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  • vom 21.09.2012, 13:00 Uhr

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Neun furchtlose Teenager


Von Arthur Fürnhammer

  • Im September 1957 erkämpften schwarze Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsbesuch in einer traditionell weißen Schule. Als "Little Rock Nine" gingen sie in die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung ein.

Von Soldaten der US Army geschützt, traten die "Little Rock Nine" ihren Schulweg an. - © Bettmann/CORBIS

Von Soldaten der US Army geschützt, traten die "Little Rock Nine" ihren Schulweg an. © Bettmann/CORBIS

Vor 55 Jahren, am 23. September 1957, kommt es zu einer Premiere in der Geschichte des US-Fernsehens. Zum ersten Mal wird für ein aktuelles Ereignis das reguläre Programm unterbrochen, um live zu berichten. Der Grund dafür ist auf den ersten Blick banal: der Schulbesuch von neun afroamerikanischen Teenagern in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas. Doch als Präsident Eisenhower den Einsatz der "Screaming Eagles" anordnet, jener verdienstvollen Luftlandeeinheit der US-Armee, um den Jugendlichen den Schuleintritt zu ermöglichen, sieht ganz Amerika zu.

Die Rassentrennung war in den Südstaaten der USA bis Mitte der 50er Jahre Realität und auch verfassungsrechtlich gedeckt. Auf Basis des Prinzips "getrennt aber gleich" ("seperate but equal") sollte laut Gesetz jedem Schüler das gleiche schulische Angebot zur Verfügung stehen, wenn auch in unterschiedlichen, nach Hautfarbe getrennten Institutionen.

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Chancenungleichheit
Doch die Gleichheit bestand nur auf dem Papier. Im zentralen Schulbezirk von Little Rock gab es eine Highschool für "weiße" und eine für "schwarze" Schüler. Beide gehörten zu den besten der USA - und doch lagen Welten dazwischen. Die Little Rock Central High School (auch "Central High") galt nach ihrer Eröffnung 1927 als modernste, und für das "American Institute of Architects" gar als schönste Schule der USA.

Auch die nur wenige Blocks entfernte Laurence Dunbar High School wurde landesweit als eine der besten Schulen für Afroamerikaner gelobt. Doch Dunbar hatteein geringeres schulisches Angebot und insgesamt weniger Geld zur Verfügung. Für die Schüler der Central High gab es jedes Jahr neue Schulbücher, für die Schüler von Dunbar hingegen nur die gebrauchten Bücher ihrer Nachbarschule, Schmierereien und abschätzige Kommentare inklusive.

1954 gelang der NAACP ("National Association for the Advancement of Coloured People"), einer der ältesten und einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen der USA, ein historischer Erfolg. In einer Reihe von Urteilen gab das Oberste Bundesgericht ihrer Klage statt und erklärte unter dem Vorsitz des Richters Earl Warren die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig. Nachteilig war nur, dass der Supreme Court keine Frist setzte, bis zu der die Integration Farbiger im Schulwesen abgeschlossen sein musste. Die Formulierung "at all deliberate speed" ("mit aller gebotener Geschwindigkeit") gab Spielraum zur Auslegung, der auch genutzt wurde.

Das Schulwesen in den USA war traditionell Kompetenz der Bundesstaaten, daher empfanden viele Südstaaten das Brown-Urteil als unzulässige Einmischung durch die Bundesgewalt und taten alles, um die Umsetzung des Urteils zu verschleppen. In Arkansas jedoch, einem vergleichsweise liberalen Bundesstaat, entschied die Schulbehörde von Little Rock, die Central High School beginnend mit dem Schuljahr 1957 zur Integration freizugeben. 80 Schüler von Dunbar meldeten sich für einen Übertritt zur Central High School an. Nach einem Ausleseverfahren, durchgeführt von der lokalen Gruppe der NAACP, bei dem die schulischen Leistungen, vor allem aber die mentale Stärke der Kandidaten geprüft wurde, blieben am Ende des Sommers zehn Schüler übrig, die bereit waren, ihre schulische Laufbahn an der Central High, einer Schule mit 1900 weißen Schülern, fortzusetzen.

Über den Sommer hatte sich auch die Stimmung unter der Bevölkerung von Little Rock aufgeheizt. Eine Vereinigung besorgter (weißer) Mütter reichte mit dem Verweis auf drohende Gewaltausbrüche Klage gegen den Integrationsplan der Schulbehörde ein und bekam Recht. Drei Tage später wurde das Urteil von einem Bundesgericht wieder aufgehoben, womit dem Schuleintritt der zehn Jugendlichen zumindest rechtlich nichts im Wege stand.

Doch der Gouverneur von Arkansas, Orval Eugene Faubus, hatte andere Pläne. Er galt im Bezug auf die Rassentrennung als moderat. Unter dem größer werdenden Druck aus der Bevölkerung und von Südstaatenpolitikern wurde dem früheren Leiter eines Provinzblattes ohne nennenswerten politischen Rückhalt aber bewusst, dass seine politische Zukunft auf dem Spiel stand. Faubus berief daher am Tag vor dem offiziellen Schulbeginn 10.000 Mann der Nationalgarde von Arkansas ein und ließ das Schulgebäude umstellen. Zum Schutz der Schüler, wie es offiziell hieß. Als ein Wachposten aber am nächsten Tag gefragt wurde, weshalb er hier sei, antwortete dieser: "to keep the niggers out".

Der Konflikt
Am Morgen des 3. September organisiert die Präsidentin des NAACP in Arkansas, Daisy Bates, Autos, um die Schüler geschlossen zur Central High zu bringen. Als die Gruppe das Schulgebäude erreicht, wird sie bereits von Reportern und Filmteams und von einer großen Menge aufgebrachter Passanten erwartet. Daisy Bates und den zehn Schülern bleibt nichts anderes übrig, als umzukehren und das Schulgelände zu verlassen.

Doch der Konflikt hat nun die Aufmerksamkeit des Landes und auch die des Präsidenten der USA: Dwight D. Eisenhower, gerade auf Golfurlaub, willigt ein, Faubus zu treffen. Dieser verspricht ihm, seine Order an die Wachkräfte rückgängig zu machen und den zehn Schülern Zutritt zur Schule zu gewähren. Aber der Gouverneur denkt vorerst nicht daran, sein Versprechen zu erfüllen. Die Nationalgarde bleibt. Erst zwei Wochen später, als ein Bundesgericht urteilt, dass Faubus die Nationalgarde rechtswidrig dazu benutzt hat, die Umsetzung einer Entscheidung des Supreme Courts zu verhindern, lässt dieser die Wachposten entfernen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-21 11:14:09
Letzte Änderung am 2012-09-21 12:51:15


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