• vom 09.03.2017, 18:15 Uhr

Plus Energie

Update: 09.03.2017, 18:28 Uhr

Vom Stromlieferanten zum Effizienzberater




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die Energieversorger stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen.

Mit alternativen Energieformen können Stromkunden nun auch zu Lieferanten werden. Die bisherigen Energieerzeuger nehmen dabei eine neue und wichtige Beraterrolle ein.

Mit alternativen Energieformen können Stromkunden nun auch zu Lieferanten werden. Die bisherigen Energieerzeuger nehmen dabei eine neue und wichtige Beraterrolle ein.© Fotolia/ Marco2811 Mit alternativen Energieformen können Stromkunden nun auch zu Lieferanten werden. Die bisherigen Energieerzeuger nehmen dabei eine neue und wichtige Beraterrolle ein.© Fotolia/ Marco2811

"Die Rolle der Energieversorger hat sich gravierend verändert, spätestens seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 2001 und des Gasmarktes 2002", meint Andreas Eigenbauer, Vorstand der der E-Control. Davor gab es aufgrund des zweiten Verstaatlichungsgesetzes aus dem Jahr 1947 eine Rollenteilung: Die Verbundgesellschaft war de facto für den überregionalen Transport und die Produktion in Großkraftwerken zuständig, die anderen Stromversorger für die Verteilung und die Versorgung der Endkunden.
Diese können sich nun ihren Stromlieferanten aussuchen, und der kann wiederum den Strom quer durch Europa beziehen, wo immer er möchte. Allein von Jänner bis September 2016 haben 205.000 Strom- und Gaskunden den Anbieter gewechselt. Aktuell gibt es österreichweit 150 verschiedene Strom- und 40 Gaslieferanten. Parallel dazu ist auch das sogenannte Unbundling ein immer wichtigeres Thema in großen Unternehmen geworden, also die abrechnungstechnische und gesellschaftsrechtliche Trennung der Netznutzung von Stromerzeugung, Handel und Vertrieb.
Dazu kam 2015 das Energieeffizienzgesetz, das die Energielieferanten dazu verpflichtet, ihren Kunden aktiv beim Stromsparen zu helfen. Und auch wenn es paradox klingt, dass nun die Energieversorger dafür sorgen sollen, dass sie weniger Strom verkaufen, sehen viele das gar nicht so sehr als Bürde, sondern als Chance für neue Geschäftsfelder, meint Eigenbauer: "Sie können damit auch zusätzliche Dienstleistungen anbieten. Und die Kundenbindung spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Der Kunde bekommt nicht mehr bloß einmal im Jahr eine Stromrechnung geschickt, sondern zum Beispiel auch eine Energieberatung oder Finanzierungsmodelle zur Finanzierung von Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen." Wobei es in der Praxis gar nicht so große Dinge sein müssen. "Da werden zum Beispiel Glühbirnen durch LED-Lampen getauscht. Der Erfolg solcher Maßnahmen wird dann aber nicht gemessen, sondern rechnerisch ermittelt – ob das dann tatsächlich zu weniger Energieverbrauch führt, ist eine andere Geschichte", sagt dazu Harald Proidl, Leiter Abteilung Ökoenergie und Energieeffizienz bei der E-Control. Jedenfalls habe sich die Serviceorientierung der Energieversorger deutlich erhöht, meint E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch.

Dekarbonisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung
Auch die Rolle der Kunden hat sich zum Teil verändert. Immer mehr private Haushalte erzeugen nämlich ihren Strom mittels Photovoltaik selbst und speisen ihn ins Stromnetz ein. Viele Stromerzeuger haben darauf bereits mit eigenen Tarifen reagiert. Gleichzeitig wird damit auch die Stromerzeugung dezentralisiert.
Auch bei der sogenannten Dekarbonisierung spielen die Kunden eine nicht unwesentliche Rolle: Laut einer Umfrage von Wien Energie, WU Wien und Deloitte wünschen sie sich einen Anteil an erneuerbaren Energien von 95 Prozent am Strommix. Gut die Hälfte der Befragten kann sich den Kauf eines E-Autos oder Investitionen in Ökostromanlagen vorstellen, und fast zwei Drittel überlegen, zu einer geplanten Photovoltaikanlage auch einen Stromspeicher zu installieren.
Unterdessen schreitet die Digitalisierung weiter voran. Kraftwerke etwa werden ja schon lange automatisiert zentral gesteuert, auch der Handel an der Strombörse ist komplett digitalisiert. Der nächste große Schritt – und zugleich die nächste große Herausforderung für Anbieter wie Kunden – sind die Smart Meter, die ab 2019 flächendeckend installiert sein sollen. Mit diesen können Kunden ihren Stromverbrauch – etwa via Handy-App – auch selbst ablesen. "Und für die Energieversorger ist es zwar eine enorme Investition, dafür wird die Abrechnung einfacher und transparenter", erklärt Proidl. Zudem werden völlig neue Tarifmodelle möglich, die exakt auf den individuellen Verbrauch abgestimmt sind oder auch Kunden ermöglichen, den Stromverbrauch so zu timen, dass er zu jenen Tages- und Nachtzeiten steigt, wenn der Strom billiger ist. "Der Smart Meter ist aber nur ein Baustein: Der Kunde und der Stromanbieter müssen aus den abgelesenen Daten dann auch etwas machen."
Wien Energie etwa entwickelte den "HausMaster" als erste Komplettlösung Österreichs, die Haushalte darin unterstützt, Strom selbst zu erzeugen, zu speichern und intelligent zu nutzen. Auch der Verbund bietet mit "Eco-Home" ein Tool an, mit dem man etwa die Heizung, das Licht oder das Aufladen des E-Autos steuern kann. Das Rennen um den Strom der Zukunft ist eröffnet.

Werbung


Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-09 18:25:00
Letzte ńnderung am 2017-03-09 18:28:31



Werbung




Werbung


Werbung