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Wetterinfos waren Grönlands begehrteste Ressource

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WZ-Redakteur Michael Schmölzer blickt alle zwei Wochen zurück und zeigt auf, warum Historisches auch heute relevant ist.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Wiki Commons.

Im Zweiten Weltkrieg führten Deutsche und US-Amerikaner einen Kleinkrieg im ewigen Eis. Maßgeblich beteiligt waren Schlittenhunde und verdorbenes Eisbären-Fleisch. Bei Kriegsende wurden die deutschen Soldaten in Grönland einfach zurückgelassen.


    • Donald Trump will Grönland wegen seiner Bodenschätze als US-Hoheitsgebiet erwerben.
    • Im Zweiten Weltkrieg war Grönland wegen seiner Wetterdaten militärisch für USA und Deutschland strategisch wichtig.
    • Die deutsche Wettermannschaft „Haudegen“ wurde nach Kriegsende vergessen und kapitulierte erst im September 1945.
    • US-Truppen errichteten im 2. Weltkrieg Wetterstationen in Grönland.
    • Die Deutschen bauten während des Krieges 10 geheime Wetterstationen.
    • Die Mission „Haudegen“ wurde 1944 mit gestartet.
    • Letzte deutsche Soldaten kapitulierten am 4. September 1945.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Der exzentrische US-Präsident Donald Trump ist stark an Grönland interessiert. Er will jetzt ein Rahmenabkommen zu einer künftigen Vereinbarung mit der Nato erzielt haben, wie er zuletzt kommunizierte, an den Besitzansprüchen ändert das mutmaßlich wenig. Klar: In den eisigen Weiten befindet sich eines der größten Reservoirs an Bodenschätzen weltweit. Öl, Gas, Erze - das macht die entlegene Gegend für den US-Amerikaner mehr als attraktiv.

Diese Gier ist kein neues Phänomen, schon im Zweiten Weltkrieg war die größte Insel der Erde für die Amerikaner und die Deutschen von größter Bedeutung. Allerdings aus ganz anderen Gründen: Damals ging es um die Errichtung von meteorologischen Stationen, denn die Gegend zwischen Arktis und Skandinavien ist eine Wetterküche, die in Europa über Sturm, Schneefall oder freie Sicht entscheidet. Die militärstrategische Bedeutung ist enorm. Wer weiß, wie das Wetter wird, hat im Krieg die Nase vorn. Sind Fliegerangriffe möglich oder kann der Gegner, von einer Wolkendecke geschützt, am Boden unerkannt vorrücken? Lässt der Seegang eine Invasion über das Meer zu oder machen Sturmwellen ein solches Unterfangen unmöglich? Wird es morgen so kalt, dass die Maschinengewehre und Panzer einfrieren?

In geheimer Mission

Die US-Amerikaner hatten im Zweiten Weltkrieg Wetterstationen in Grönland und in der Arktis, gaben die Daten aber nicht, wie vor dem Krieg, an Deutschland weiter. Nachdem die Briten die Gewässer rund um Grönland militärisch kontrollierten, mussten die Nazis in geheimen Missionen, also „undercover“ tätig werden und ihre eigenen Wetterstationen in Grönland errichten. Trupps aus Meteorologen, Elektrikern, Hochseefischern, Zimmerern und Segelmachern wurden losgeschickt, um Holzbaracken zu errichten, Wetterballons aufsteigen zu lassen und drei Mal täglich die Daten nach Dänemark, wo ab 1940 die Deutschen als Besatzer saßen, zu funken. Wichtig war, dass diese Standorte – insgesamt zehn wurden von den Deutschen während des Krieges errichtet – von den Alliierten unentdeckt blieben.

Eine dieser geheimen Missionen trug den Decknamen „Holzauge“ und umfasste 18 Mann, eine andere hieß „Haudegen“ und wurde 1944, wenige Monate vor Kriegsende, losgeschickt. Das Leben für die deutschen Soldaten war in Grönland nicht leicht. Sie wurden von Einheimischen auf Schlittenhund-Gespannen, die mit den Alliierten kooperierten, verfolgt und von den US-Amerikanern aus der Luft mit Brandbomben attackiert. Ein deutscher Trupp wurde nach dem Verzehr von halbrohem Eisbärfleisch krank und musste unter widrigsten Bedingungen nach Dänemark evakuiert werden. (Allein der Sanitäter blieb verschont, er war Vegetarier.) Das alles führte dazu, dass der Wehrmacht über weite Strecken wichtige meteorologische Informationen fehlten.

Einfach vergessen

Die Männer der Wettermannschaft „Haudegen“ hatten übrigens ganz großes Pech. Als der Krieg am 8. Mai 1945 endete, wurde sie im Trubel des Umbruchs einfach vergessen und mussten noch Monate in der Eiseskälte ausharren, ehe sich ein norwegischer Robbenfänger ihrer am 4. September 1945 erbarmte, sie evakuierte und den Alliierten übergab. Es waren die letzten deutschen Soldaten weltweit, die kapitulierten.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Nicht nur in Grönland waren es Wettermelder, die im Krieg den Schlusspunkt setzten. Das letzte deutschen Lebenszeichen aus dem Kessel von Stalingrad vom 2. Februar 1943, 12.44 Uhr, lautete: „Wolkenuntergrenze 5.000 Meter, Sicht 11,2 Kilometer, klarer Himmel, geringe Bewölkung, Temperatur minus 31 Grad Celsius; über Stalingrad Nebel und roter Dunst. Wetterstation meldet sich ab. Grüßt die Heimat.“
  • Die USA errichteten auf Grönland neben Wetterstationen ab 1941 mit dänischer Zustimmung auch Militärstützpunkte, um Kriegsmaterial weiter an die europäische Front zu transportieren und den Nordatlantik aus der Luft zu überwachen. Wenn Trump behauptet, die USA hätten Dänemark Grönland nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgegeben, dann stimmt das nicht. Die USA hatten nie die Souveränität über Grönland.

Quellen

Das Thema in der WZ

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