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Was ein 60-Dollar-Roggenbrot über die Wirtschaft verrät

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Rund 50 Euro für einen Laib Brot? Was absurd klingt, ist in New York Realität. Das Roggenbrot eines Grazer Bäckers sorgt derzeit auf Social Media für Diskussionen und wirft die Frage auf, was Brot in einer der teuersten Städte der Welt kosten kann.


    • Martin Auer verkauft in New York ein Kilogramm Sauerteigbrot für 60 US-Dollar, deutlich teurer als in Graz.
    • Hohe Preise entstehen durch Importkosten für Bio-Roggen, hohe Personalkosten und Standortwahl in einem Trendviertel.
    • Das Brot wird als Trendprodukt positioniert und erhält gemischte Reaktionen von Medien und Konsumenten.
    • Ein Kilogramm Sauerteigbrot kostet in Manhattan 60 US-Dollar (ca. 52 Euro)
    • In Graz kostet ein Kilo Brot von Martin Auer rund 10 Euro
    • Roggenernte in Österreich 2026 um 7 % niedriger als 2025
    • Getreideimport in die USA unterliegt einem Zollsatz von 15 %
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Wenn man in den USA lebende Österreicher:innen und Deutsche fragt, was sie am meisten vermissen, hört man meist „Brot“ als Antwort. Ein so simples Lebensmittel kann also rasch zum Luxusgut werden. Das zeigt niemand so deutlich wie der Grazer Bäcker Martin Auer. Mit seinem ersten Standort in New York sorgt er für Aufregung.

Teure Inhaltsstoffe

Denn 1,5 Kilogramm seines Sauerteigbrotes kosten in Manhattan 60 US-Dollar, also knapp 52 Euro. In seinen Filialen in Graz kostet ein Kilo Brot je nach Art allerdings rund 10 Euro. Dieser Preis sorgt aktuell für Schlagzeilen in den österreichischen Medien sowie für Diskussionsstoff und virale Reels in den sozialen Medien. Doch ist der Preis tatsächlich absurd oder lässt er sich ökonomisch erklären?

Das Brot besteht aus wenigen Zutaten: Roggen, Wasser und Salz. Martin Auer verwendet eigenen Angaben zufolge Bio-Roggen aus Österreich. Wie wir vor einigen Wochen erklärt haben, hat die Extremhitze negative Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft. Die Roggenernte war dieses Jahr um sieben Prozent niedriger als 2025. Das kann zu steigenden Preisen führen: Der Getreidepreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erreichte im August seinen höchsten Stand seit Mai 2024.

Personal und Import

Auers New Yorker Bäckerei mit dem Namen „Rye” listet in ihrer Marketingkampagne noch eine weitere Zutat auf: Zeit. Damit ist in erster Linie die Fermentierungszeit des Brotteiges gemeint, doch auch die Arbeitszeit ist ein wichtiger Kostenfaktor. Die USA haben zwar im Vergleich zu Österreich niedrige Lohnnebenkosten, allerdings ist New York eine der teuersten Städte der Welt. Neben hohen Lebenshaltungskosten sind auch die Personalkosten hoch. Die Bäckereikette beschäftigt eigenen Angaben zufolge 800 Mitarbeiter:innen. Wie viele davon im Ableger in New York tätig sind, ist nicht bekannt.

Die Essenz des Rye-Brotes, der Roggen, muss in die USA importiert werden, und auch das kostet. Die Einfuhr von Getreide unterliegt laut dem lang diskutierten Handelsabkommen zwischen den USA und der EU einem Zollsatz von 15 Prozent. Diese Einfuhrgebühr ist wahrscheinlich im Endpreis einkalkuliert. Vielleicht hätte der Laib vor zwei Jahren also noch 52 statt 60 US-Dollar gekostet.

Trendprodukt statt Grundnahrung

Bei der Preisgestaltung spielt auch der Verkaufsort eine Rolle – und das gleich auf zwei Ebenen: Das Geschäftslokal liegt an der Lafayette Street. Das ist zwar nicht die teuerste Straße für Gewerbeimmobilien in Manhattan – das wäre die 5th Avenue –, aber eine sehr gefragte Gegend, vor allem für Trendmarken. Im Stadtteil SoHo gibt es Boutiquen, Instagram-freundliche Restaurants und Coffeeshops sowie viele Pop-up-Stores. Heidi Klum eröffnete 2024 in der Nähe von Rye eine Pizzeria. Deshalb ist das Viertel vor allem bei Tourist:innen beliebt. Wohlhabende New Yorker:innen erledigen dort jedoch nicht ihren Lebensmitteleinkauf (es sei denn, sie leben dort). Mit dem gewählten Standort positioniert Martin Auer sein Brot daher nicht als Produkt des täglichen Bedarfs, sondern als Trendprodukt, das seinen Preis hat.

Und was sagen die New Yorker:innen zu dem 60-Dollar-Sauerteigbrot? „Ich habe es ausprobiert und kann bestätigen, dass es diesen Preis tatsächlich wert ist“, schreibt Charlotte Druckman im Restaurantblog „Grub Street“. Der New-York-Insider-Newsletter „Feed Me” bezeichnet es als „finanzielle Dominanz”. Die Influencerin Lucie Rauschnabel lässt ihren deutschen Vater das Brot testen: „Es ist günstig, du brauchst nicht nach Österreich zu fliegen”, scherzt er.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

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