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Der US-Präsident will seine Wähler:innen mit Machtdemonstrationen beeindrucken und hat zu diesem Zweck Lateinamerika für sich entdeckt.
Monroes politisches Vermächtnis und Trumps „Make America great again“-Ideologie passen gut zusammen. Monroe? Gemeint ist nicht Marilyn, die Film-Ikone, sondern ein Amtsvorgänger des derzeitigen US-Präsidenten namens James Monroe. Der hat 1758 bis 1831 gelebt und wollte die USA damals zwar nicht unbedingt „großartig“ machen, aber international immerhin zu mehr Bedeutung verhelfen.
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Deshalb hat er am 2. Dezember 1823 vor dem US-Kongress die nach ihm benannte Doktrin verkündet, wonach, salopp formuliert, Europa politisch und militärisch am amerikanischen Kontinent nichts mehr verloren hätte. Im Laufe der Zeit wurde die Doktrin in Washington dann so verstanden, dass die USA das Recht hätten, die Region nach ihren Wünschen zu dominieren. Lateinamerika wurde zum Hinterhof Washingtons, das seine Interessen dort bedenkenlos und beliebig durchsetzen wollte.
Das Terrain ist aufbereitet
Der Rest ist Geschichte: Es folgten reihenweise US-Interventionen gegen missliebige Regimes. Manche waren erfolgreich, manche nicht. Auf Kuba etwa holten sich die US-Amerikaner eine blutige Nase, die legendäre Invasion in der Schweinebucht im April 1961 scheiterte und es gelang Washington nie, den zigarrenrauchenden Kommunisten Fidel Castro aus dem Weg zu räumen. Andere, auch demokratisch gewählte Regierungen, wurden mit US-Hilfe erfolgreich gestürzt. Etwa der guatemaltekische Präsident Jacobo Arbenz im Jahr 1953.
Das Terrain ist also gut aufbereitet für Donald Trump, der innenpolitisch Stärke demonstrieren will und sich zu diesem Zweck gerade missliebige Südamerikaner vorknöpft. Den links-autoritären venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro etwa. Seit einigen Wochen versenken die USA im „Kampf gegen den Drogenhandel“ in der Karibik reihenweise angebliche Schmugglerboote, mehr als 80 Personen sollen bereits getötet worden sein und die Rechtmäßigkeit der Militärschläge ist mehr als zweifelhaft. Parallel dazu baut Trump eine Drohkulisse gegen das venezolanische Regime auf. Der Feldzug gegen Drogen scheint vorgeschoben, der Verdacht liegt nahe, dass Maduro gestürzt werden soll. Nicht nur er, auch Kolumbiens linksgerichtete Staatsführung gerät unter Druck. Wie weit Trump mit seinem Angriffsgetöse noch gehen wird, ist nicht abschätzbar.
Zwischen Widerstand und Angst
Tatsache ist, dass sich die USA so offen wie lange nicht mehr in die Politik lateinamerikanischer Länder einmischen. Dort reagiert man allergisch, pocht auf die eigene Souveränität, die man sich, anders als in früheren Jahrzehnten, von Washington nicht nehmen lassen will. Dazu gesellen sich Beschwichtigungsversuche. In Südamerika hat man auch Angst vor Trump und will nicht unbedingt in sein Fadenkreuz geraten. Die New York Post hat jedenfalls ein neues Wort kreiert: Es sei die „Donroe-Doktrin“, die in Lateinamerika ihre Wirkung entfalte.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- James Monroe gewann 1816 die Präsidentschaftswahl und bekleidete dieses Amt über zwei Amtszeiten von 1817 bis 1825.
- Die Invasion in der Schweinebucht war ein von den USA organisierter militärischer Angriff kubanischer Exilanten auf Kuba. Sie wurde am 17. April 1961 mit CIA-Unterstützung von rund 1300 seit 1959 aus Kuba geflohenen Freiwilligen von Guatemala aus durchgeführt und hatte den Sturz der Revolutionsregierung unter Fidel Castro zum Ziel.
- Fidel Castro war fast 50 Jahre lang Staatsoberhaupt von Kuba. Er kam im Jahr 1959 durch eine Revolution an die Macht, in der Folge baute er das Land im kommunistischen Sinn um.
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