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Satellitendaten zeigen: So heiß wird dein Grätzl wirklich

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Satelitendaten zeigen: Das sind Wiens Hitze-Hotspots
© Illustration: WZ, Bildquelle: Pexels

Während der Hitzewelle Ende Juni dieses Jahres erreichte die Temperatur in Wien ein tödliches Rekordhoch von 40 Grad Celsius. Doch die Bodentemperatur in der stark asphaltierten Stadt überstieg den Wert drastisch.


    • Europa erlebte im Juni 2026 eine extreme Hitzewelle mit Rekordtemperaturen und 10.000 zusätzlichen Todesfällen laut European Mortality Monitoring.
    • In Wien führten versiegelte Flächen zu Hitzeinseln mit Bodentemperaturen bis fast 50°C, Tropennächte nehmen deutlich zu.
    • Wien setzt auf Begrünungsmaßnahmen, doch laut Grünen reichen diese nicht aus; sie fordern das 3-30-300-Modell und mehr Straßenbäume.
    • Ende Juni 2026: 200 Mio. Menschen in Europa über 35°C, 10.000 Hitzetote mehr
    • Wien: Bodentemperaturen bis fast 50°C, nachts nicht unter 27°C
    • Wien investierte 100 Mio. Euro in 344 Begrünungsprojekte, 85.000 m² entsiegelt, die Hitzehotspots bleiben aber
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Es ist Ende Juni 2026, seit mehr als zehn Tagen drückt die Hitzewelle unermüdlich auf ganz Europa. Auf dem ganzen Kontinent waren rund 200 Millionen Menschen Temperaturen von über 35 Grad ausgesetzt. Die Folgen waren gravierend: Europaweit starben laut European Mortality Monitoring (EuroMomo) 10.000 Menschen mehr als sonst um diese Jahreszeit.

Und die Temperaturen stiegen weiter. Tschechien verzeichnete mit 41,9 Grad Celsius den höchsten Wert seit Aufzeichnungsbeginn. Deutschland meldete ein Rekordhoch von 41,8 Grad und in Frankreich wurde der europäische Rekord von 43,8 Grad gemessen. Über 40 Grad zeigte auch das Thermometer in der Inneren Stadt Wien – gemessen in der Luft.

Aussagekräftiger sind jedoch die Temperaturen im Boden. Denn gerade auf versiegelten Flächen staut sich die Hitze besonders stark. In Beton, Stein und Asphalt speichern die einfallenden Sonnenstrahlen die Wärme. Es entstehen sogenannte Hitzeinseln, welche im Schnitt um 10 Grad wärmer sind als die Temperaturen in der Luft.

Betonwüste: Wo sich Hitze staut

Wie heiß es in Wien wird, zeigen Satelliten. Mithilfe von Infrarotsensoren messen sie die Temperaturen auf der Erdoberfläche und damit auch die im Asphalt gespeicherte Wärme. Die WZ hat die Satellitenbilder vom 30. Juni dieses Jahres ausgewertet: Bei einer Lufttemperatur von 36 Grad blieben die Bodentemperaturen im bewaldeten Westen bei rund 32 Grad Celsius. Weitaus heißer wurde es auf den stark versiegelten Flächen. In der Innenstadt, im Industriegebiet Siebenhirten (Bezirk Liesing) und in den Bezirken nördlich der Donau stiegen die Temperaturen stellenweise auf fast 50 Grad – die Hitzeinseln der Bundeshauptstadt.

Tropennächte sind besonders belastend

Doch nicht nur die extreme Hitze am Tag machte den Wiener:innen im Juni zu schaffen, gerade die Hitze in der Nacht gilt als besonders belastend. Sogenannte Tropennächte werden häufiger, da Straßen, Häuser und versiegelte Flächen in den Städten die tagsüber getankte Wärme wieder in die Luft abgeben. In Wien fiel das Thermometer auch nachts nicht unter 27 Grad Celsius.

Die Folgen: Der Körper kann in seinen natürlichen Ruhephasen schlechter abkühlen, was ihn unter dauerhaften Hitzestress setzt. Dieses Jahr gab es mit Juli bereits 14 solcher Tropennächte – mehr als fünfmal so viele wie im Jahresdurchschnitt 1961 bis 1990 (2,5 Nächte). Im Zeitraum 2020 bis 2025 lag der Jahresdurchschnitt bei 13 Tropennächten.

Wie hoch die Zahl dieses Jahr noch steigen wird, ist ungewiss. Aufgrund des menschengemachten Klimawandels geht der klimatologische Wetterdienst GeoSphere Austria davon aus, dass wir immer öfter extremer Hitze ausgesetzt sein werden. „Nicht nur die Wahrscheinlichkeit einzelner Rekordtage nimmt zu, auch die besonders belastende Kombination aus langer Dauer, sehr heißen Tagen und warmen Nächten“, schrieb GeoSphere Austria Anfang Juli.

Wien will sich rüsten

Bereits 2015 reagierte Wien – damals noch Koalition SPÖ und Grüne – auf die Eindämmung der Hitzeinseln. Der „Urban Heat Islands Strategieplan Wien“ zielt auf die Abkühlung der Stadt durch mehr Grün- und Wasserflächen, die Erhaltung der Kaltluftschneisen aus dem Umland, entsiegelte Oberflächen, den Ausbau des Straßenbaumbestands sowie auf Fassaden- und Dachbegrünung.

2021 legte Wien mit „Raus aus dem Asphalt“ nochmal nach. Rund 100 Millionen Euro an Förderungen investierte das Vorzeigeprojekt der damaligen Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) in 344 Entsiegelungs- und Begrünungsprojekte. Und zwar in allen 23 Bezirken, wie es gegenüber der WZ aus dem Büro des heutigen Umweltstadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ) heißt. Laut eigener Angabe wurden in Wien dadurch 85.000 Quadratmeter Asphaltfläche entsiegelt, 2.000 Quadratmeter Wasserspiele geschaffen und rund 3.300 Bäume im Straßenraum gepflanzt. Die Frage, warum Wien die Erfolge des Hitzeaktionsplanes in Quadratmeter und nicht in gesenkter Temperatur kommuniziert, blieb jedoch unbeantwortet.

Grüne fordern 3-30-300-Modell

Für die Grünen Wien gehen die Maßnahmen der Stadtregierung gegen die zunehmende Hitze nicht weit genug. „Die SPÖ will Milliarden in einen Tunnelbau durch ein Naturschutzgebiet investieren, während sie Projekte wie die Gumpendorfer Straße, die mehr Grün und Abkühlung bringen, streicht“, heißt es gegenüber der WZ aus dem Grünen Klub Wien.

Als Vorbild verweisen die Grünen auf das international etablierte 3-30-300-Modell. Es sieht vor, dass jede Person von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen kann, jedes Stadtviertel zu mindestens 30 Prozent von Baumkronen beschattet ist und die nächste Grünfläche höchstens 300 Meter entfernt liegt.

Um dieses Ziel zu erreichen, brauche Wien rund 100.000 zusätzliche Straßenbäume. „Mit der im Regierungsprogramm vorgesehenen Zahl an jährlichen Baumpflanzungen würde es noch 25 Jahre dauern, bis die angestrebten 30 Prozent erreicht sind“, sagen die Grünen gegenüber der WZ.

Wien hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Das Büro von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont gegenüber der WZ jedoch, dass die Umsetzung dieses Vorhabens in vielen Bereichen von bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen abhänge.

Die Stadt fordert daher ein stärkeres Klimaschutzgesetz mit einem „fixen Ausstiegsdatum aus fossiler Energie“. Zudem seien auch Änderungen im Mietrechtsgesetz erforderlich. Damit Mieter:innen auch thermische Sanierung wie den Ausbau von Fernwärme einfordern können.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Pedram Seidi, Mediensprecher – Büro des Stadtrats Jürgen Czernohorszky, Klima, Umwelt, Demokratie und Personal
  • Martina Powell, Grüner Klub im Rathaus Wien

Daten und Fakten

  • Die Satellitenbilder stammen aus dem Portal des USGS EarthExplorer, einer webbasierten Plattform des United States Geological Survey, welcher den Zugriff auf ein Archiv an Satellitenbildern, Luftaufnahmen und Höhendaten ermöglicht.
  • Für Wien wurde die Luftaufnahme vom 30. Juni 2026 verwendet – Landsat 8-9 Operational Land Imager / Thermal Infrared Sensor Level-2, Collection 2.
  • Die Aufnahme weist ein Raster von 30 mal 30 Metern auf, welcher auf die Zählsprengel Wien zugeschnitten wurde. Für jedes Zählsprengel wurde die durchschnittliche Temperatur bestimmt.
  • Mit dem „Urban Heat Islands - UHI-STRAT Wien“ konzipierte die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) 2015 gemeinsam mit der BOKU Wien mehr Grün- und Wasserflächen in der Stadt, die Erhaltung von Kaltluftschneisen aus dem Umland, hellere und entsiegelte Oberflächen, den Ausbau des Straßenbaumbestands sowie Fassaden- und Dachbegrünung.
  • Das European Mortality Monitoring (EuroMomo) erhebt Daten zur Sterblichkeit in Europa. Es wird von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt.
  • Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen ab 65 Jahren, Säuglinge und Kleinkinder sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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