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  • vom 09.08.2012, 14:00 Uhr

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Update: 09.08.2012, 17:29 Uhr
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Auf der Suche nach dem Leben


Von Franz M. Wuketits

  • Vor 125 Jahren kam Erwin Schrödinger zur Welt. Der Österreicher war einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts. Ihm verdankt auch die Biologie wichtige Impulse.

"Seine Vorlesungen und Diskussionsbeiträge zeichnen sich durch einen grandiosen Stil aus, gekennzeichnet durch Einfachheit und Präzision. Seine eindrucksvolle Erscheinung erfährt durch das charmante Temperament eines Süddeutschen eine weitere Betonung." Mit diesen Worten der Berufungskommission wurde Schrödinger dem zuständigen Ministerium für den Lehrstuhl für theoretische Physik an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (seit 1949 Humboldt-Universität) empfohlen.

Schrödinger 1933, als junger Nobelpreisträger.

Schrödinger 1933, als junger Nobelpreisträger.© © Bettmann/CORBIS Schrödinger 1933, als junger Nobelpreisträger.© © Bettmann/CORBIS

Schrödinger wurde berufen und nahm die Professur von 1927 bis 1933 wahr. Doch war Berlin nur eine von vielen Lebensstationen dieses umtriebigen Gelehrten, dessen ausgesprochenes Interesse an der Physik schon in früher Jugend entflammt war. Bei der Physik allein sollte es allerdings nicht bleiben. Schrödinger befasste sich auch mit grundlegenden Fragen der Biologie und mit philosophischen Problemen.

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Ein Vorzugsschüler
Erwin Schrödinger wurde am 12. August 1887 in Wien als Sohn des naturwissenschaftlich interessierten Wachstuchfabrikanten Rudolf Schrödinger geboren. Seine Mutter, Georgine Schrödinger, war die Tochter des Chemikers und Regionalpolitikers Alexander Bauer. Als Einzelkind genoss er die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern und wurde von Privatlehrern unterrichtet, bevor er das Akademische Gymnasium besuchte. Dieses traditionsreiche, bereits 1553 gegründete Gymnasium ist das älteste in Wien. Schrödinger war stets Klassenbester, bestand seine Matura hervorragend und studierte anschließend an der Wiener Universität Physik und Mathematik. 1910 erfolgte seine Promotion, vier Jahre später seine Habilitation.

Information

Literaturhinweis:

Walter J. Moore: Erwin Schrödinger. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Thorsten Kohl, Primus Verlag, Darmstadt 2012, 423 Seiten 30,80 Euro
.

Von 1911 bis 1920 war er Assistent am II. Physikalischen Institut seiner Heimatuniversität. Der Erste Weltkrieg freilich verschonte auch ihn nicht, und er leistete Kriegsdienst an der Süd-Front. Allerdings fand er auch dort Gelegenheit, seine wissenschaftlichen Interessen weiter zu verfolgen und vertiefte sich unter anderem in Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie.

Die Nachkriegsjahre waren für Schrödinger von privaten Betrübnissen (Tod des Großvaters, des Vaters und der Mutter) und wirtschaftlichen Sorgen überschattet. Trotzdem setzte er seine wissenschaftlichen Studien fort und beschäftigte sich vor allem mit der Farbenlehre. 1920 vermählte er sich mit der um neun Jahre jüngeren Annemarie Bertel und übersiedelte mit ihr im selben Jahr nach Jena, wo ihm eine Dozenten-Stelle angeboten worden war.

Damit begann für Schrödinger ein langes akademisches Wanderleben quer durch Europa. In Jena blieb er nur ein halbes Jahr, um danach an der Technischen Hochschule in Stuttgart ein (unbefristetes) Extraordinariat zu übernehmen. Vor seinem Berliner Lehrstuhl bekleidete er noch Professuren an den Universitäten Breslau (Wrozław) und Zürich und hielt Gastvorträge in den USA.

1933 war das Jahr, in dem Schrödinger der Nobelpreis verliehen wurde, aber auch das Jahr der Machtergreifung Hitlers. Schrödinger wanderte freiwillig nach England aus und übernahm eine Professur in Oxford. Drei Jahre später aber kehrte er nach Österreich zurück und wurde Professor an der Universität Graz. Nicht lange, denn 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, wurde er aus dem Universitätsdienst entlassen und verließ - diesmal unfreiwillig - seine Wirkungsstätte.

Es folgten Aufenthalte in der Schweiz, in Italien, Belgien und England. 1939 übernahm er die Leitung des für ihn eingerichteten "Institute for Advanced Studies" in Dublin. Erst 1956 kehrte Schrödinger nach Österreich zurück. Er übernahm ein persönliches Ordinariat an der Wiener Universität, das er, fast siebzigjährig, nur ein Jahr lang bekleidete.

Schrödinger starb am 4. Jänner 1961 in Wien, wurde aber - seinem eigenen Wunsch gemäß - in Alpbach in Tirol beigesetzt, wo er sich zumal in seinen letzten Lebensjahren stets gern aufgehalten hatte. Sein Leben war nicht nur in akademischer Hinsicht abwechslungsreich. In seinem Privatleben sprengte er - zurückhaltend gesagt - die Fesseln einer bürgerlichen Existenz, hielt nicht viel von Konventionen, und so konsequent und geradlinig er seine Arbeit verfolgte, so sprunghaft war sein Temperament. Im Umgang mit seinen Mitmenschen zeigte sich der Tabakfreund, Bier- und Weinliebhaber locker, freundlich und großzügig, konnte sich aber auch als Primadonna gebärden.

Physik und Leben
Schrödinger ist vor allem als Physiker bekannt. Er beschäftigte sich sowohl mit experimentellen, als auch mit theoretischen Problemen, und in den sechs Jahren seiner Berliner Zeit umfassten seine Vorlesungen und Übungen praktisch sämtliche Aspekte seines Faches. Untrennbar verbunden ist sein Werk mit der Quantenmechanik (Quantentheorie), die eine wesentliche Erweiterung der klassischen Physik darstellt, sich von dieser aber auch grundlegend unterscheidet. Sie beschreibt und erklärt Vorgänge und Gesetzmäßigkeiten im subatomaren, mikrophysikalischen Bereich und führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu weitreichenden und lebhaften Kontroversen. In ihrer Konsequenz zeigt uns die Quantenmechanik im Sinne von Schrödinger eine verschränkte Welt, die gleichsam am Grund unserer Wirklichkeit existiert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-09 16:49:27
Letzte Änderung am 2012-08-09 17:29:32


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