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Teurere Lebensmittel, leidende Wildtiere, Sorgen ums Trinkwasser, Probleme für die Stromerzeugung und Bahnstörungen: Hitze und Trockenheit bringen viele Bereiche an ihre Grenzen.
2026 ist bisher das trockenste Jahr in Österreich, seit Messbeginn. Ganz Europa trocknet aus, und spätestens der Rekord-Sommer hat bewiesen, dass die jahrelangen Warnungen vor den Folgen des Klimawandels gerechtfertigt waren. Ob in der Landwirtschaft, bei der Stromerzeugung oder im Lebensmittelregal: Die Trockenheit des heurigen Jahres hat zum Teil langfristige Folgen. Und viele Wirtschaftsbereiche werden sich für eine Zukunft mit mehr Dürreperioden rüsten müssen.
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Lebensmittel werden teurer
Für die bereits abgeschlossene Getreideernte hat der extrem trockene August kaum noch eine Rolle gespielt. Dennoch gab es ein Minus von gut 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Mais geht die Landwirtschaftskammer sogar von einem Rückgang um 30 bis 50 Prozent aus. Dabei gilt gerade der Mais als hitzeresistente Pflanze. Doch selbst ihm war es zu heiß und trocken. Und eine Bewässerung zahlt sich oft finanziell nicht aus. Wie stark die Einbrüche bei Zuckerrüben, Kürbissen, Soja oder Sonnenblumen sein werden, wird man erst sehen, wenn die Ernte eingebracht ist. Ein Minus wird aber bei den meisten Kulturen erwartet.
Und die Aussichten sind nicht besser: Jetzt beginnt der Herbstanbau fürs nächste Jahr – in einem Boden, der staubtrocken ist. Der notwendige Regen dürfte laut Wetterprognosen erst im Herbst fallen, womöglich müsse man auf Oktober warten, fürchtet Andreas Pfaller, Referatsleiter Pflanzliche Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer. „Da werden sich viele überlegen, was sie anbauen. Sehr empfindliche Kulturen mit hohen Produktionskosten wie die Zuckerrübe dürften weiter zurückgehen.“ Auch weniger Erdäpfel könnten angebaut werden. Erschwerend kommt für die Landwirt:innen hinzu: „Wir hatten voriges Jahr weltweit überdurchschnittlich gute Ernten. Das hat auf die Preise gedrückt“, so Pfaller. Jetzt sind die Erträge niedrig – die Erzeuger:innenpreise, die dafür bezahlt werden, sind es aber ebenfalls noch.
Von Dürre und Hitze betroffen ist nicht nur der Anbau von Pflanzen, sondern auch die Viehwirtschaft, der durch die verdorrten Almwiesen und die Ausfälle bei der Heuernte und beim Silomais regional bis zu 50 Prozent des Futters fehlen. Einerseits werden derzeit pro Woche etwa 1.000 Rinder mehr geschlachtet als üblich; dabei handelt es sich überwiegend um ältere Milchkühe, deren Fleisch zum Beispiel in Burger-Pattys landet oder für eine spätere Vermarktung eingekühlt wird. Andererseits könnten die Mastbetriebe insgesamt ihre Bestände reduzieren. Und wenn jetzt weniger Mastkälber in die Ställe kommen, gibt es in einem Jahr weniger Fleisch.
Echte Versorgungsengpässe sind nicht zu erwarten, weil notfalls genügend aus dem Ausland importiert oder weniger exportiert werden kann. Heimische Produkte wird es dann vor allem im Supermarkt und in der Gastronomie geben, wo die Kund:innen aufs Etikett schauen, während der Österreich-Anteil bei verarbeiteten Lebensmitteln sinken könnte. Und die Preise könnten generell steigen. Gleichzeitig werden immer mehr Landwirt:innen finanzielle Unterstützung brauchen, wird doch der Schaden durch die heurige Dürre auf mindestens eine Milliarde Euro geschätzt.
240 Millionen Euro an Dürrehilfen werden noch heuer an betroffene Landwirt:innen ausbezahlt. Darauf hat sich die Bundesregierung am Freitag geeinigt. Außerdem wird die Prämie für die Hagelversicherung nächstes Jahr um zehn Prozent gesenkt.
Die Landwirtschaft muss umdenken
Auch wenn viele hoffen, dass der heurige Sommer ein extremer Ausreißer war, legen die Erkenntnisse der Klimawissenschaft nahe, dass Dürreperioden künftig häufiger werden. Marianne Penker, Professorin am Institut für Entwicklungsforschung an der BOKU Wien sieht deshalb die Notwendigkeit zu einer Umstellung: „Wir müssen die Landwirtschaft widerstandsfähiger aufstellen, um längerfristig mit solchen Wetterextremen umzugehen.“ Seit jeher müsse sich die Landwirtschaft an neue Bedingungen anpassen, sei es das Wetter, der Markt oder auch die Förderpolitik. „Aber so eine gravierende Umstellung, wie sie jetzt angesichts des Klimawandels notwendig wird, hatten wir zuletzt in der Nachkriegszeit“, sagt Penker. „Davon sind ganze Regionen betroffen.“
Wir sollten über eine Ernährungsumstellung nachdenken.Marianne Penker, Professorin am Institut für Entwicklungsforschung an der BOKU Wien
Es wird nicht einfach, und es sind alle Beteiligten gefragt: nicht nur die produzierenden Landwirt:innen, sondern auch die weiterverarbeitenden Betriebe – und die Konsument:innen. Denn wir sollten über eine Ernährungsumstellung nachdenken, meint die Entwicklungsforscherin. Sie sieht darin auch eine große Chance, wenn zum Beispiel stärker auf pflanzliches Eiweiß gesetzt wird, das viel weniger Energie braucht als tierisches. Wenn die Erträge insgesamt sinken, ist es nur sinnvoll, Pflanzen direkt für den menschlichen Verzehr anzubauen statt als Futtermittel für Schlachttiere. Und auf weniger düngeintensive Sorten zu setzen: Hülsenfrüchte zum Beispiel, die viel Eiweiß liefern, holen sich den benötigten Stickstoff aus der Luft. „Damit kann dort der fossile Energieaufwand für die Stickstoffversorgung gegenüber stark gedüngten Kulturen wie Mais um annähernd 100 Prozent sinken“, rechnet Penker vor. Das Thema wird sie kommende Woche in einem Expert:innengespräch von „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“ noch tiefer beleuchten.
Für die Landwirt:innen selbst wird es immer wichtiger, weitere Standbeine neben Viehwirtschaft und Feldanbau zu haben – auch wenn dadurch die Arbeitsbelastung weiter steigt. Die große Frage lautet: Wie kann die Gesellschaft die Landwirtschaft bei der notwendigen Neuausrichtung so unterstützen, dass auch in Zukunft die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gewährleistet ist?
Noch haben wir genügend Trinkwasser
Längere Hitzeperioden rücken auch die Trinkwasserversorgung in den Fokus. Fast ein Viertel der rund 2.000 Gemeinden in Österreich – genauer gesagt: 471 – könnten im Jahr 2050 von Wasserknappheit bedroht sein, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace bereits vor zwei Jahren gewarnt. Ein Rundruf der WZ bei den zuständigen Landesbehörden zeigt: Aktuell können trotz allem noch alle Kund:innen der öffentlichen Wasserversorger ausreichend versorgt werden. Allerdings sind die allermeisten Grundwasserpegel derzeit niedriger als sonst – bei fast jeder fünften Messstelle ist der Wasserstand sogar so niedrig wie noch nie zuvor. Manche Brunnen, die abgelegene Höfe versorgen, sind bereits ausgetrocknet oder enthalten so wenig Wasser, dass es zwar für die Menschen reicht, aber nicht mehr für die Tiere, die von der Feuerwehr oder mittels Tankwagen versorgt werden müssen. Einzelne Gemeinden haben bereits im April vorsorglich das Befüllen privater Pools verboten.
Die kurzfristige Prognose: Bis zum nächsten Regen, der die Wasserstände wieder auffüllt, wird keine Gemeinde in Österreich auf dem Trockenen sitzen, weil die Speicher ausreichen und die überregionalen Netze gut ausgebaut sind.
Die langfristige Prognose: Der Bedarf der öffentlichen Wasserversorgung dürfte laut der Studie „Wasserschatz Österreichs“ bis 2050 um 11 bis 15 Prozent steigen, in einzelnen Städten mit starkem Bevölkerungswachstum vielleicht sogar um die Hälfte. Gleichzeitig war der vergangene Winter schon zum zweiten Mal in Folge zu trocken und schneearm, in manchen Regionen gab es um 40 Prozent weniger Niederschlag als üblich. Das beunruhigt Martin Angelmaier, den Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft in Niederösterreich, noch nicht: „Die Schneelage im Rax-Schneeberg-Gebiet ist für das Grundwasser in der Region essenziell. Im Raum Wiener Neustadt hatten wir 2023 einen historischen Tiefststand, von dem sich aber die Grundwasserstände innerhalb weniger Monate wieder erholt haben. Aktuell sind wir immer noch eineinhalb bis zwei Meter höher als damals.“ Wien und auch andere Gemeinden bauen zudem ihre Speicher aus, um für längere Dürreperioden gerüstet zu sein.
Wir müssen das Wasser wieder viel mehr in der Landschaft halten.Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei
Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei sieht in Österreich noch viele offene Baustellen, wenn es darum geht, Dürreperioden in Zukunft besser zu überstehen: „Dazu zählt, Wasser wieder viel mehr in der Landschaft zu halten. Unser ganzes Land ist durchzogen von Drainagen und Kanälen, die darauf ausgelegt sind, Wasser möglichst schnell abzuleiten und Wiesen trocken zu legen. Von der Drainage läuft das Wasser in den nächsten Bach, von dort in den nächsten Fluss, von dort in die Donau und damit raus aus Österreich.“ Kann das Wasser hingegen versickern, füllt es die Grundwasserspeicher. Umso wichtiger sind Entsiegelung und Renaturierung.
Stromerzeugung ohne Wasser
Hitze und Dürre bedeuten auch niedrige Flusspegelstände und wärmeres Wasser. Das hat einerseits drastische Auswirkungen auf die Fischbestände, wie etwa das Massensterben in der Wachau gezeigt hat, wo der Wellenschlag der Schiffe die Jungfische förmlich aus dem niedrigen Wasser geschwemmt hat. Andererseits ist auch die Stromproduktion beeinträchtigt. So musste Rumänien sein einziges Atomkraftwerk ganz herunterfahren, als nicht mehr genug Donauwasser zur Kühlung verfügbar war. Damit ist ein Fünftel der Stromerzeugung des Landes plötzlich weggefallen. Auch das ungarische AKW Paks, das im Jahresmittel knapp die Hälfte des Stroms in Ungarn erzeugt, ist größtenteils außer Betrieb. Frankreich musste ebenfalls ein Dutzend Reaktoren vom Netz nehmen, weil sie nicht mehr gekühlt werden können.
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Auch Kleinwasserkraftwerke in Österreich sind bereits ausgefallen, und in der Wiener Freudenau wird aufgrund des Niedrigwassers der Donau um 30 Prozent weniger Strom erzeugt. Damit wird Sonnenstrom immer wichtiger als Baustein der Energiewende, der nicht von Niederschlagsmengen abhängig sind. Oder davon, dass der Wind weht. Denn die Hitzeflaute lässt auch Windräder stillstehen. Und so macht aktuell tagsüber die Photovoltaik den größten Teil der österreichischen Stromerzeugung aus. Auf die E-Wirtschaft kommen große Herausforderungen zu, wenn sie künftig öfter mit trockenen Sommern wie dem heurigen bei gleichzeitig steigendem Strombedarf durch Klimaanlagen, E-Mobilität und auch KI-Rechenzentren konfrontiert wird.
Durstige Wildtiere
Zunehmende Hitze und Wassermangel in Österreich haben auch massive Auswirkungen auf die Tierwelt. Flüsse und Tümpel trocknen aus, Wildtiere müssen nach neuen Wasserquellen suchen und weitere Strecken zurücklegen, was ihren Energieverbrauch erhöht und ihre Überlebenschancen verringert.
Der Mensch ist gefordert: Jäger müssen Tränken in schattigen Plätzen errichten, auch werden Rüben als Flüssigkeitsquelle verteilt. Langfristig müssen Flächen entsiegelt, Grünflächen erhalten und neue Wiesen angelegt werden. Wichtig sind auch sogenannte ökologische Korridore, also die Schaffung von Möglichkeiten, dass Tiere etwa über Autobahnen hinweg neue Lebensräume aufsuchen können.
Hitzeschutz für die Bahn
Gerade im Sommer sind auch Bahnfahrer:innen Kummer gewohnt. Schließlich ist das die Zeit, in der die ÖBB-Strecken sperren, um dringend notwendige Sanierungen durchzuführen. Dazu kommt aber ein weiteres Problem dort, wo eigentlich Züge fahren sollten: Metall dehnt sich bekanntlich bei Hitze aus, und wenn die Sonne auf ein Gleis knallt, kann sich dieses tatsächlich verformen. Auch Oberleitungen reißen bei hohen Temperaturen leichter – Probleme, die natürlich auch Straßenbahnen und Oberleitungsbusse in Städten treffen können. Ein Ausfall der Klimaanlage im Zug oder im Bus – wenn er überhaupt eine hat – gehört da noch zu den kleineren Problemen. Bei einer Lufttemperatur um die 40 Grad stößt die heutige Infrastruktur jedenfalls an ihre Auslegungsgrenze. Werden die Sommer heißer, braucht es auch neue Technologien für die öffentlichen Verkehrsmittel.
Kunstschnee gräbt Wasser ab
Die Folgen des Dürresommers werden auch im Winter zu spüren sein – und darüber hinaus. Nämlich dann, wenn die vielen Skigebiete in Österreich immer stärker künstlich beschneien. Laut der Universität Innsbruck könnte sich der Bedarf an Beschneiung in Österreich in den nächsten 25 Jahren womöglich verdoppeln. Das große Problem dabei: Auch Kunstschnee braucht Wasser, und zwar eine Menge, die einem Drittel der Schneedecke entspricht. In Summe verbrauchen Österreichs Skigebiete schon jetzt pro Saison rund 51 Millionen Kubikmeter Wasser für die Beschneiung. Das entspricht fast 7 Prozent der Menge, die übers ganze Jahr in Österreich in die öffentliche Wasserversorgung fließt. Gleichzeitig wird auch viel Strom benötigt, zum Beispiel für Schneekanonen und Pumpen.
Kunstschnee hat aber nicht nur bei der Herstellung Auswirkungen auf das Klima, sondern er beeinflusst direkt das Wachstum der bedeckten Pflanzen. Er ist nämlich dichter als natürlicher Schnee und bleibt teilweise länger liegen. Dadurch können die Pflanzen darunter später wachsen, was das alpine Ökosystem beeinflusst. Auch der Bau von Speicherteichen, Leitungen und anderen Anlagen greift in die Landschaft ein. Aus all dem entsteht ein problematischer Kreislauf: Der Klimawandel sorgt für weniger natürlichen Schnee, deshalb wird mehr Kunstschnee produziert. Dieser benötigt wiederum viel Wasser und Energie und kann zusätzliche Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima haben.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
- Andreas Pfaller, Referatsleiter Pflanzliche Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer
- Johannes Schmidt, Referent für tierische Produkte in der Landwirtschaftskammer
- Marianne Penker, Professorin am Institut für Entwicklungsforschung an der BOKU Wien
- Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft beim Land Niederösterreich
- Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace
Quellen
- Climate Change Centre Austria: Auswirkungen von Dürre auf Grünland
- Studie „Wasserschatz Österreich“
- Greenpeace zu Grundwasser in Österreich
- Künstlicher Schnee und die Zukunft des Wintersports | Parlament Österreich
- Die Produktion von Kunstschnee und dessen Einfluss auf den Klimawandel
Daten und Fakten
- Der gesamte Wasservorrat in Österreich wird auf rund 80 Milliarden Kubikmeter pro Jahr geschätzt. Derzeit werden etwa 3 Milliarden Kubikmeter jährlich verbraucht.
- 471 der 2.092 Gemeinden in Österreich könnten im Jahr 2050 von Wasserknappheit bedroht sein.
Das Thema in der WZ
- Europa leidet unter Dürre
- Der Sommer der Beweise
- Daten zeigen: Österreich trocknet aus
- Satelliten zeigen: So erhitzt sich deine Hauptstadt
- Warum die Hitzewelle für mehr Fleisch sorgt
Das Thema in anderen Medien
- ORF.at: Einigung bei Dürrehilfen und Klimagesetz
- Der Standard: Wildtiere leiden unter Trockenheit
- Tagesschau: Rumänien schaltet einziges AKW komplett ab
- Salzburger Nachrichten: Stromerzeugung bei Hitze: Der Wind hat Pause, die Sonne hat Hochsaison
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