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Werbung in ChatGPT: Das erwartet dich jetzt

4 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Seit dieser Woche wird auch in Österreich Werbung in ChatGPT angezeigt. Dafür verwendet die Plattform eigenen Angaben zufolge keine persönlichen Daten, die Anzeigen werden aber sehr wohl in Kontext gesetzt.


    • OpenAI hat Werbung in ChatGPT für Europa eingeführt, betrifft aber nur kostenlose und Go-Versionen, nicht alle zahlenden Nutzer:innen.
    • Persönliche Daten werden laut OpenAI nicht an Werbekunden weitergegeben, Werbung basiert auf Standort, Kontext und Gerätetyp.
    • Minderjährige sollen keine Werbung sehen, doch ein sicherer Altersschutz existiert noch nicht; EU prüft strengere Regeln.
    • OpenAI erwartet 2026 einen Umsatz von 40 Mrd. US-Dollar, 2025 waren es 20 Mrd.
    • Verlust laut Insidern: 38,5 Mrd. US-Dollar
    • Seit 24. August 2026 Werbeanzeigen in 31 europäischen Märkten, inkl. Österreich
    • 94 % der 11- bis 17-Jährigen in Österreich nutzen Chatbots, 90 % davon ChatGPT
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Einige von uns sind alt genug, um sich daran zu erinnern, dass Google und Facebook einmal ohne Werbung auskamen. Doch als die Kommerzialisierung der Webdienste voranschritt, wurden Anzeigen zu einem festen Bestandteil der großen Plattformen. Bei ChatGPT dauerte es immerhin länger. Das KI-Tool ging im September 2022 offiziell an den Start, und erst mehr als drei Jahre später wurde die Werbevermarktung eingeführt. Jetzt kommt sie auch nach Europa.

Milliardeneinnahmen und Milliardenverluste

Während sich Google und Facebook hauptsächlich durch Werbeeinnahmen finanzieren, macht OpenAI auch ohne Anzeigen bereits beachtliche Umsätze: Das Unternehmen hinter ChatGPT könnte dieses Jahr hochgerechnet 40 Milliarden US-Dollar einnehmen. Das ist doppelt so viel wie 2025, als die Einnahmen 20 Milliarden US-Dollar betrugen. Dem stand jedoch Insidern zufolge ein Verlust in Höhe von 38,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. OpenAI ist also noch nicht profitabel, bekommt weiterhin Kapital von Investor:innen und bereitet sich auf einen baldigen Börsengang vor.

Auch wenn das Geschäft mit den Bezahlversionen von ChatGPT bereits lukrativ ist, braucht es also noch weitere Einnahmequellen, und der Zeitpunkt für den Werbestart noch vor dem Börsengang ist deshalb strategisch wichtig. In den USA werden seit Februar Ads in Chat-Verläufen angezeigt. Weniger als zwei Monate nach der Einführung hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge im Werbegeschäft 100 Millionen US-Dollar an jährlich wiederkehrenden Umsätzen generiert. Das deutet darauf hin, dass der KI-Anbieter mit vielen Werbepartnern langfristige Verträge hat. Im Juli wurden laut einer Marktstudie der Analysefirma Sense Tower bereits doppelt so viele Anzeigen ausgespielt wie im April. Zu den größten Werbekunden zählen unter anderem die Reiseplattformen Expedia und Booking.com sowie die Baumarktgruppe Home Depot.

Es ist ein Indiz dafür, wie sich ChatGPT künftig auch bei uns entwickeln wird. Am Montag, dem 24. August, hat die KI-Plattform ihr Werbeangebot offiziell auf 31 Märkte in Europa ausgeweitet, darunter auch Deutschland und Österreich. Die Werbeanzeigen betreffen aber – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht alle Nutzer:innen. Nur in der kostenlosen Version sowie in der günstigsten Bezahlversion Go werden Werbeanzeigen ausgespielt, alle anderen zahlenden Nutzer:innen erhalten sie nicht.

Wie ChatGPT Ads mit Daten umgeht

Mit privaten Daten wird in der Europäischen Union aufgrund der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bekanntlich sensibler umgegangen als in den USA. OpenAI betont zum Werbelaunch in Europa, dass die persönlichen Daten der Nutzer:innen nicht an die Werbekunden weitergegeben werden. In den Einstellungen steht dazu beim Punkt „personalisierte Werbung“: „Personalisierte Werbung ist in deiner Region derzeit nicht verfügbar. Du siehst weiterhin Werbung, die auf begrenzten Daten wie dem ungefähren Standort, dem Kontext und dem Gerätetyp basiert.“

Sehr wohl werden die Anzeigen jedoch in Kontext gesetzt: Als Beispiel zeigt ChatGPT selbst eine Konversation über Kaffeemaschinen, in der Werbeplatzierung darunter erscheint die Anzeige eines Espressomaschinenherstellers. Dazu erklärt das Unternehmen: „Werbung soll Menschen nützen, während sie Ziele verfolgen und Entscheidungen treffen, und den Unternehmen nützen, die bei uns werben.“ In den Werbeprinzipien hält OpenAI fest, keine Anzeigen in Chatverläufen zu Gesundheit und Politik zu schalten. Auch bei Nutzer:innen, die als unter 18 Jahre eingestuft werden, soll es keine Werbung geben. Einen sicheren Altersschutz gibt es jedoch noch nicht.

Großteil der Jugendlichen nutzt ChatGPT

Zum Start ist die Anzeigenschaltung in Europa nur über große Agenturnetzwerke möglich. Somit gibt es zumindest in der Theorie eine Qualitätssicherung über die Agenturen der Werbekunden. In Zukunft soll es aber auch ein Selbstbuchungstool geben, wie es bereits bei Meta oder Google besteht. Wie viele aktive Nutzer:innen ChatGPT in Österreich hat, ist nicht bekannt. Laut einer Umfrage der Organisation Safer Internet nutzen 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Chatbots, 90 Prozent von ihnen ChatGPT. Minderjährige machen demnach einen großen Teil der Nutzer:innenschaft in Österreich aus, und sie sollten keine Anzeigen sehen – vorausgesetzt, die automatische Alterseinstufung von ChatGPT funktioniert. Die Europäische Kommission prüft derzeit noch, ob ChatGPT als Plattform in das Gesetz über digitale Dienste fällt. Wird es so klassifiziert, muss sich ChatGPT zu mehr Kinder- und Verbraucher:innenschutz verpflichten.

Die Vermarktung des Chatbots bestätigt wie bei den anderen großen Plattformen einen Grundsatz der 2010er-Jahre: „Wenn du nicht dafür zahlst, bist du nicht Kund:in, sondern bist du das Produkt.“

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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