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Warum das Mercosur-Abkommen kaum Auswirkungen für dich hat

5 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem lateinamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur soll zwar beide Regionen stärken, doch Konsument:innen werden davon kaum etwas spüren.


    • Das Mercosur-Abkommen schafft eine große Freihandelszone mit schrittweisem Abbau fast aller Zölle zwischen EU und Mercosur.
    • Schutzklauseln und hohe Standards sollen europäische Landwirtschaft und Umwelt vor negativen Folgen schützen.
    • Laut dem Ökonomen Harald Oberhofer sind für Konsument:innen kaum Preisänderungen zu erwarten, größere Effekte zeigen sich bei Exporten und Arbeitsplätzen.
    • Mercosur-Region umfasst 295 Mio. Menschen und ein BIP von 2,7 Billionen Euro (2024)
    • Handelsvolumen Mercosur-EU 2024: 111 Mrd. Euro, davon 56 Mrd. Exporte Mercosur
    • 91 % der Zölle auf EU-Waren, 92 % auf Mercosur-Waren werden abgebaut
    • Österreich exportiert Waren im Wert von 1 Mrd. Euro, 32.000 Jobs betroffen
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Gefahr für die Landwirtschaft oder mehr Wohlstand durch die Freihandelszone? Das Abkommen zwischen der lateinamerikanischen Wirtschaftsunion Mercosur und der EU ist nach 25 Jahren so gut wie fix. Der Deal klingt simpel: Fast alle Zölle zwischen den Handelspartnern werden abgeschafft. Mit Schutzklauseln soll die Skepsis abgebaut werden, doch was genau steckt dahinter?

Die wirtschaftliche Bedeutung von Mercosur

Der Mercosur ist eine Handelsgemeinschaft mit dem Namen „Mercado Común del Sur“ (Gemeinsamer Markt des Südens). Zu dieser Vereinigung gehören die lateinamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela und Bolivien. Sie wurde 1991 initiiert und umfasst nicht nur knapp drei Viertel der Fläche Südamerikas, sondern auch von dessen Wirtschaftsleistung. In der Region leben rund 295 Millionen Menschen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,7 Billionen Euro im Jahr 2024 zählt sie zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Mercosur ist neben den USA und China außerdem ein wichtiger Handelspartner für die Europäische Union. Der wichtigste Sektor des Wirtschaftsblocks ist die Landwirtschaft: 42,7 Prozent der Exporte in die EU sind auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen zurückzuführen.

Das Warenvolumen zwischen Mercosur und der EU betrug laut Zahlen des Europäischen Rates des Jahres 2024 111 Milliarden Euro. Davon entfallen 56 Milliarden Euro auf Exporte aus den lateinamerikanischen Staaten und 55,2 Milliarden Euro auf Exporte aus der EU. Die wichtigsten Warengruppen der EU-Exporte sind Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Transportmittel. Aus dem Mercosur werden wiederum neben landwirtschaftlichen Produkten auch mineralische Erzeugnisse sowie Zellstoff und Papier exportiert. Bei den Dienstleistungen belief sich der Handelswert im Jahr 2024 auf 42 Milliarden Euro, hier überwiegen die Exporte aus der EU mit 29 Milliarden Euro.

Was umfasst das Mercosur-Abkommen?

Seit 1999 verhandeln Mercosur und die EU über ein Abkommen, das den Handel zwischen den beiden Regionen fördern soll. Im Jahr 2017 intensivierten sich die Verhandlungen und Ende 2024 einigte sich die EU schließlich mit den Mercosur-Staaten auf ein Abkommen. Nach weiteren Diskussionen und Anpassungen stimmten die EU-Mitgliedstaaten am 9. Januar schließlich mehrheitlich dem finalen Abkommen für eine Freihandelszone zu. Österreich, Frankreich, Polen, Ungarn und Irland lehnten es ab, Belgien enthielt sich seiner Stimme.

Dass es so lange dauerte, bis eine fertige Handelsvereinbarung vorlag, lag vor allem an der Skepsis der europäischen Agrarindustrie. Sie befürchtet, dass Billigimporte aus Südamerika die europäische Landwirtschaft schwächen und die Qualitätsstandards gefährden könnten. Darüber hinaus warnten Umweltschützer:innen davor, dass ein Freihandelsabkommen die Naturschutzgebiete in den Mercosur-Staaten gefährden könnte.

Zölle werden schrittweise abgeschafft

Diese Bedenken wurden im fertigen Freihandelsabkommen berücksichtigt. Dieses muss diese Woche noch unterzeichnet und anschließend vom EU-Parlament abgesegnet werden. Die Handelspartner bekennen sich zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern und wollen illegale Abholzung bekämpfen. Hinsichtlich der Agrarbranche wollen Mercosur und die EU an ihren hohen Gesundheits- und Sicherheitsstandards festhalten. Zudem gibt es Schutzklauseln, die dann zum Einsatz kommen, wenn bestimmte Warengruppen in so großem Umfang importiert werden, dass sie zu unfairem Wettbewerb führen könnten. Zollbefreiungen für Produkte wie Fleisch werden nur dann gewährt, wenn das Ursprungsland tatsächlich Mitglied der EU oder des Mercosur ist.

Das Kernstück des Abkommens ist jedoch die Schaffung einer Freihandelszone: Mercosur baut 91 Prozent der Zölle auf Waren aus der EU ab, während die EU 92 Prozent der Zölle auf Waren aus den Mercosur-Staaten abbaut. In einer Übergangszeit von zwölf Jahren sollen die meisten Einfuhrabgaben abgeschafft sein. Bei Fahrzeugen wird es länger dauern. Der aktuelle Zollsatz von 35 Prozent auf Pkw soll hier schrittweise innerhalb von 15 Jahren abgebaut werden. Das Mercosur-Abkommen soll somit auch der europäischen Automobilbranche zugutekommen, die zunehmend unter dem Druck der chinesischen Konkurrenz steht.

Was sich durch Mercosur ändern wird

Die beiden Partner argumentieren, dass das Freihandelsabkommen beide Regionen stärken werde. Mit rund 700 Millionen Menschen begründet der Mercosur-EU-Deal die bisher größte Freihandelszone weltweit. Laut Daten der EU-Kommission werden 60.000 Unternehmen, die Waren in die Mercosur-Staaten exportieren, jährlich vier Milliarden Euro einsparen. Bis 2040 sollen die Warenexporte aus der EU um 50 Milliarden Euro und die aus Mercosur um neun Milliarden Euro ansteigen.

Auch Österreich soll von dem Deal profitieren: Hier exportieren 1.100 Unternehmen einen Warenwert von einer Milliarde Euro nach Mercosur, importiert wird ein Volumen von 512 Millionen Euro. Davon werden rund 32.000 Arbeitsplätze in Österreich unterstützt. Das Handelsabkommen wird einer Analyse der Oesterreichischen Nationalbank zufolge aber keine großen Effekte auf die heimische Wirtschaft haben, Mercosur werde in der Hinsicht mehr profitieren als die EU.

Rindfleisch, Soja, Zucker oder Kleidung: Werden wir den Freihandel langfristig auch als Konsument:innen spüren? Harald Oberhofer, Ökonom am Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), erwartet im Gespräch mit „ORF 3 Aktuell“ keine großen Auswirkungen auf die Preise im Lebensmittelhandel. Die Schutzklauseln würden jedoch dafür sorgen, dass die EU bei drastischen Preisänderungen reagieren könnte. Der Experte verweist außerdem darauf, dass sich steigende Exporte vor allem positiv auf den Arbeitsmarkt und die Industrie auswirken werden: „Das wird uns helfen, den Schaden, den Donald Trump anrichtet, zumindest teilweise auszugleichen.“

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die EU und die lateinamerikanische Wirtschaftsregion Mercosur haben sich nach 25 Jahren auf ein Freihandelsabkommen geeinigt.
  • Kritik an dem Abkommen kommt vor allem aus der österreichischen Landwirtschaft, sie befürchtet Preisdruck durch Importe aus den Mercosur-Staaten.
  • Die Zölle werden nach dem Inkrafttreten schrittweise abgebaut, für sogenannte sensible Warengruppen wie Rindfleisch werden die Importmengen beschränkt.

Quellen

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