nutzen die Social-Kanäle von Donald Trump immer wieder Pop-Songs von Künstler:innen, die meist ganz klar nichts mit Trump und seiner Agenda zu tun haben wollen. Vor Kurzem waren es Olivia Rodrigo und Taylor Swift, nun war es eben Sabrina Carpenter. Ihr Kommentar wirkte, das Video wurde gelöscht.
Taylor Swifts Schweigen polarisiert
Taylor traf es besonders hart – gleich drei Songs ihres jüngsten Albums wurden vom Weißen Haus beziehungsweise dem Kanal „Team Trump“ verwendet, um heroische Bilder zu untermalen. Und es war ihr besonders egal: Sie postete kein Statement und ließ die Songs im Gegensatz zu Olivia Rodrigo nicht entfernen (ja, das geht, wenn man die Rechte daran besitzt). Diese Stille reiht sich in eine Folge von Ereignissen ein, die unter Swifties in den vergangenen Monaten für Kontroversen sorgte (und die ihr hier genauer nachlesen könnt). Denn während es noch nicht allzu lange her ist, dass Taylor sich ganz klar politisch positionierte, sieht die Sache mittlerweile anders aus.
In dieser Debatte fällt von leidenschaftlichen Swifties oft das Argument, dass Taylor sich angesichts ihres Mega-Star-Status und der damit einhergehenden Gefahr nicht mehr politisch äußern könne, ohne direkt zu riskieren, wie der rechte Politiker Charlie Kirk zu enden. Schließlich ging Taylor nach dessen Ermordung hinter einer tragbaren, schusssicheren Wand ins Stadion, um ihrem Verlobten Travis Kelce bei einem Spiel zuzusehen, sind Fans überzeugt.
https://x.com/Jamie_Maz/status/1985352516150686198
Das Argument muss man bis zu einem gewissen Grad gelten lassen. Und man muss auch sehen, dass Taylor Swift von allen Superstars vermutlich am strengsten beäugt und am meisten gehasst wird. Fakt ist aber auch, dass Weltstars wie Lady Gaga oder Beyoncé es schaffen, sich zu positionieren. Und auch neuere Icons wie Sabrina Carpenter kriegen es hin.
Trump will Teil der Popkultur sein – und greift damit einen Safer Space an
White-House-Sprecherin Abigail Jackson reagierte auf Sabrina Carpenters viralen Kommentar und sagte in einem Statement in Anspielung auf ihr Album: „Here’s a Short n’ Sweet message for Sabrina Carpenter“, gefolgt von einer Botschaft voller rassistischer und anderweitig problematischer Äußerungen. Jackson schließt das Statement mit: „Anyone who would defend these sick monsters must be stupid, or is it slow?“. Die abschließende Frage ist eine Songzeile aus Carpenters Hit „Manchild“.
Diese neue Social-Strategie von Donald Trump und seinem Team zielt ganz klar darauf ab, Trump Einzug in Popkulturdebatten zu verschaffen – egal, ob auf positive oder negative Weise. Das zeigt nicht nur die umstrittene Songauswahl, sondern auch das Wording in Jacksons Statement.
Das funktioniert, wie Fan-Reaktionen, zahllose Artikel und auch diese Kolumne zeigen. Bitte nicht falsch verstehen: Popmusik ist keineswegs unpolitisch und sollte es auch nicht sein, wie der Backlash auf Taylor Swifts Schweigen und der Applaus für Sabrina Carpenter zeigen. Aber es ist doch perfide, dass menschenverachtende Ideologien so Teil eines Kosmos werden, der eigentlich ein identitätsstiftender Raum zur Entfaltung und ein Safer Space für Frauen, Mädchen und queere Menschen ist. Umso wichtiger ist es, dass die großen Ikonen dieser Spaces laut werden und ihren Einfluss nutzen.
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