|
Von Chris Miller
Spam-Mails sind das
elektronische Gegenstück zu postalischen Werbesendungen und belegen in
Posteingangsordnern weltweit beträchtlichen Speicherplatz. Momentan leiden
vor allem Internetbenutzer in den USA unter den Folgen der Verbreitung
unerwünschter Spam-Mails: Noch nie zuvor wurden so viele Spam-Mails
versendet, und je mehr Spam-Mails eingehen, desto geringer ist die
Wahrscheinlichkeit, dass die Empfänger darauf reagieren.
Wenn man
darüber hinaus die zunehmende Anzahl von Filtermechanismen für
Spam-Mails in Betracht zieht, die sowohl von Privat- als auch von
Unternehmensanwendern eingesetzt werden, ergibt sich die logische
Schlussfolgerung, dass sogar noch mehr Spam-Mails versendet werden müssen,
um mit den Spam-Mails, die "durchkommen", noch genügend Gewinne erzielen
zu können. Was anfangs lediglich lästig war, hat sich mittlerweile zu
einer wahren Epidemie entwickelt.
Die Tatsache, dass Spam-Mails
Unternehmensnetzwerke überladen und weltweit Posteingangsordner
verstopfen, hat jetzt die Aufmerksamkeit von US-amerikanischen
Gesetzeshütern und großen Internet- und E-Mail-Dienstanbietern wie
beispielsweise America Online und Yahoo! auf sich gezogen. Woher stammen
Spam-Mails und wie können sie gestoppt werden?
Der Ursprung von Spam-Mails
Spam-Mails sind kein
neues Phänomen, sondern bereits seit den Anfängen des Internets
bekannt. Spam-Mails werden auch als "Unsolicited Commercial Email" (UCE;
unerwünschte Werbemails) oder "Unsolicited Bulk Email" (UBE ;
unerwünschte Massen-E-Mails) bezeichnet, die ohne vorherige Anfrage oder
Zustimmung an eine große Zahl von Empfängern versendet werden. In
den Anfängen des Internets wurde die Bezeichnung "Spam" gemeinhin als
Beschreibung von E-Mails verwendet, die von Unternehmen jeder Größe
an unzählige Empfänger gesendet wurden, um die Produkte und
Dienstleistungen des Unternehmens zu bewerben bzw. zu verkaufen.
Anfänglich sahen Marketingfirmen das Potential direkter Mails über
das Medium Internet-E-Mail als eine kostengünstige Möglichkeit,
Tausende von Benutzern zu erreichen. Schon bald erkannten sie jedoch, dass
diese neue Form der Massenkommunikation zu Frustration führte und nicht
nur ineffektiv war, sondern auch Kunden vergrämte, besonders dann, wenn
die Mails unerbeten waren.
Leider sehen das nicht alle
Marketingexperten so. Den Unternehmen, die heutzutage Spam-Mails versenden,
kommt es nicht auf Image oder Markenbewusstsein an. Es liegt ihnen vielmehr
daran, mit kostengünstigen Marketingkampagnen auf breiter Front durch
Massen-Mails einen Erfolg von einigen Prozentpunkten zu erzielen. Die Folge
davon ist eine Flut von unerwünschten E-Mails, die Mail-Server verstopfen
und Endbenutzer verärgern.
Negative Auswirkungen von Spam-Mails
In den vergangenen anderthalb Jahren haben sich Spam-Mails zu
einem massiven Problem entwickelt. Sie machen mittlerweile zwischen 30 und 50
Prozent des eingehenden E-Mail-Volumens in den USA aus, wobei aktuelle Zahlen
deutlich zur 50-Prozent-Marke tendieren. Als Folge davon müssen
Unternehmensnetzwerke Tausende von E-Mails ohne wirtschaftlichen Wert
verarbeiten und speichern, und die IT-Abteilungen der Unternehmen sind
gezwungen, zusätzliche Zeit, Energie und finanzielle Mittel zu
investieren, um Lösungen zu finden, die verhindern, dass Spam-Mails in das
Unternehmensnetzwerk gelangen.
Weitere negative Auswirkungen von
Spam-Mails in Unternehmen:
- Spam-Mails verstopfen Server und Desktops und belegen
Ressourcen.
- Spam-Mails wirken sich negativ auf die Produktivität aus:
Das Aussortieren von Spam-Mails aus den normalen E-Mails kostet nicht nur den
Benutzer Zeit, sondern auch den IT-Administrator und die technische
Unterstützung.
- Spam-Mails sind lästig, und anzügliche oder
beleidigende Mails können den Empfänger verärgern oder
verletzen.
- Im Hinblick auf die unzähligen eindeutigen und
obszönen Spam-Mails stellt sich die Frage nach deren Gesetzlichkeit.
Ferris Research schätzt, dass Spam-Mails die
US-amerikanischen Unternehmen und Organisationen im Jahr 2003 mehr als 10 Mrd.
US-$ kosten werden. Diese Zahl deckt Kosten, die durch
Produktivitätsverluste sowie zusätzliche Ausrüstung, Software
und Zeitaufwand für den Kampf gegen Spam-Mails entstehen.
Wie kommen Spam-Versender an Ihre E-Mail-Adresse?
Hier eine Liste der häufigsten Bezugsquellen, aus denen
Spam-Versender ihre E-Mail-Listen erstellen:
- Internet: Alle E-Mail-Adressen, die im Internet
angegeben werden, sind potentielle Ziele. Spam-Versender sammeln
E-Mail-Adressen aus einer Vielzahl von Internetquellen, darunter Webseiten,
Browsern, Branchenverzeichnissen, Telefonbüchern und sogar IRC- oder
Chat-Räumen. Mitteilungen in Usenet-Newsgroups sind eine vielgenutzte
Quelle für Spam-Versender.
- An- und Verkauf von Listen: "Listenhändler"
verkaufen E-Mail-Listen an Spam-Versender. Häufig kaufen, verkaufen und
tauschen Spam-Versender auch untereinander E-Mail-Listen. Im Allgemeinen
tauchen E-Mail-Adressen, sobald sie erst einmal in einer Verteilerliste
enthalten sind, schnell auf vielen weiteren Spam-Listen auf.
- Durch Erraten: Das Erraten von Adressen wird oft auch
als "dictionary method" (Wörterbuchmethode) bezeichnet und ist eine
überaus wirkungsvolle Methode zum Sammeln von E-Mail-Adressen. Wenn
beispielsweise ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination vor oder hinter
einen häufig vorkommenden Familiennamen gestellt und eine gängige
Mail-Domäne wie Yahoo.com oder unter Umständen auch die Domäne
eines Fortune 5000-Unternehmens verwendet wird, kann ein Spam-Versender ohne
weiteres Tausende von gültigen E-Mail-Adressen zusammenstellen. Durch
Adressen, die es nicht gibt und bei denen die Mail folglich nicht zugestellt
werden kann, entstehen dem Spam-Versender de facto keinerlei Kosten. Es gibt
speziell für diesen Zweck entwickelte Software-Tools, mit denen
Spam-Versender nach dieser Methode Millionen von E-Mails erzeugen können.
Verbreitungsmedien für Spam-Mails
Die meisten Internetdienstanbieter hindern ihre Kunden durch
strenge Verwendungsrichtlinien daran, Spam-Mails zu versenden. Daher
müssen Spam-Versender verdeckt agieren und andere, normalerweise
gestohlene Netzwerkressourcen nutzen. Die Hauptverbreitungsmedien für
Spam-Mails sind folgende:
- Offene Relays: Spam-Versender suchen im Internet nach
offenen Relays und nutzen diese Server als kostenlose Ressourcen, um
Massen-E-Mails zu versenden, deren Ursprung nicht ohne weiteres
zurückverfolgt werden kann. Die Besitzer dieser Mail-Relays sind
normalerweise seriöse Unternehmen, deren Mail-Server nicht einwandfrei
konfiguriert sind.
- Schein-ISPs: Ein so genanntes "SpamHaus" verdient Geld
durch das Versenden von Spam-Mails. Es klinkt sich direkt im Internet-Backbone
ein und zahlt seine Gebühren an die großen Internet-Carrier wie
jeder andere seriöse Internetdienstanbieter auch. Diese Spam-Versender
wechseln ständig die Domänennamen und IP-Subnetze, um der Erkennung
durch Spam-Filter sowie Negativlisten (Blacklists) zu entgehen und weiterhin
uneingeschränkt Spam-Mails in alle Welt zu versenden.
- Dummy-Konten: Spam-Versender richten oftmals kostenlose
bzw. Probe-E-Mail-Konten bei großen Internetdienstanbietern oder
Webmail-Anbietern wie beispielsweise AOL oder Yahoo! ein und senden ihre
Spam-Mails von dieser Adresse aus, bis diese geschlossen wird. Danach richten
sie einfach ein neues kostenloses Konto ein.
- Offene Web-Proxys: Wenn "offene" Proxys nicht
einwandfrei konfiguriert sind, können Benutzer (beispielsweise über
Port 80) eine Verbindung zu einem Web-Server herstellen und anonym auf einen
beliebigen Mail-Server zugreifen, um Spam-Mails zu versenden.
- Drahtlose Internetverbindungen: Durch die immer weiter
zunehmende Zahl drahtloser Verbindungen öffnen sich den Spam-Versendern
neue Möglichkeiten zum Zugriff auf Netzwerkressourcen.
So überwinden Spam-Mails Hindernisse
Spam-Mails sind ein gutes Geschäft, sie sind
kostengünstig und kostenwirksam. Wenn ein Spam-Versender beispielsweise
500.000 Massen-E-Mails versendet und auch nur fünf oder sechs Antworten
darauf erhält, zählt das für ihn schon als Erfolg. Durch das
Versenden der Mails fallen keine Kosten an. Spam-Versender werden dieses
einfache und gewinnträchtige Geschäft nicht so ohne weiteres
aufgeben. Hier einige Beispiele, wie Spam-Versender Antispam-Hindernisse
überwinden:
- Spam-Versender sind kreativ: Spam-Versender sind stets
über den aktuellsten Stand bei Erkennungs- und Filtertechnologien
informiert und finden Möglichkeiten, diese zu umgehen. Beim Versenden von
Spam-Mails zählt nicht nur Programmierungswissen, sondern auch kreativen
Einfallsreichtum, damit Spam-Mails nicht sofort als solche erkannt werden. Die
meisten Spam-Versender geben sich große Mühe, um ihre Mails wie
normale E-Mails aussehen zu lassen, damit diese nicht als Spam erkannt
werden.
- Vielgestaltigkeit: Noch vor ein paar Jahren waren
Spam-Mails auf den ersten Blick als solche zu erkennen. An den Betreffzeilen in
Großbuchstaben, der großzügigen Verwendung von Ausrufezeichen
und natürlich vor allem an den Stichwörtern wie "gratis" konnte man
gleich sehen, dass es sich um eine Spam-Mail handelte. Heutzutage wissen
Spam-Versender genau, welche Stichwörter sie am besten nicht in der
Betreffzeile verwenden sollten. Um durch die Filter zu schlüpfen, werden
zwischen den einzelnen Buchstaben der nicht zulässigen Wörter
Leerstellen eingefügt, so dass das Wort immer noch lesbar ist, jedoch vom
Filter nicht erkannt wird.
AOL, Yahoo! und Microsoft kündigten vor kurzem eine
gemeinsame Initiative im Kampf gegen Spam-Mails durch Methoden zum Erkennen und
Eindämmen von Mitteilungen mit verdächtigen Kopfzeilen an.
Gleichzeitig bekräftigten diese drei Branchenführer die Notwendigkeit
einer national einheitlichen Gesetzgebung zur Regelung von Spam-Mails in den
USA.
Die rechtliche Situation
Die große Mehrheit der Spam-Mails weltweit stammt aus den
USA, wo es keine landesweit einheitlichen Antispam-Gesetze gibt. In Europa,
Australien, Korea und Japan gelten bereits strenge Gesetze in Bezug auf
Spam-Mails, darunter Zustimmungspflicht zum Empfangen dieser Mails, Vorgaben
hinsichtlich der Betreffzeile, korrekte Antwortadressen und eine Reihe von
Strafen für Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen
für Massen-E-Mails. Neunundzwanzig US-Bundesstaaten verfügen bereits
über Antispam-Gesetze, die meisten von ihnen sind sich jedoch einig, dass
ein starkes US-weites Antispam-Gesetz wirkungsvoller wäre.
Die Federal Trade Commission (FTC) veranstaltete vor kurzem ein
dreitägiges Forum zum Thema Spam. Auf dieser Konferenz gab die FTC
bekannt, dass sie im Jahr 2001 täglich 10.000 weitergeleitete Junkmails
von verärgerten Verbrauchern erhielt. Mittlerweile gehen täglich
130.000 Mitteilungen ein. Auf der FTC-Konferenz vorgestellte Schätzungen
deuten an, dass Spam-Mails 40 bis 75 % des gesamten E-Mail-Verkehrs ausmachen.
Darüber hinaus wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass
zwei Drittel aller Spam-Mails falsche Informationen enthalten.
Bisher haben Spam-Versender noch immer Schlupflöcher bei
gesetzlichen Hindernissen gefunden. Jetzt scheint es jedoch Hoffnung auf ein
wirkungsvoll greifendes Gesetz zu geben. Dem Kongress liegen zurzeit drei
Antispam-Gesetzentwürfe zur Behandlung vor:
- "Lofgren Bill": Die demokratische Abgeordnete Zoe
Lofgren aus Kalifornien schlägt verbindliche Richtlinien für
kommerzielle E-Mails vor und möchte es der Federal Trade Commission
ermöglichen, 20 % des durch Bußstrafen eingenommenen Geldes zur
Belohnung von Einzelpersonen zu verwenden, die auf Spam-Versender hinweisen
oder diese publik machen.
- "Burns-Wyden Bill": Auch als "CAN SPAM Bill" bezeichnet.
Der republikanische Senator Conrad Burns aus Montana und der demokratische
Senator Ron Wyden aus Oregon fordern, dass unerwünschte Marketing-E-Mails
eine gültige Antwortadresse aufweisen, so dass Empfänger unter dieser
antworten und fordern können, ihre Adresse von E-Mail-Listen zu streichen.
Wenn ein Verbraucher einen Spam-Versender so dazu auffordert, ihm keine
weiteren E-Mails zu senden, ist es dem Spam-Versender im Rahmen dieses Gesetzes
untersagt, weitere E-Mails an diese Adresse zu senden.
- "Schumer Bill": Der demokratische Senator Charles
Schumer aus New York schlägt in Anlehnung an die vor kurzem
eingeführte Anrufsperrliste für Telefonvertriebsfirmen eine
landesweite Liste von Empfängern vor, die keine E-Mails erhalten
möchten. Der Entwurf sieht darüber hinaus vor, dass an der
Betreffszeile erkennbar sein muss, dass es sich um eine Spam-Mail handelt,
damit Empfänger so schnell feststellen können, ob sie die Mail
öffnen oder löschen möchten. Dieser Gesetzentwurf sieht strenge
zivil- und strafrechtliche Strafen vor, darunter in schwerwiegenden Fällen
Haftstrafen von bis zu zwei Jahren für Wiederholungstäter.
Lösungen gegen Spam
Die Verabschiedung dieser Entwürfe wird zwar zur
Eindämmung von Spam-Mails beitragen, aber die Spam-Versender werden
sicherlich nicht so einfach aufgeben. Die Erscheinungsformen von Spam-Mails
entwickeln sich ständig weiter und machen sie so schwer erkennbar. Was
für Spam-Versender heute funktioniert, kann schon morgen nicht mehr
gelingen. Aber dasselbe trifft auch auf diejenigen zu, deren Aufgabe es ist,
Unternehmensnetzwerke vor Spam-Mails zu schützen. Es gibt keine
Wunderwaffe, um Spam vollständig einzudämmen. Es gibt jedoch
verschiedene Ansätze, um Spam-Mails herauszufiltern. Angesichts der
zunehmenden Menge an Spam-Mails, die den Informations-Highway verstopfen,
suchen die Administratoren in den Unternehmen nach Möglichkeiten, um diese
Junkmails erkennen und blockieren zu können, bevor sie in die Inboxen der
Mitarbeiter gelangen.
Den wirkungsvollsten Langzeitschutz gegen Spam-Mails
bieten Ansätze auf mehreren Ebenen, die den Schutz maximieren und
Falsch-Positiv-Meldungen verringern. Genau das bietet Symantec AntiVirus
für SMTP Gateways mit Schutz auf drei Ebenen:
- Erkennen von Spam-Mails, einschließlich:
- Unterstützung mehrerer Negativlisten (Blacklists) in
Echtzeit
- Heuristische Antispam-Engine
- Benutzerdefinierte Negativlisten
- Blockieren aufgrund der Betreffzeile
- Verwaltung von Falsch-Positiv-Meldungen, einschließlich:
- Benutzerdefinierte Positivlisten (Whitelists)
- Verhindern von Falsch-Positiv-Meldungen
- Versehen der Betreffzeile mit einer Textmarke, nach der der
Administrator am Gateway oder auf Client-Ebene filtern kann
- Verschieben potentieller Spam-Mails in ein spezielles
E-Mail-Konto des Administrators zur Quarantäne
Chris Miller ist Produktmanager
E-Mail-Sicherheitslösungen für Unternehmen bei Symantec |