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Seit einem halben Jahr kein Gas: Mieter:innen kämpfen weiter

6 Min
Immer noch kalt in der Paulusgasse
© Illustration: WZ

In der Paulusgasse 5 im dritten Bezirk Wiens frieren manche Mieter:innen seit mehr als einem halben Jahr. Der Umbau zur Luxusimmobilie steht still. Kommt es bald zur Zwangsverwaltung?


    • Mieter:innen in der Paulusgasse 5 leben seit über einem halben Jahr ohne Gas und Warmwasser.
    • Die Eigentümerin strebt Luxussanierungen an, während Altmieter:innen von Schikanen, Bedrängung und schlechten Zuständen berichten.
    • Behörden und Gerichte sind eingeschaltet, doch die Wiederherstellung der Gasversorgung verzögert sich weiterhin durch Einsprüche.
    • Seit Oktober 2025 kein Gas in der Paulusgasse 5, 1030 Wien
    • Bauarbeiten seit Wochen stillgelegt, Firma Lin B&A GmbH seit März 2026 insolvent
    • Schlichtungsstelle MA 50 entschied im März 2026 für Wiederherstellung der Gasversorgung
    • Baupolizei stellte Ende Jänner 2026 Mängel wie Leitungsgebrechen und Wasserschäden fest
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Im Innenhof türmt sich ein Berg aus Bauschutt. Wohnungen sind verbarrikadiert, Fenster eingeschlagen. Eigentlich sollten hier emsige Bauarbeiten stattfinden: Das Mehrparteienhaus sollte saniert, das Dachgeschoß ausgebaut werden. Doch die Baustelle steht seit Wochen still. Auch das Baugerüst an der Straße wurde abgebaut.

Nur noch wenige Mieter:innen sind in der Paulusgasse 5 im dritten Wiener Bezirk geblieben – trotz der untragbaren Zustände. Seit über einem halben Jahr haben sie kein Gas zum Heizen, kein Warmwasser zum Duschen. „Diese Dauerkälte bekommst du aus deinem Körper nie richtig raus“, sagt Mieterin Lisa, die ihren echten Namen an dieser Stelle nicht lesen will.

Die WZ berichtete im vergangenen November über die Paulusgasse 5. Die Hauseigentümergesellschaft, die ST 3 Paulusgasse GmbH, will den Altbau zu Luxuswohnungen umbauen. Die Altmieter:innen werfen ihr vor, dass sie aus ihren Wohnungen rausgeekelt werden. Sie berichteten der WZ von „neuen Bewohner:innen“, die sie bedrängen, von Ratten, Mängeln auf der Baustelle und Polizeikontrollen.

Nach wie vor kein Gas

Gas zum Kochen und Heizen gibt es bis heute nicht. Obwohl die Schlichtungsstelle der Stadt Wien (MA 50) im März entschieden hat, dass die Gasversorgung wieder hergestellt werden muss. Doch die Entscheidung erlangte keine Wirkung, weil die Eigentümerin Einspruch erhob. Nun muss das Bezirksgericht Innere Stadt entscheiden, ob die Gasleitung saniert wird.

„Reine Schikane“, sagt Lisa. Den ganzen Winter über kämpfte sie vergeblich um Warmwasser. Trotz der von der Hausverwaltung zur Verfügung gestellten Heizgeräte wurde ihre Wohnung nie warm. Sie duscht bis heute bei Verwandten.

Wie lange das noch weitergeht? „Das Verfahren beginnt de facto von vorne, also wird alles noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Petra Egger von der Mieter-Interessens-Gemeinschaft Österreichs (MIG), die die Bewohner:innen bereits seit Längerem unterstützt.

Es ist ruhig in der Paulusgasse
Ende April 2026 – es ist gespenstisch ruhig in der Paulusgasse 5
© WZ

Mieter:innen: „Wir haben Angst bei Nacht“

Für die Bewohner:innen kam die erste Überraschung kurz nach Baustart im vergangenen Jahr. Sie fanden ihre unbefristet gemieteten Wohnungen plötzlich als „Erstbezug“ in Onlineinseraten. Erst nach einer WZ-Anfrage wurden diese wieder entfernt.

Zudem beklagen die Bewohner:innen, dass sich der Zustand im Haus seitdem verschlechtert. Der Bauführer stellte den Arbeitern leerstehende Wohnungen im Haus zur Verfügung, bald darauf fühlten sich die Altmieter:innen bedrängt.

Der WZ wurden Fotos zugespielt, die zeigen, wie die Bauarbeiter gegen Türen treten, auf Mülltonnen herumspringen und wie sie nachts auf dem Baugerüst vor den Schlafzimmerfenstern der Altmieter:innen stehen. Viele trauen sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus den Wohnungen.

Weitere Videos zeigen Ratten, die in der Baugrube nach Essen suchen, und Bauarbeiter, die den Bauschutt ungesichert aus dem Fenster werfen. In einem anderen Video schlägt jemand mit einem Vorschlaghammer ein Fenster ungesichert aus der Mauer.

Christian Wagner-Zimmermann, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, wies die Vorwürfe damals zurück. Die Arbeiter würden gute Arbeit leisten, erklärte er auf Anfrage. Die Störenfriede habe man des Hauses verwiesen. Beschwerden der Mieter:innen führte er unter anderem auf „eine ordentliche Portion Rassismus“ zurück.

Im Oktober 2025 wurde dann die Gasversorgung aus Sicherheitsgründen. Lisas Wohnung zählt zu jenen, die bis heute keine Versorgung haben. Auf eine aktuelle Anfrage der WZ heißt es in einem Anwaltsschreiben, das Gas werde sehr wohl bereitgestellt – „nämlich in jenen Bereichen, in denen dies technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar ist“. Der Teil des Hauses, in dem sich Lisas Wohnung befindet, gehört nicht dazu, weshalb man ihr Anfang dieses Jahres auch eine Stromheizung einbauen wollte.Auch die Hausverwaltung schilderte dies der WZ.

WZ des Grundstücks verwiesen

Anfang Februar sollte die Magistratsabteilung 25 (Technische Stadterneuerung) deshalb klären, ob für die betroffenen Wohnungen eine Stromheizung eingebaut werden kann – was für die Mieter:innen aber deutlich höhere Kosten bedeuten würde.

„So viel Betrieb haben wir hier noch nie erlebt“, sagte Egger von der MIG damals, während Bauarbeiter Bauschutt aus dem Dachgeschoß zu den Müllcontainern trugen.

Auch die WZ war an jenem Februarmorgen vor Ort, wurde aber noch vor Beginn der Besichtigung von Wagner-Zimmermann des Grundstücks verwiesen. Die Berichterstattung sei „zu einseitig“, teilte er der WZ mit.

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Gleichzeitig legte die MIG ein Verfahren auf Instandsetzung der Gasleitung ein – mit Erfolg: Die Schlichtungsstelle MA 50 gab ihr recht, die Gasleitung muss saniert werden. Doch gegen diese Entscheidung legte die Hausverwaltung für die Eigentümer wiederum Einspruch ein.

Bezirk sind die Hände gebunden

Aus dem Büro des Bezirksvorstands Erich Hohenberger (SPÖ) heißt es heute, man sei „sehr betroffen über die Zustände in diesem Haus und die unmenschliche Vorgehensweise der Eigentümer“.

Die Bezirksvertretung teilt mit, sie habe alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft, um den Mieter:innen zu helfen. Im Zuge mehrerer Kontrollen durch verschiedene Magistratsabteilungen – darunter Gesundheitsdienst, Gewerbetechnik und Feuerpolizei sowie Baupolizei (MA 15, 36 und 37) – seien nicht nur behördliche Schritte gesetzt worden, sondern bei entsprechenden Verdachtsmomenten auch Finanz- und Bundespolizei eingeschaltet worden.

Dennoch seien die Handlungsspielräume begrenzt. Auf privatrechtliche Mietverhältnisse könne der Bezirk keinen Einfluss nehmen – insbesondere dann nicht, wenn die Angelegenheit bereits gerichtlich anhängig ist, heißt es aus dem Büro des Bezirksvorstehers.

Für Georg Prack, Klubvorsitzender der Grünen Wien, ist der Fall längst nicht mehr Bezirkssache. „Diesen Spekulanten muss endlich das Handwerk gelegt werden“, sagt er. Die Stadt müsse Instrumente wie die Zwangsverwaltung konsequenter einsetzen; Prack verweist auf das Stadterneuerungsgesetz sowie die Möglichkeit einer Enteignung. „Damit könnte die Gemeinde die Immobilie ein für alle Mal aus den Fängen der Spekulanten befreien und sie an Wiener Wohnen oder einen gemeinnützigen Bauträger übertragen. Ein Befreiungsschlag für die betroffenen Mieter:innen“, so Prack.

Stillstand

Ob und wann die Gasversorgung tatsächlich wiederhergestellt wird, ist für die verbleibenden Mieter:innen weiterhin unklar. Seitens der ST 3 Paulusgasse GmbH heißt es gegenüber der WZ, man arbeite an einer „technisch und wirtschaftlich nachhaltigen Lösung“. An einer Fertigstellung im Jahr 2027 halte man fest. Weitere Anfragen sowie eine Antwort der Hausverwaltung blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Ein Kran für den Dachgeschoßausbau fehlt jedoch bis heute – obwohl die Wohnungen zum Teil bereits verkauft wurden. Verzögerungen seien auf „externe Umstände“, insbesondere die Insolvenz eines beteiligten Unternehmens, zurückzuführen, so die Antwort der Eigentümerin. Denn die am Bau beteiligte Firma Lin B&A GmbH ist seit März 2026 insolvent. Laut Anwaltsschreiben wurden auch die Verträge mit jenen Arbeitern, die während der Bauphase leerstehende Wohnungen genutzt hatten, „zwischenzeitig beendet“.

Ende Jänner stellte die Baupolizei erneut mehrere Mängel fest – darunter Leitungsgebrechen, Wasserschäden und unzureichende Baustellensicherung. Betroffene Wohnungen wurden daraufhin versiegelt, im Innenhof mussten zusätzliche Absperrungen errichtet werden.

Dort bleibt der Schutthaufen unangetastet. Die Baustelle liegt brach. Altmieterin Lisa will bleiben und weiterkämpfen. „Jetzt, wo es langsam wärmer wird, müssen wir zwar weniger heizen“, sagt Lisa. „Aber dafür kommen die Ratten wieder.“


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Christian Wagner-Zimmermann, Geschäftsführer ST 3 Paulusgasse GmbH
  • Bewohner:innen und Anrainer:innen der Paulusgasse 5
  • Magistratsabteilung 25 – Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser
  • Magistratsabteilung 37 – Baupolizei
  • Magistratsabteilung 50 – Wohnbauförderung und Schlichtungsstelle für wohnrechtliche Angelegenheiten
  • Georg Prack, Klubobmann Grünen Wien
  • Petra Egger, Mieter-Interessens-Gemeinschaft Österreichs (MIG)
  • Büro der Bezirksvorstehung Landstraße
  • BS Real 360 GmbH, Hausverwaltung der Paulusgasse 5

Daten und Fakten

  • Im November 2025 berichtete die WZ, dass die Bewohner:innen der Paulusgasse 5, 1030 Wien, seit Oktober kein Gas mehr haben. Die Bewohner:innen werfen dem Hauseigentümer Schikane vor.
  • Laut Altmieter:innen sollen sie für ein Luxusprojekt weichen. Ihre Wohnungen waren bereits als „Erstbezug“ online inseriert.
  • Die Website des Immobilienprojekts stellte die unbefristet vermieteten Wohnungen nach WZ-Anfrage offline.
  • Eigentümerin der Paulusgasse 5 ist die ST 3 Paulusgasse GmbH. Christian Wagner-Zimmermann ist deren Geschäftsführer.
  • Für das Immobilienprojekt verantwortlich ist unter anderem die Pau 5 GmbH. Seit Jänner 2026 ist Christian Wagner-Zimmermann nicht mehr deren Geschäftsführer.
  • Generalunternehmer/Baumeister war die Lin B&A GmbH. Gegenüber der WZ geht sie davon aus, dass beim Fensterwurf des Bauschutts sämtliche sicherheitsrechtlich relevanten Vorgaben eingehalten wurden, indem (die Baugrube) baulich abgesperrt und für Unbefugte unzugänglich gemacht wurde. Die WZ konnte das Wohnhaus zum Zeitpunkt des Fensterwurfs jedoch uneingeschränkt betreten.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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