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Shop till you drop – auch am Sonntag?

3 Min
"It’s Giving Politics" ist der Titel der neuen Kolumne von Chiara Swaton und Nora Schäffler. Darin schreiben sie im wöchentlichen Wechsel über politische Themen.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Viele Menschen würden gern auch sonntags einkaufen, insbesondere die Gen Z. WZ-Redakteurin Chiara über die jahrzehntelange Debatte zu Ladenöffnungszeiten.


Sonntag, 17 Uhr. Ich schlendere durch die Wiener Innenstadt. Mein Iced Coffee To-go ist längst leer, mein Kühlschrank daheim auch. Was könnte ich zu Abend essen? Ich habe Lust auf Pasta und Salat. Dafür müsste ich aber extra zum Supermarkt am Bahnhof fahren. Keine Lust. Ich bin Halbitalienerin, die Familie meines Vaters lebt in einer Kleinstadt im südlichen Apulien. Dort bin ich es gewohnt, dass auch sonntags die Läden geöffnet haben: Supermärkte, Apotheken, Boutiquen.

In Österreich ist der siebte Tag der Woche Ruhetag. Geschäfte dürfen sonntags nur unter bestimmten Ausnahmen öffnen, etwa Bäckereien, oder wenn es sich um eine Tourismuszone handelt. In Wien gibt es offiziell keine solche Zone – geöffnet haben Supermärkte und Geschäfte am Bahnhof, Tankstellenshops, Souvenirläden – und natürlich die Gastronomie.

Doch laut einer neuen Studie der Linzer Johannes-Kepler-Universität wollen 63 Prozent der Wiener:innen ab und zu sonntags einkaufen gehen, bei der Gen Z (Jahrgänge 1997 bis 2012) sind es sogar 74 Prozent. Und auch in den anderen Bundesländern liegt der Schnitt bei immerhin 48 Prozent.

Flexibilität is king

Ich verstehe es ja. Wir kennen es vom Urlaub in anderen europäischen Ländern, wir kennen es vom Onlinehandel – der hat sowieso 24/7 geöffnet. Warum also nicht auch der Laden ums Eck? Für viele junge Menschen wäre es einfach praktischer: Wer unter der Woche studiert und am Samstag im Nebenjob eingespannt ist, hat oft nur am Sonntag Zeit für Erledigungen.

Und könnten Sonntagsöffnungen nicht auch einen wirtschaftlichen Push für Geschäfte und kleine Läden bedeuten? Naja, nicht ganz, wenn es nach der Gewerkschaft und dem Handel selbst geht.

Der Kuchen wird nicht größer

„Sonntagsarbeit bringt nicht mehr Geld, sie verschiebt nur die Gewinne“, so das zentrale Argument der Gewerkschaft GPA. Eine Couch werde nicht zweimal gekauft, nur weil ein Laden öfter offen hat. Außerdem wollen über 90 Prozent der Handelsangestellten laut GPA am Sonntag nicht arbeiten.

Auch Händler:innen wie der Juwelier Klaus Weikhard aus Graz betonen gegenüber dem ORF Steiermark: Der Sonntag sei wichtig für die Familie, für die Erholung und für die Lebensqualität. Das klingt nachvollziehbar. Für kleinere Läden ist ein Sonntagsbetrieb sowieso schwerer umsetzbar, weil Gehaltszuschläge und Kosten für die Logistik den Umsatz schnell übersteigen.

Und die Wirtschaftskammer? Die ist in der Sache eher zurückhaltend: Bevor man über eine Sonntagsöffnung entscheidet, müssten Vor- und Nachteile genau geprüft werden, heißt es laut dem ORF Steiermark in einer Aussendung.

Die Sonntagsfrage

Ich sehe beide Seiten. Die Gen Z liebt Flexibilität. Und spontan am Sonntag einkaufen zu können, klingt verlockend. Vielleicht liegt die Lösung aber nicht im „Alles oder Nichts“. Wie wäre es mit flexiblen Teilöffnungszeiten, etwa nur am Vormittag? Kleinere Läden könnten vielleicht auch kooperieren und abwechselnd Sonntagsdienste organisieren.

Die eigentliche Frage lautet: Wie kann Sonntags-Shopping für alle passen – für uns Kund:innen und für die Menschen, die hinter der Kassa stehen?

In "It's giving politics" schreiben WZ-Redakteurinnen Nora Schäffler und Chiara Swaton über politische Themen.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • In Österreich haben Arbeitnehmer:innen Anspruch auf eine ununterbrochene Wochenendruhe von mindestens 36 Stunden, die den gesamten Sonntag umfasst. Beschäftigung ist nur in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen erlaubt, z. B. für Reinigungs-, Instandhaltungs- oder Umbauarbeiten, Brandschutz, Bewachung oder Wartung von Anlagen sowie bei Notfällen, die Leben, Gesundheit oder Wirtschaft betreffen.
  • Weitere Ausnahmen können durch Verordnungen für Tourismus, Verkehr, Museen, IT-Betriebe oder Blutspendedienste gelten.
  • Kollektivverträge erlauben zusätzlich Sonntagsarbeit, wenn dies wirtschaftliche Nachteile verhindert oder Arbeitsplätze sichert.

Quellen

Das Thema in anderen Medien

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