• vom 09.03.2017, 17:38 Uhr

Plus Energie

Update: 09.03.2017, 17:50 Uhr

Blackout




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Von Leo Szemliker

  • Mehr als eine Milliarde Schäden im Falle von 24 Stunden Blackout.

So sieht er aus, der Tag ohne Strom ...

So sieht er aus, der Tag ohne Strom ... So sieht er aus, der Tag ohne Strom ...

24,11 Minuten. So lange waren in Österreich im Jahr 2015 Stromnetze im Schnitt pro Kunde unangekündigt nicht verfügbar. Laut EU-Vergleichen liegt Österreich mit diesen Daten sehr gut. Darauf weist die E-Wirtschaft auch immer wieder hin.
Von den Stromnetzen hängt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Wohlergehen einer ganzen Nation ab. Sie verbinden Erzeuger und Verbraucher. Damit das Stromversorgungssystem zuverlässig funktioniert, muss zu jedem Zeitpunkt exakt die gleiche Strommenge in das Netz eingespeist werden, wie von den Verbrauchern entnommen wird.
Blackouts sind gefährlich. In ein paar Tagen gänzlich ohne Strom wäre ein entwickeltes Land wie Österreich um Jahrzehnte zurückgeworfen. Blackouts wie der große Stromausfall im August 2003 im Nordosten der USA zeigen schonungslos diese Abhängigkeiten auf. Damals erholten sich Metropolen wie New York, Detroit und auch Toronto in Kanada nur langsam. Der Blackout breitete sich damals in nur drei Minuten blitzartig aus. 21 Elektrizitätswerke, darunter 9 Kernkraftwerke, fielen in einem Domino-Effekt hintereinander aus. In New York und in Michigan wurde der Notstand ausgerufen. Die Weltöffentlichkeit war schlicht geschockt. Seit damals werden weltweit verstärkt Szenarien durchgespielt, Maßnahmen ergriffen. Denn sämtliche gesellschaftlichen Grundfunktionen und sicherheitsrelevanten Infrastruktureinrichtungen müssen sich auf eine unterbrechungsfreien Stromversorgung verlassen können.
Eine Studie von Kiras, des österreichischen Förderungsprogramms für Sicherheitsforschung, mit dem fast schon reißerischen Titel BlackÖ.1 hat bereits vor einigen Jahren davor gewarnt, dass das Risiko von großflächigen Ausfällen im österreichischen Stromnetz steigt – schlicht aufgrund zunehmender Netzbelastung. In der Folgestudie (ja, richtig: Black-Ö.2) wurden daher Maßnahmen eingefordert, um die Infrastruktur zu verbessern. Die Projektleitung lag beim Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz. Die Energiewende mag aus umwelt- und klimapolitischen Gründen unausweichlich sein, der Ausbau und die vorrangige Netzintegration höchst volatil produzierender Wind- und Photovoltaikanlagen produzieren sozusagen auch Schattenseiten. Laut dem Energieinstitut "gefährden sie die bisher hohe Versorgungssicherheit mit elektrischer Energie in Österreich". Die für die Stabilität des heimischen Stromnetzes zuständige Austrian Power Grid AG (APG) muss heutzutage in etwa zehn Mal so oft wir früher eingreifen und den kurzfristigen Stromhandel aussetzen, um die Netzstabilität zu wahren.

Laut dem vor eineinhalb Jahren fertiggestellten und publizierten Endbericht von BlackÖ.2 verursacht eine Stunde Totalausfall 88 Millionen Euro an Kosten im Hochlastfall, bei Niedriglast in etwa die Hälfte. Das heißt: 24 Stunden kein Strom und deutlich mehr als eine Milliarde Euro volkswirtschaftlicher Schäden wären angerichtet. Abgesehen von den Sicherheitsrisiken eines totalen Blackouts: Auch ökonomisch ist es also sinnvoll, die Netze stabil zu halten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-09 17:40:43
Letzte ─nderung am 2017-03-09 17:50:36



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