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  • vom 04.05.2012, 13:30 Uhr

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Der Amerikaner Henry David Thoreau vertrat radikale politische Ansichten, war aber auch ein Meister der idyllischen Naturbeschreibung. Am 6. Mai jährt sich sein Todestag zum 150. Mal.

Reflexionen in der Holzhütte


Von Christian Hütterer

Henry David Thoreau (1817-1862), hier im Jahr 1856.

Henry David Thoreau (1817-1862), hier im Jahr 1856.Foto: wikipedia Henry David Thoreau (1817-1862), hier im Jahr 1856.Foto: wikipedia

"Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: ,Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert.‘ . . . Wenn er verwirklicht wird, dann läuft es darauf hinaus: ,Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert‘." Mit diesen Worten beginnt Henry David Thoreau seinen Aufsatz "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat".

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Bis heute gilt Thoreau als einer der einflussreichsten politischen Denker in der Geschichte der Vereinigten Staaten, und seine Lehren haben weltweiten Niederschlag gefunden.

Thoreau wurde am 12. Juli 1817 in der Stadt Concord in Massachusetts als Sohn eines Fabrikanten geboren. Sein Großvater war von den britischen Kanalinseln nach Amerika emigriert und hatte dort ein Vermögen aufgebaut, sein Vater verlor es wieder. Thoreau wuchs daher in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde von einem seiner Zeitgenossen als "hässlich wie die Sünde" mit einem "flegelhaften und rustikalen Benehmen, das gut zu seinem Äußeren passt" beschrieben.

Kurze Lehrerkarriere
Nach dem Studium in Harvard begann Thoreau an jener Schule zu unterrichten, die er Jahre zuvor selbst besucht hatte. Er sorgte dort aber bald für Verwunderung, weil er sich weigerte, seine Schüler körperlich zu züchtigen. Thoreau gab im Streit mit der Schulleitung seine Stellung auf und eröffnete gemeinsam mit seinem Bruder eine eigene Schule. Sein Unterrichtskonzept war für die damalige Zeit sehr progressiv und umfasste Spaziergänge in der Natur genauso wie Besuche in Unternehmen. Die Karriere als Lehrer sollte allerdings nicht lange dauern, denn nach dem frühen Tod seines Bruders entschloss sich Thoreau, zum Bedauern seiner Schüler, die Schule wieder zu schließen.

Zu jener Zeit galt Concord, heute eine Kleinstadt mit 18.000 Einwohnern, als eines der intellektuellen Zentren des Landes. Rund um den Schriftsteller Ralph Waldo Emerson hatte sich ein Kreis von Autoren und Philosophen gesammelt, welcher die Ideen des Transzendentalismus propagierte. Sie gingen in ihren Überlegungen von einer Güte aus, die sowohl den Menschen wie auch der Natur inhärent sei. Nach der Vorstellung der Transzendentalisten wird dieses Gute im Menschen durch die Gesellschaft und ihre Institutionen - vor allem Politik und Religion - verdorben.

Konsequenterweise traten sie dafür ein, dass der Mensch ein von den herkömmlichen Institutionen gelöstes und möglichst einfaches Leben im Einklang mit der Natur führen sollte.

Thoreau hatte eine umfassende humanistische Bildung genossen und interessierte sich besonders für indische und chinesische Literatur. Er fand darin zahlreiche Beispiele für ein kontemplatives Leben und das Prinzip der Gewaltlosigkeit. Diese literarischen Einflüsse sowie die Denkweise der Transzendentalisten reiften in ihm, und am 4. Juli 1845 entschloss er sich, diese theoretischen Überlegungen in die Praxis umzusetzen: Er zog sich in eine einfache Holzhütte am Ufer des Teiches Walden zurück. Später schrieb er darüber: "Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben und mich den wesentlichen Dingen des Lebens stellen wollte, um zu sehen, ob ich nicht lernen könnte, was es mich zu lehren hatte, und um nicht, wenn ich sterben sollte, zu entdecken, dass ich nicht gelebt hatte . . . Ich wollte tief leben, all das Mark des Lebens aufsaugen, so robust und spartanisch leben, um all das zu vertreiben, was nicht Leben war."

Thoreau lebte in seiner Hütte aber nicht wie ein Einsiedler, denn der Walden-See liegt nur etwa vier Kilometer von Concord entfernt, eine Straße führte knapp an Thoreaus neuem Heim vorbei, und er hatte weiterhin Kontakt zu seiner Familie und zu Bekannten. Er verbrachte zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage in dieser Hütte und fasste seine Erlebnisse in dem Buch "Walden oder das Leben in den Wäldern" zusammen.

In diesem Werk komprimierte Thoreau seinen Aufenthalt auf ein einziges Jahr, um durch den Verlauf der Jahreszeiten seine eigene geistige Entwicklung symbolisch darstellen zu können. In einer Mischung aus Tagebuch und Sinnsuche beschrieb er in diesem Buch das einfache Leben in der Natur, das ihm auch genug Zeit für allgemeine Reflexionen über die Menschheit ließ.

Nacht im Gefängnis
Das Werk wurde ursprünglich zurückhaltend aufgenommen, entwickelte sich im Lauf der Zeit jedoch zu einem Klassiker der amerikanischen Literatur, in dem die Einfachheit und Harmonie der Natur als Beispiele für das Zusammenleben der Menschen dargestellt werden.

Thoreaus idyllischer Aufenthalt am See wurde allerdings kurz unterbrochen, denn im Juli 1846 musste er eine Nacht im Gefängnis verbringen. Sein Verbrechen: Er hatte sechs Jahre lang seine "Kopfsteuer" nicht bezahlt. Thoreau begründete diesen Steuerboykott mit dem Argument, dass er eine - in seinen Augen ungerechte Regierung - nicht unterstützen wolle.

Dank der Hilfe seiner Tante, welche die Steuerschuld beglich, blieb es zwar bei dieser einzigen Nacht im Gefängnis, dennoch beeinflusste dieses Ereignis Thoreau nachhaltig.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-04 11:20:13
Letzte Änderung am 2012-05-04 12:55:50


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