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Update: 24.03.2015, 15:12 Uhr

Asien

Die pazifische Epoche




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Von Thomas Seifert

  • China hat im Jahr 2014 die USA als größte Wirtschaftsmacht abgelöst. Auf dem Globus findet die größte Verschiebung der geopolitischen Plattentektonik seit dem Ersten Weltkrieg statt.

- © Peter M. Hoffmann

© Peter M. Hoffmann

Als die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds im Oktober 2014 die neuen Daten des World Economic Outlook präsentierten, steckte darin eine Sensation: China hat die USA 2014 als größte Wirtschaftsmacht abgelöst. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas betrug im Jahr 2014 17,6 Billionen Dollar verglichen mit 17,4 Billionen Dollar für die USA. Und China zieht auch 2015 und in den darauf folgenden Jahren weiter davon - es handelt sich um die größte Verschiebung globaler Macht seit dem Ersten Weltkrieg.

Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.

Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.© WZ Online Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.© WZ Online

1815, nach den Napoleonischen Kriegen und dem Ende des Wiener Kongresses am 9. Juni, war Großbritannien zur Führungsmacht der Welt aufgestiegen, das britische Imperium reichte von Australien über Teile des heutigen Malaysia, Indien, dem Kap der Guten Hoffnung und Sierra Leone an der Westküste Afrikas bis nach Kanada. Das britische Pfund war die globale Leitwährung, London der wichtigste Finanzplatz der Welt. In den 1870er Jahren überholten die Vereinigten Staaten Großbritannien wirtschaftlich, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die USA die Führungsrolle in der westlichen Welt. Nachdem der Zweite Weltkrieg den europäischen Kontinent, Japan und weite Teile von China und Asien verwüstet hatte, war Japan geschlagen, Deutschland am Boden, Frankreich und Großbritannien erschöpft, und Osteuropa in den Orbit der Sowjetunion geraten.

Information

Thomas Seifert, Jahrgang 1968, ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". Am 19. März 2015 um 19:00 Uhr wird sein Buch "Die Pazifische Epoche" im Rahmen eines Alpbach-Talks in der Hauptbücherei Wien (Urban Loritz-Platz 2a, 1070 Wien) vorgestellt.


Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.

Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.© Peter M. Hoffmann Thomas Seifert: Die pazifische Epoche. Die Geschichte Asiens im Schnelldurchlauf, eine Analyse des Aufstiegs Asiens in den vergangenen Jahrzehnten und Reportagen aus dem jungen, quirligen Asien. Deuticke Verlag, Wien 2015, 304 S., 21,90 Euro.© Peter M. Hoffmann

Die USA waren der Haupt-Architekt der neuen Weltordnung. In Bretton Woods wurde die Weltwirtschaft neu geordnet, die Vereinten Nationen sollten das zen-trale Forum der Weltpolitik werden. Der britische Ökonom John Maynard Keynes hatte damals die Vision einer Weltwährung "Bancor", doch die USA setzten sich durch, und der Dollar wurde Welt-Reservewährung, der Sturz des britischen Pfunds vom Thron der Weltwährung hatte schon zuvor begonnen. Nach Bretton Woods war er irreversibel. Der französische Präsident Charles de Gaulle machte die Dollar-Dominanz in den Sechzigern in Pressekonferenzen zu seiner cause célèbre, die USA würden ein "exorbitantes Privileg" genießen, meinte sein Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing.

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Denn wenn alle Welt Dollars halten muss, dann ist das wie ein zinsenfreier Kredit für die USA. Die USA konnten stets Geld zu einem niedrigeren Zinssatz borgen als der Rest der Welt. Der Finanzminister John Connally meinte Anfang der siebziger Jahre auf die Frage eines ausländischen Journalisten zum Dollar: "Er ist unsere Währung, aber euer Problem."

Zuletzt argumentierten Ökonomen, dass der Dollar zu einer "exorbitanten Bürde" für die USA geworden sei, weil Länder wie China - und die meisten anderen Überschussländer, also auch Deutschland - massiv in Dollar-Anleihen investiert sind und dadurch den Dollar-Kurs hochdrücken, womit das Leistungsbilanzdefizit, Arbeitslosigkeit und Schulden in die Höhe schnellen.

Die Jahre von 1945 bis 1989 waren dominiert vom Block-Konflikt zwischen den USA und der UdSSR. In den westlichen Nationen gab es einen unausgesprochenen Gesellschaftsvertrag, nach dem die Arbeitnehmer entsprechend den Profiten der Unternehmen Lohnsteigerungen erhalten. Großzügige Sozialstaaten waren Symbole der Überlegenheit des westlichen Systems.

Das Weltfinanzsystem war fragmentiert, Länder wie Indien und China, aber auch die Staaten Südostasiens, Lateinamerikas und Afrikas waren nicht voll in das globale Finanzsystem integriert. Es war eine ruhige Zeit an den Weltmärkten.

1979 kam das Jahr der liberalen Wende: Nach dem Tod von Mao Zedong in China wurde der Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping neuer Machthaber, er beendete 1979 die selbst gewählte Isolation des Landes und legte den Grundstein für die heutige wirtschaftliche Macht Chinas. Mit dem neuen Machthaber und der konservativen Wende von Margaret Thatcher (sie wurde 1979 Premierministerin Großbritanniens) und Ronald Reagan (er wurde 1980 zum US-Präsidenten gewählt) dämmerte das Zeitalter des "Ich" herauf. Darauf folgte 1989 ein Jahr der Revolutionen und Umbrüche, in Berlin fiel die Mauer, die Zäune zwischen Ost und West wurden durchtrennt, der Osten konnte sich aus dem Orbit der Sowjetunion lösen. Es war die Zeit der Freiheit. Die USA hatten nach dem siegreich geschlagenen Zweiten Weltkrieg den nächsten Erfolg errungen, die Unterstützung der Solidarnosc-Bewegung in Polen und der gegen die Sowjets kämpfenden Mudschaheddin durch die USA trug genauso zum Untergang der Sowjetunion bei wie eine konzertierte Aktion der USA und Saudi-Arabiens, die den Ölpreis 1986 von 26,8 auf unter zehn Dollar drückte. Letzeres eine Politik, die auch heute wieder mit großem Erfolg gegen den Nachfolgestaat der Sowjetunion, Russland, eingesetzt wird.

Auch in China gingen die Menschen auf die Straße, ein Besuch des sowjetischen Perestroika- und Glasnost-Präsidenten Michail Gorbatschow motivierte die Studentenbewegung, am Tian’anmen-Platz für Freiheitsrechte zu demonstrieren. Der liberale Ex-Premier und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas Zhao Ziyang hatte Verständnis für die Forderungen der Studenten, doch Chinas starker Mann Deng Xiaoping ließ die Proteste niederwalzen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-13 11:59:10
Letzte ńnderung am 2015-03-24 15:12:19



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