• vom 28.04.2017, 15:00 Uhr

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Update: 28.04.2017, 15:12 Uhr

Gesundheit

Abnehmen mit und ohne Stress




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Von Cathren Landsgesell

  • Stressreize können helfen, uns gesund, schlank und womöglich sogar jung zu halten. Zugleich ist Stress eine der Hauptursachen von Übergewicht.



Laufen ist gesund, auch mit 70: Kathrine Switzer kam am 17. April 2017 beim Boston Marathon mit 4:44:31 nur um 24 Minuten langsamer ins Ziel als 50 Jahre zuvor. 1967 erstritt sie sich als erste Frau die Teilnahme am Boston Marathon.

Laufen ist gesund, auch mit 70: Kathrine Switzer kam am 17. April 2017 beim Boston Marathon mit 4:44:31 nur um 24 Minuten langsamer ins Ziel als 50 Jahre zuvor. 1967 erstritt sie sich als erste Frau die Teilnahme am Boston Marathon.© ap/Elise Amendola Laufen ist gesund, auch mit 70: Kathrine Switzer kam am 17. April 2017 beim Boston Marathon mit 4:44:31 nur um 24 Minuten langsamer ins Ziel als 50 Jahre zuvor. 1967 erstritt sie sich als erste Frau die Teilnahme am Boston Marathon.© ap/Elise Amendola

Stress kann bei Bernd Kleine-Gunk auch die Form eines Bioapfels einer alten Sorte annehmen. In den alten Sorten ist nämlich besonders viel Quercetin. Quercetin ist ein Bioflavonoid, wie es auch in Brokkoli oder in Zwiebeln vorkommt, es verleiht ihnen die gelbe Farbe. Äpfel, Brokkoli und Zwiebeln produzieren diesen sekundären Pflanzenstoff, um sich vor Hitzestress und UV-Strahlung zu schützen. Die gelbe Farbe ist Teil ihres Immunschutzes. Eigentlich giftig, ist Quercetin deshalb genau das, was den Bio-Apfel so gesund macht. Quercetin setzt unsere Körperzellen ein klein wenig unter Stress, gerade so viel, dass ein Enzym, Sirtuin, aktiviert wird. Sirtuin wiederum bringt die Zellerneuerung in Gang.

Für Bernd Kleine-Gunk sind Bio-Äpfel daher wahre Wunder. "Sirt-Foods", so der Mediziner, verlängern das Leben und helfen, gesund abzunehmen: "Sirt-Foods wirken nach dem so genannten Hormesis-Prinzip, ganz ähnlich wie Kalorienreduktion oder Bewegung. Alle drei sind nichts anderes als Stressreize, die unseren Körper dazu veranlassen, sich zu regenerieren", so Bernd Kleine-Gunk. Sirtuin-aktivierende Substanzen sind im Wesentlichen in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Sogar Rotwein enthält noch Resveratrol aus der Schale der dunklen Trauben, es ist aber auch in Himbeeren enthalten. Grünkohl enthält besonders viel Indol-3-Carbinol, das immunstärkend und entgiftend wirkt. "Abnehmen mit Sirt-Food" heißt das neue Buch des Gynäkologen und Ernährungsmediziners, dessen Spezialgebiet vor allem Alterungsprozesse sind. Hängen Übergewicht, Alterung und Stress also irgendwie zusammen? Ist Übergewicht am Ende eine Form der Alterung und eine Folge von Stress oder lassen sich überflüssige Pfunde auch mit bestimmten Formen von Stress wieder loswerden?

 Kakao aktiviert das Sirtuin

 Kakao aktiviert das Sirtuin  Kakao aktiviert das Sirtuin

Stress als "Dickmacher"

Eigentlich sind Stress und Übergewicht eine viel zu gute Kombination. Jedenfalls lässt sich beides nur schwer von einander trennen. Stress wird zunehmend als eine der Ursachen von Übergewicht verstanden, zugleich weiß man inzwischen, dass auch das Übergewicht selbst ein Stressfaktor für den Körper ist. Das zeigen immer mehr Studien aus den vergangenen Jahren. So zum Beispiel eine Studie der Universität Leipzig, die 2015 einen Zusammenhang zwischen Stress, Übergewicht und Depressionen zeigen konnte. Alle drei haben gemeinsam, dass sie Kennzeichen bzw. Ergebnis chronisch gewordener Entzündungsprozesse sind und sich wechselseitig verstärken.

Wenig Schlaf ist ein negativer Stressreiz und macht potenziell dick

Wenig Schlaf ist ein negativer Stressreiz und macht potenziell dick Wenig Schlaf ist ein negativer Stressreiz und macht potenziell dick

Eine Verbindung zwischen Stress und Übergewicht scheint Cortisol zu sein. Sind wir gestresst, produzieren die Nebennieren vermehrt Stresshormone oder besser gesagt Anti-Stress-Hormone: Adrenalin und Cortisol. Beide sollen helfen, mit Stress - etwa Verletzungen, Bakterien oder einer akuten Gefahr - gut umzugehen. Zumindest ist es biologisch so gedacht. Während Adrenalin für eine erhöhte Blut- und damit Sauerstoffversorgung von Herz und Muskeln sorgt, ist Cortisol als so genanntes Glukokortikoid für die Aufrechterhaltung von ausreichend Energie in Form von Zucker zuständig. Cortisol erhöht den Blutzuckerspiegel und senkt das Insulin. Es ermöglicht zum Beispiel der Leber, Glukose herzustellen, fördert den Proteinabbau und die Aufspaltung von Fettsäuren.

Kaffee treibt das Cortisol in die Höhe, ist aber zugleich Sirtuinaktiviedrend und damit ein "guter" Stressreiz.

Kaffee treibt das Cortisol in die Höhe, ist aber zugleich Sirtuinaktiviedrend und damit ein "guter" Stressreiz. Kaffee treibt das Cortisol in die Höhe, ist aber zugleich Sirtuinaktiviedrend und damit ein "guter" Stressreiz.

Die Ausschüttung von Cortisol reguliert zudem unsere Aktivität und Leistungsbereitschaft. Der Cortisolspiegel unterliegt deshalb normalerweise einem Tag/Nacht-Rhythmus. Morgens ab etwa fünf Uhr ist der Spiegel am höchsten, ab Sonnenuntergang sollte das Cortisol langsam weichen und dem beruhigenden Melatonin Platz machen. Das ist bei vielen Menschen nicht mehr der Fall. Statt am Abend müde zu werden, bekommen sie noch einmal einen Aktivitätsschub, weil plötzlich wieder sehr viel Cortisol ausgeschüttet wird. Dieser Effekt kann auch durch einen Mangel an Kohlenhydraten mitverursacht sein, wie die Ernährungsberaterin Sasha Walleczek erklärt: "Kohlenhydrate könnten helfen, das Cortisol wieder runter zu bringen und eigentlich spüren wir das auch sehr genau", sagt sie. "Die beruhigende Wirkung von Kohlenhydraten ist letztlich wohl auch der Grund, warum viele Menschen anfangen, Süßes zu essen, wenn sie gestresst sind."

Nicht gut: Hungrig ins Bett

Der Verzicht auf das Abendessen oder auf Kohlenhydrate am Abend ist aus der Sicht von Sasha Walleczek keine gute Idee, wenn man abnehmen will. Zunächst deshalb nicht, weil die Leber in diesem Fall bevorzugt auf Muskeleiweiß zurückgreift, um Glukose herzustellen. "Leider holt sich der Körper die Energie nicht aus Fett", so Walleczek, "sondern aus Eiweiß. Der Körper macht sich die Kohlenhydrate, die Sie weglassen, einfach selbst."

Das Dinner Cancelling ist aus Sicht von Walleczek auch deshalb keine gute Idee, weil die Glukoneogenese - die Herstellung von Zuckern aus Nicht-Zuckern - noch einen weiteren Effekt hat: Sie stresst und erhöht über diesen Signalweg den Cortisol-Spiegel. "Kohlenhydrate am Abend wegzulassen führt zu Blutzuckerschwankungen in der Nacht", sagt Walleczek. "Sie schlafen dann ganz schlecht oder können lange nicht einschlafen. Sie wachen auf, weil der niedrige Blutzucker ein Notsignal für den Körper ist." Eine Folge dieses Notsignals: Die Ausschüttung von aktivierendem Cortisol. Sasha Walleczek empfiehlt daher, neben Eiweiß auch Kohlenhydrate am Abend zu essen - beides entsprechend ihrer "Faustformel". Das heißt jeweils eine Faustgröße Eiweiß und eine Faustgröße stärkehaltige komplexe Kohlenhydrate plus (mindestens) zwei Faustgrößen Gemüse. "Das Eiweiß sorgt dafür, dass Sie sich satt fühlen und das Essen länger im Magen bleibt. Die Kohlenhydrate bringen Ihren Cortisol-Spiegel nach unten und Sie schlafen besser." Ausreichend Schlaf schützt außerdem vor Heißhungerattacken, weil der Blutzuckerspiegel und damit das Cortisol besser in Balance kommen.


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Dokument erstellt am 2017-04-28 13:39:17
Letzte ─nderung am 2017-04-28 15:12:15



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