9/11: Eine Bilanz
- 3.056 Menschen ließen nach jüngsten
Behördenangaben bei den Anschlägen ihr Leben. In den beiden
Türmen des World Trade Centers (WTC) in New York starben allein 2.823
Menschen, darunter 343 Feuerwehrleute und die 157 Insassen der beiden
Flugzeuge. Nur 1.215 der Opfer in New York konnten identifiziert werden.
- 189 Menschen starben in Arlington bei Washington, als die
Entführer die dritte Maschine in das Verteidigung- sministerium lenkten.
Alle 44 Insassen des vierten gekaperten Flugzeugs kamen beim Absturz bei
Pittsburgh (Pennsylvania) ums Leben. Insgesamt wurden alle 265 Menschen in den
vier Maschinen getötet, darunter die 19 Terroristen.
- Allein der direkte wirtschaftliche Schaden der
Anschläge in New York beträgt nach Experten- schätzungen
über 40 Milliarden Dollar (40,6 Mrd. Euro). Die Zerstörung des WTC
wurde zum größten Versicherungsfall der Geschichte. Die 1,8
Millionen Tonnen Trümmerschutt des World Trade Centers wurden in 262 Tagen
abtransportiert.
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9/11: Ein Jahr danach
Mit seiner Formel "Mit uns
oder gegen uns" hat US-Präsident George W. Bush nach dem 11. September die
Welt in Gut und Böse eingeteilt. Ein Jahr nach den Anschlägen stehen
die Gewinner und Verlierer des Anti-Terrorkriegs fest.
- Die Verlierer: Der Zorn der USA traf vor allem die
radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Die Koranschüler wurden von
vertrieben, vom Anführer des Terrornetzwerkes Al Qaida Osama bin Laden und
Talibanchef Mullah Omar fehlt jede Spur. Der Irak, als eines von Bush "Achse
des Bösen" bezeichneten Länder neben dem Iran und Nordkorea,
könnte das nächste Ziel eines US-Angriffs sein.
Palästinenserpräsident Yasser Arafat fiel in der Gunst Washingtons.
Die USA werfen ihm vor, nicht genug gegen radikale
Palästinenserorganisationen zu unternehmen. Mit verschärften
Sicherheitsbestimmungen und Maßnahmen gegen Einwanderer zählen zu
den großen Verlierern auch die Menschenrechte....
- Die Gewinner:
Hoch im Ansehen der USA steht der
russische Präsident Wladimir Putin, als Meilenstein der
russisch-amerikanischen Annäherung gilt der jüngste
Abrüstungsvertrag. Moskaus Anbindung an die NATO wurde von Washington
stark unterstützt. Großbritannien wird von den USA als einziger
wirklich vertrauenswürdiger Mitstreiter geschätzt. Die Regierung von
Premierminister Tony Blair wurde von Anfang an in die Planung des
Afghanistan-Einsatzes miteinbezogen. Indien, Usbekistan und die Philippinen
werden von Washington im Kampf gegen islamistische Gruppen unterstützt.
Die Beziehungen mit China entspannten sich.
- Die Beobachteten:
Der pakistanische Staatschef
Pervez Musharraf stieg durch seine Unterstützung der USA in der Gunst
Washingtons, doch beobachten die USA genau, was Islamabad gegen Extremisten
unternimmt. Noch gilt Saudiarabien als Verbündeter. In Washington mehren
sich jedoch die Stimmen, die dem Königreich die finanzielle
Unterstützung von Terroristen vorwerfen. Außerdem kreiden die USA
Riad an, dass es sich gegen einen möglichen Krieg gegen den Irak stemmt.
- Die Vergessenen:
Die NATO konnte aus ihrer
bedingungslosen Unterstützung der USA nach den Anschlägen keinen
Profit schlagen. Die übrigen europäischen Verbündeten waren
plötzlich ausgeschlossen, während Großbritannien mit am Tisch
saß. Lateinamerika und Afrika wurden seither ebenso vernachlässigt.
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Die Gedenkfeiern
- In Gedenken:
In Gedenken an die Opfer der Anschläge vom 11. September haben die Menschen in den Vereinigten Staaten und zahlreichen weiteren Staaten am Mittwoch eine Schweigeminute eingelegt. In allen Teilen der USA ruhte um exakt 08.46 Uhr (14.46 MESZ) das Leben - in der Minute, in der im vergangenen Jahr das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers gerast war. Hunderte Menschen kamen zu einem offiziellen Gedenkakt an der Unglücksstelle Ground Zero in Manhattan. US-Präsident George W. Bush wollte sich im Weißen Haus der Schweigeminute anschließen. Nach einem Besuch des Absturzortes des vierten entführten Flugzeugs nahe der Stadt Shanksville wollte Bush am Nachmittag (Ortszeit) auch an Ground Zero einen Kranz niederlegen.
- Die Stille:
Die Stille breitete sich vom "Ground Zero" - dem ehemaligen Standort der WTC-Türme - über ganz New York und die USA aus. Der New Yorker Gouverneur verlas anschließend einer Ansprache, die Abraham Lincoln 1863 nach der Schlacht von Gettysburg gehalten hatte. Dann begann der ehemalige Bürgermeister Rudolf Giuliani mit dem Verlesen der Namen der 2.801 Namen der Opfer. "Gordon M. Aamoth. Edelmiro Abad. Maria Rose Abad. Andrew Anthony Abate..." Angehörige der Opfer legten in dieser Zeit in der Mitte der Baugrube, wo einst die Zwillingstürme standen, Blumen nieder.
- Weltweit:
In der Kapelle des Wiener Innenministeriums ist am Mittwoch der Terroranschläge des 11. September 2001 gedacht worden. Auch in Großbritannien gab es eine landesweite Schweigeminute. In der St. Paul's-Kathedrale in London nahmen etwa 2.000 geladene Gäste an einem Gedenkgottesdienst teil. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sagte sicherte in einer emotionalen Ansprache in der Residenz des US-Botschafters in Paris den Vereinigten Staaten uneingeschränkte Solidarität zu. Mit Schweigeminuten, Sirenengeheul, Gebeten und Konzerten gedachte auch Polen der Opfer. Um 14. Auch im Europäischen Parlament (EP) in Brüssel wurde eine Schweigeminute gehalten, an der auch Kommissionpräsident Romano Prodi, der dänische Europaminister Bertel Haarder als Vertreter des EU-Vorsitzlandes und EP-Präsident Pat Cox teilnahmen. NATO-Generalsekretär George Robertson sagte bei einer Gedenkveranstaltung in Brüssel, das Verteidigungsbündnis sei "in der Kampagne gegen den Terror im Zentrum gestanden. Die Terroristen haben ihr Ziel nicht erreicht. Statt eines Konflikts der Kulturen, ist die Welt gegen eine gemeinsame Bedrohung vereint wie nie zuvor."
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WTC-Mahnmal und Ground
Zero:
- Als Mahnmal für die Opfer des 11. September wurden
zwei hoch aufragende Stahlträger am Hudson River errichtet worden. Die
knapp fünf Meter hohen Träger stammen ebenso wie ein Kreuz, das an
ihrem Fuß angeordnet ist, von dem Schrott der Zwillingstürme. Das
Kreuz von Künstler Jerry Roberts war von Bergungsarbeitern aus
Trägern und Stützen der durch die Terroranschläge
zerstörten Wolkenkratzer geschnitten worden.
- Der Ground Zero zieht zu jeder Zeit Menschen an.
Tagtäglich zu hunderten und mit Kameras und Ferngläsern stehen sie am
Zaun, der das Gelände des zerstörten WTC umgibt. Angeblich ist es die
Leere dieses Ortes, der das ganze Ausmaß der Zerstörung erahnen
lässt. über Neubaupläne ist noch keine Entscheidung gefallen und
gearbeitet wird für die U-Bahn tief unter der Erde.
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Menschenrechte und Rassismus:
- Die Vereinten Nationen beobachteten nach den
Anschlägen vom 11. September eine weltweite Zunahme von Rassismus und
rassistischer Diskriminierung.
- In einem in New York veröffentlichten Bericht der
UNO Menschenrechts- kommission heißt es, Diskriminierung von Moslems und
Arabern, Anschläge auf Synagogen und Verwendung rassischer Profile bei
Einreisekontrollen seien die typischsten Beispiele für diese Entwicklung.
Moslems und Araber würden häufig bei Reisen in westliche Länder
stigmatisiert, hieß es. Angriffe auf jüdische Synagogen und
antisemitische Graffiti stünden mit dem andauernden israelisch-
palästinensischen Konflikt im Zusammenhang.
- In zahlreichen Staaten sei eine Rückkehr von
Rassismus, rassischer Diskriminierung und Fremden- feindlichkeit zu beobachten.
Der internationale Kampf gegen Rassismus müsse daher mit Ausdauer und
Nachdruck geführt werden.
- Besonders in Ländern, die mit Extremisten
konfrontiert sind oder die die politische Opposition behindern wollen, sei der
weltweite Aufschrei nach dem 11. September die perfekte Ablenkung für ein
hartes Durchgreifen im Innern gewesen, dokumentiert die
Website von
Human Rights Watch.
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Der Anti-Terror-Krieg
- Seit Beginn der Militäroperation in Afghanistan am 7.
Oktober haben Kampfflugzeuge der USA und ihren Alliierten mehr als 20.000
Bomben über Afghanistan abgeworfen. Davon waren 60 Prozent
präzisionsgesteuert. Nach Angaben des Pentagons kostet der Krieg derzeit
etwa zwei Milliarden Dollar pro Monat, Anfang des Jahres waren es noch 1,2
Milliarden. 70 Länder haben sich der Koalition gegen den Terror
angeschlossen, neben den USA schickten 24 Länder Soldaten nach
Afghanistan. 39 Amerikaner wurden im Krieg getötet, davon 16 im Kampf.
Militärexperten erklärten, die US-Streitkräfte müssten
wahrscheinlich noch Jahre in Afghanistan bleiben.
- Zwei Monate nach den Terroranschlägen von New York und
Washington kapitulierten die afghanischen Taliban unter dem Druck des
amerikanischen Dauerbombardements: Hals über Kopf floh die Regierung der
islamischen Fundamentalisten aus Kabul. Der eigentlich für alles
verantwortliche Osama bin Laden war da weit weg im Schutz seiner Bergfestung.
Als die US-Truppen dort erschienen, war er offenbar bereits verschwunden.
Seitdem fehlt jede Spur von Bin Laden.
- Auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba sind
etwa 600 Menschen aus 39 Ländern gefangen, die als Mitglieder des
Terrornetzwerks El Kaida gelten oder Taliban gewesen sein sollen. Bis zu 1.200
Menschen befanden sich zeitweilig wegen Terrorismusvorwürfen in
US-Gefängnissen. Die meisten wurden wegen Verstoßes gegen
Einwanderungsgesetze inzwischen abgeschoben.
- Rund 1,2 Millionen afghanische Flüchtlinge sind seit Ende
letzten Jahres in ihre Heimat zurückgekehrt 355,4 Milliarden Dollar (360,8
Mrd Euro) soll der US-Militäretat nach dem Willen des Senats im
nächsten Jahr betragen. Die Summe übertrifft den derzeitigen Etat um
rund 35 Milliarden Dollar, es wäre der größte Anstieg seit 20
Jahren.
- Die Terroranschläge vom 11. September haben auch Europa
tief erschüttert. Nur einen Tag später rief die NATO erstmals in
ihrer Geschichte den Bündnisfall aus und machte die Anschläge damit
zu einem Angriff auf die gesamte Allianz. Zehn Tage später kamen die
EU-Staaten zu einem Sondergipfel zusammen und beschlossen ein gemeinsames
Vorgehen im Kampf gegen den Terrorismus. Doch die Bereitschaft Europas,
kompromisslos an der Seite der USA zu stehen, schwindet. Das zeigt das Beispiel
Irak.
- Die WTO zeichnet düsteres Bild: 2001 war der Welthandel
erstmals seit 20 Jahren rückläufig. Das Welthandelsvolumen ist um 1
Prozent geschrumpft, der Wert hat in US-Dollar gerechnet zum Vorjahr sogar um 4
Prozent auf 6,0 Bill. Dollar abgenommen. Dagegen ist der Wert weltweit
ausgetauschten Güter und Dienstleistungen im "goldenen Jahr 2000" noch um
12 Prozent auf 6,2 Bill. Dollar gestiegen. Für 2002 rechnet die WTO zwar
wieder mit einem geringen Wachstum der weltweiten Handelsströme, doch
werde die Erholung zunächst vom Aufstocken der im Zuge des
Wirtschaftsabschwungs leer geräumten Lager gestützt. Es sei aber
unwahrscheinlich, dass das Handelsvolumen 2002 um mehr als 1 Prozent zulegen
werde.
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Ausgewählte Artikel aus der Wiener Zeitung zum 11.
September 2001:
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WZOnline Fotos: apa, epa,
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