• vom 09.03.2017, 18:03 Uhr

Plus Energie

Update: 09.03.2017, 18:07 Uhr

Gutes Geld mit neuer Technik




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Von Klaus Fischer

  • Wie auch in anderen Branchen ist in der Energiewirtschaft der Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien ein zentrales Thema. An den klassischen Tugenden des Geschäftswesens führt aber auch künftig kein Weg vorbei.

Dynamischer Prozess: Durch die Digitalisierung sind auch in der Energiewirtschaft etliche Innovationen zu erwarten. 

Dynamischer Prozess: Durch die Digitalisierung sind auch in der Energiewirtschaft etliche Innovationen zu erwarten. © Energie AG Oberösterreich Dynamischer Prozess: Durch die Digitalisierung sind auch in der Energiewirtschaft etliche Innovationen zu erwarten. © Energie AG Oberösterreich

Martin Graf, seines Zeichens Vorstand der Energie Steiermark, nahm sich bei der Energiekonferenz "EventHorizon 2017" in Wien kein Blatt vor den Mund: Die Energieunternehmen müssten dringend neue Geschäftsmodelle entwickeln. "Denn wenn wir das nicht tun, werden es andere tun und uns die Kunden wegnehmen", so sein Befund.
Als wesentliches Mittel, um den Kunden neue Produkte und Dienstleistungen offerieren zu können, gilt in der Branche der Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien. Und das betrifft die gesamte Wertschöpfungskette.
Für den Verbund beispielsweise umfasst die Digitalisierung "das gesamte Energiesystem – in unterschiedlichen Ausprägungen und Geschwindigkeiten", heißt es seitens des Unternehmens. Die Kraftwerke werden seit schon langem automatisiert über Zentralwarten gesteuert, auch der Handel an den Strombörsen ist vollständig digitalisiert. Erst vor kurzem präsentierte der Verbund diesbezüglich seine neue Kundenplattform mit der Bezeichnung "Vision". Unternehmensangaben zufolge bündelt diese "unser Vertriebs- und Handelsangebot in einem zentralen Kommunikations- und Dienstleistungsportal und ist ein Riesenschritt in Richtung Digitalisierung des Stromabsatzes". Für die Kunden werde die Digitalisierung besonders dann spürbar, "wenn sie selbst am System teilhaben, indem sie zum Beispiel Sonnenstrom erzeugen und speichern bzw. wieder ins Netz einspeisen oder ihren Energiebedarf daheim kontrollieren und steuern können". Gewerbe- oder Industriekunden mit hohem Energiebedarf könnten mittels "intelligenter Softwarelösungen ihre Erzeugungs- und Verbrauchsflexibilitäten gebündelt am Regel-energiemarkt verkaufen. Gerade im Endkundenbereich werden wir in der nächsten Zeit noch viele spannende Lösungen und Innovationen sehen".
Ähnliches ist von anderen Energieversorgern zu hören, etwa von der Energie AG Oberösterreich. In den Vertriebsbereichen gewinnen ihr zufolge Online-Plattformen immer mehr Bedeutung. Gleiches gilt für den "intelligenten Umgang mit Kundendaten, um bedarfsgerechte Produkte kundenindividuell und kostengünstig anbieten zu können. Zudem werden Kundenprozesse wie Wohnungswechsel oder Rechnungslegung automatisiert". Grundsätzlich betrachtet, umfasst die Digitalisierung laut Energie AG Oberösterreich "folgende Stoßrichtungen: digitale Kommunikation, digitale Vertriebskanäle", weiters das Schärfen des Kundenverständnisses, die Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen und die Dezentralisierung der Erzeugung. Auch wirken sich die neuen Technologien zwangsläufig auf die internen Unternehmensprozesse aus.

Ungeahnte Möglichkeiten
Immer wieder ist deshalb im Anklang an die "Industrie 4.0" von der "Energiewirtschaft 4.0" vom "Energieunternehmen 4.0" als Perspektive die Rede. Doch wie dies aussehen könnte, ist noch nicht so wirklich klar. Klar ist allerdings eines, betont Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber: "Ich behaupte, dass sich jedes ‚Unternehmen 4.0‘, egal welcher Branche, voll auf den Kunden ausrichten muss. Digitalisierung bietet ungeahnte Möglichkeiten der Kundeneinbindung. Wer das richtig nutzt, wird an Markt gewinnen." Und: Abgeschlossen sein werde die Entwicklung zum "digitalen" Energie-unternehmen wohl kaum jemals: "Digitalisierung ist ein laufender, dynamischer Prozess. Gerade im Endkundengeschäft wird es noch viele Digitalisierungs- und Innovationsschübe geben."
Ansichten, die von der Energie AG Oberösterreich im Wesentlichen bestätigt werden. Ein einziges Modell für ein "Energieunternehmen 4.0" werde es nicht geben, "sondern eine Vielfalt unterschiedlicher Ansätze auf allen Wertschöpfungsstufen". Mit der Entwicklung des "Internets der Dinge" würden auch in der Energiewirtschaft etliche Komponenten mit Sensoren und Kommunikationsschnittstellen ausgestattet. Über diese erhalte das Energieunternehmen eine Vielzahl von Daten, die es zur Optimierung des Betriebs und der Wartung seiner Anlagen nutzen könne. Im Vertrieb wiederum stehe zumeist "die intelligente Vernetzung von sowie der zuverlässige Umgang mit Kundendaten im Vordergrund".
Dabei ist laut Energie AG zumindest grundsätzlich auch der Einsatz etwas exotischerer "Tools" denkbar, etwa von Websites, die das Verhalten der Besucher in Echtzeit verfolgen und sie gezielt zu bestimmten Angeboten leiten: "Generell verschließen wir uns vor keinem seriösen Vertriebskanal. Wenn die Kunden solche Systeme annehmen – warum nicht? Es liegt aber in unserer Verantwortung als Landes-Energieversorger, dabei jene Kunden nicht zu vergessen, die lieber auf dem herkömmlichem Weg mit uns kommunizieren wollen. In allen Fällen gilt aber: Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir ein seriöser Partner sind."
Das betont auch Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber. Denn Digitalisierung hin oder her - am wichtigsten für den Erfolg eines Energieunternehmens ist ihm zufolge auch künftig "immer noch ein gutes Produkt, und das haben wir".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-09 18:04:02
Letzte ─nderung am 2017-03-09 18:07:55



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