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Wenn der Wald zur Feuerfalle wird

5 Min
Mehr Lärchen und Tannen, mehr Buchen und Eichen sollen die Wälder vor Brandkatastrophen schützen.
© Illustration: WZ / Paul Kremsleithner

Die Bilder aus Südeuropa zeigen, was extreme Hitze anrichten kann: Auch Österreich bereitet sich auf häufigere Waldbrände vor – mit einem Wald, der künftig anders aussehen muss als heute.


Mehr Lärchen und Tannen, mehr Buchen und Eichen: So sollen Österreichs Wälder künftig zusammengesetzt sein, damit sie Hitze und Dürren besser standhalten können. Die neuen Mischwälder sollen sich besser feucht halten können als die traditionell heimischen Fichten und Föhren und dafür sorgen, dass Brände weniger schnell entstehen und sich schwerer großräumig verbreiten. Denn mit Hitzewellen ist immer öfter zu rechnen – und mit ihnen steigt die Waldbrandgefahr auch in Österreich.

Verheerende Waldbrände mit Feuerstürmen wüten in Frankreich, Spanien und Italien. Menschen mussten aufgrund der Flammen evakuiert werden, Häuser wurden zerstört und die Rettungsdienste kamen an ihre Grenzen. „Bislang ist die Zahl der Waldbrände in Europa zwar nicht beispiellos, ungewöhnlich ist aber die Zahl verheerender Waldbrände. Der Zusammenhang mit den wiederholten Hitzewellen dieses Sommers ist offensichtlich“, sagt Guillermo Rein, Professor für Feuerforschung am Imperial College in London, in einem Expert:innen-Rundruf des UK Science Media Centre (SMC).

Aktuell bringt das Hoch „Olaf“ aus Südwesten heiße, subtropische Luftmassen auch nach Österreich. Auch für unser Land sehen Expert:innen nun die Gefahr, dass der Wald zu brennen beginnt. „Im Vergleich zum Mittelmeerraum, wo anhaltende Phasen von heißem Wetter dazu führen, dass die Vegetation ungewöhnlich trocken und damit wesentlich leichter entflammbar ist, sind die Rahmenbedingungen in Österreich mit seinen Bergen, Flüssen und Seen zwar andere. Dennoch ist die Lage angesichts der Hitzewelle angespannt“, sagt Stefan Schörghuber, Leiter des Bereiches Wald-Naturraum-Nachhaltigkeit bei den Österreichischen Bundesforsten, zur WZ.

Brandgefahr vor allem im Osten und Südosten

In den meisten Bezirken gelten bereits Waldbrandverordnungen, wonach keine brennenden Gegenstände und Zigaretten weggeworfen und keine Lagerfeuer gemacht werden dürfen. Acht von zehn Waldbränden werden üblicherweise vom Menschen verursacht. Der Rest geht auf das Konto von Blitzeinschlägen, etwa durch Sommergewitter. „Die Frage, ob ein Waldbrand ein Bodenfeuer bleibt oder bis in die Baumkronen hinaufsteigt, wodurch er viel schwieriger zu kontrollieren ist, hängt davon ab, wie feucht der Wald insgesamt ist“, sagt Schörghuber. Waldbrandgefahr besteht laut dem Experten derzeit eher im niederschlagsarmen Osten mit seinen Föhrenwäldern als im niederschlagsreicheren, gebirgigeren Westen.

„Vor allem im Donauraum, im Osten sowie im Südosten des Landes wird die Wald- und Flurbrandgefahr verbreitet hoch sein. Zwar könnten Gewitter am Samstag regional für eine leichte Entspannung sorgen, aber im Osten und Südosten zeichnet sich kaum Niederschlag ab“, bestätigt auch der Meteorologe Peter Wölflingseder vom privaten Wetterdienst Ubimet im Gespräch mit der WZ.

Bereits vor der jetzigen Hitzewelle lag die Zahl der Tage mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad Celsius an vielen Messstationen deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Und der Hochsommer ist noch nicht vorbei. „Derzeit verschärft sich diese Bilanz, an einigen Stationen rücken wir damit in Reichweite der Allzeit-Rekordwerte“, sagt Wölflingseder.

Ein Problem, das sich verschärfen wird

In ihrer Waldbrand-Datenbank verzeichnete die Universität für Bodenkultur bis zum 208. Tag dieses Jahres, dem 28. Juli, insgesamt 269 Einzelbrände in Österreich. Zum Vergleich: Für denselben Zeitraum vor genau zehn Jahren 2016 weist die Datenbank nur halb so viele Waldbrände aus.

„Angesichts des Klimawandels wird es in Europa voraussichtlich häufiger zu intensiveren Hitzewellen kommen, was das Waldbrandrisiko weiter erhöht“, warnt Richard Pope von der University of Leeds gegenüber dem UK SMC. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Zahl der Waldbrände in Europa allein in den vergangenen vier Jahren um 57 Prozent zugenommen, in Teilen des Mittelmeerraums sogar um mehr als 100 Prozent. „Daher sind gezielte Strategien zur Eindämmung und Anpassung notwendiger denn je, um den Gesellschaften zu helfen, in den kommenden Jahren mit dieser wachsenden Bedrohung zu leben“, betont Pope.

Wie der Wald gerettet werden kann

In Österreich bedeutet der Waldumbau eine Erhöhung des Laubholzanteils in Nadelholz-Wäldern, um sie zu strukturreichen Mischwäldern zu entwickeln. Wie erwähnt werden daher mehr Lärchen und Tannen, mehr Buchen und Eichen gesetzt. ,,Mit ihren tiefen Wurzeln kommen Tannen leichter an Wasser von unten und bleiben daher auch bei Hitze feucht. Laubbäume wie Buchen und Eichen wiederum haben mit ihren Blättern grundsätzlich einen höheren Feuchtgehalt als die traditionell heimischen Fichten und Kiefern”, erklärt Schörghuber von den Bundesforsten.

,,Laubbäume beschatten den Boden, unterdrücken so den leicht brennbaren Grasunterwuchs und wirken beim Abbrennen selbst feuerhemmender als Kiefern”, führt auch Tanja Sanders vom Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei im deutschen Eberswalde in einer Expertise für das deutsche Science Media Center aus. Ergänzt werden solle dieser Waldumbau um gezielt angelegte Feuerschutzstreifen aus Laubholz oder Sand, die zusammenhängende Nadelholzflächen unterbrechen. Denn auch die Streu dieser neuen Baumarten trägt zum Schutz des Waldes vor Feuerbrünsten bei: Während die Nadeln der traditionellen Kiefern sehr schnell verbrennen und dabei in kurzer Zeit enorme Wärme freisetzen, würde brennende Laubstreu dieselbe Menge Wärme über längere Zeiträume abgeben. Kurze Nadelstreu hingegen würde sogar langsam verbrennen und weniger Hitze erzeugen. ,,Diese Brenneigenschaften sowie das besondere Trockenstresspotenzial an typischen Kiefernstandorten erklären, warum Bundesländer mit hohem Kiefernanteil stärker von Waldbränden betroffen sind”, sagt Sanders.

Nicht zuletzt sollte der Waldboden von dünnen Zweigen und Ästen geräumt werden. Liegende Stämme wiederum sollten Bodenkontakt haben, damit sie nicht austrocknen und somit dafür sorgen, dass sich Feuer schnell und mit hoher Intensität ausbreiten.

Derzeit ist laut dem World Wildlife Fund die Fichte hierzulande mit einem Anteil von 57 Prozent die mit Abstand häufigste Baumart. Der Waldumbau ist jedenfalls ein Jahrhundertvorhaben. Denn eine durchschnittliche „Baumgeneration“, wie Stefan Schörghuber sagt, „wächst 120 Jahre, bevor sie für die Forstwirtschaft geerntet wird“. Neue Mischwälder sind somit Langzeitprojekte, die sich nicht zuletzt auch noch wirtschaftlich rechnen sollten.



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Infos und Quellen

Gesprächspartner

  • Stefan Schörghuber, Leiter des Bereiches Wald-Naturraum-Nachhaltigkeit bei den Österreichischen Bundesforsten.
  • Peter Wölflingseder, Meteorologe mit Fokus auf Gewitter, Sturm und Starkregen beim Wetterdienst Ubimet. Er arbeitet in der Unwetterwarnung, bewertet Risiken für Unternehmen und analysiert markante Wetterlagen.

Daten und Fakten

  • Laut den Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) des Copernicus-Programms wurden im Jahr 2025 mehr als eine Million Hektar Wald in der EU durch Brände verwüstet – so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Expert:innen gehen davon aus, dass sowohl das Ausmaß als auch die Intensität der Waldbrände weiter zunehmen werden. Zudem kommt es immer häufiger zu „Megabränden“, was die Waldbrandbekämpfung massiv erschwert.
  • In ganz Europa wiederum waren bereits bis Mitte Juli fast 170.000 Hektar Land verbrannt und damit mehr als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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